Jacobs Jethro

Jethro Jacobs

*10.2.1939 in Recklinghausen

Vater Erich Jakobs *19.12.1906 in Nuttlar, Meschede, + 6.3.1973 Trenton, New Jersey, USA

Mutter Jettchen Hetti Neumann * 18.10.1909 in Kassel, + 13.8.2007 in New York

Schwester  Fredel Jacobs *23.11.1948 oo David Fruhman *11.4.1949; Kind Gary *30.12.1977

Adressen Recklinghausen Kellerstr.21

Weitere Lebensdaten

Foto Fredel Fruhman

1939 nach Geburt Mutter Hetti wegen Mastitis (Brustentzündung) ins Krankenhaus, Jethro ins Kinderkrankenhaus

Erich Jacobs schreibt über die erfahrene Unterstützung durch Marta Speck:

„Unser Baby wurde krank. Meine Frau hatte nicht genügend Muttermilch. […] Ich erinnere mich nicht, wer unser Arzt war. Er kam, sah Jethro – wie schwach er war –, ordnete seine Überweisung in das Kinder-Krankenhaus an und meine Frau musste auch ins Krankenhaus. Das  Kinder-Krankenhaus ließ uns wissen, dass unser Baby Muttermilch braucht! Woher sollten wir Muttermilch nehmen? Es gab keine jüdische Pflegemutter mehr in Recklinghausen oder in der näheren Umgebung. Nichtjüdische Frauen würden es nicht wagen, ihre Milch für ein jüdisches Kind zu geben. Doch Gott hat uns nie verlassen. Er half uns auch in dieser Situation! Es lebte im gleichen Haus eine jüdische Frau, verheiratet mit einem Goj [Nichtjuden], eine Frau Speck (ein sehr passender Name für „Speck“ = Deutsch für „Bacon“). Obwohl sie einen Goj geheiratet hatte, fühlte sie sich immer noch „jüdisch“. Sie selbst hatte keine Kinder, aber sie liebte Kinder. Als sie hörte, dass wir Muttermilch für unser Baby brauchten, war sie bereit, eine „Gojish“ nach Muttermilch zu fragen. So bekam das Kinder-Krankenhaus Muttermilch für unseren Jethro. In diesem Krankenhaus gab es viele Kinder, die Muttermilch benötigten. Wir hörten, dass es eine Krankenschwester gab, die eine Nazi-Enthusiastin war. Anstatt die für unser Kind abgegebene Milch dem jüdischen Baby zu geben, gab sie es „deutschen“ Kindern. Und sie wäre froh gewesen, wenn das jüdische Kind gestorben wäre. Schon bald bekam ich den Hinweis, unser Kind doch nach Hause zu holen, denn im Krankenhaus würde es sicherlich bald sterben. Und wir nahmen Jethro mit nach Hause! Und das war das Beste: Jethro bekam jetzt zu Hause seine Muttermilch und nahm an Gewicht zu. Mama, die inzwischen aus dem Krankenhaus gekommen war, sorgte gut für unser fast verlorenes Kind….


7. 3. 1941 Erich Jacobs erhält Einreisevisum für Ecuador

8.9.1941 abgemeldet nach Ecuador

Familie Jakobs und Schwiegervater Salomon Neumann sind die letzten jüdischen Recklinghäuser, denen die Flucht gelang

8.9.1941 -13.9.1941 über Bremen, Berlin, Frankfurt, Paris, Irun, Barcelona

In Barcelona Foto Fredel Fruhman

4 Monate Warten in Barcelona

Dann weiter über Lissabon, Casablanca, Jamaika, nach Kuba

1946 Trenton USA

Auswanderung nach Israel, Kibuz Alumim in Hanegev

1995 zu Gast in Recklinghausen auf Einladung der Stadt

Quellen

https://www.recklinghausen.de/Inhalte/Startseite/Ruhrfestspiele_Kultur/Gedenkbuch/_Opferbuch_selfdb.asp?form=detail&db=545&id=298

http://www.erich-jacobs.de/

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Wunder geschehen doch noch / Geschichte und Schicksal der jüdischen Familie Jacobs – Erich Jacobs,
Hrsg. von Siegfried Homann, Karl-Heinz Martini, Franz-Josef Wiemer. Aus dem englischen Originalmanuskript übersetzt von Andreas Wiemer (Deutsche Ausgabe; ISBN 3-938481-00-5)

Heinz Reuter, Die Juden im Vest Recklinghausen, Vestische Zeitschrift Bd. 77/78, 1978/1979

Werner Schneider, Jüdische Heimat im Vest Gedenkbuch 1983

Werner Schneider, Jüdische Einwohner Recklinghausens 1816-1945, in: 750 Jahre Stadt Recklinghausen. 1236-1986, hrsg. von Werner Burghardt, Recklinghausen 1986

Georg Möllers / Jürgen Pohl: Abgemeldet nach „unbekannt“ 1942, Die Deportation der Juden aus dem Vest Recklinghausen nach Riga, hrsg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Recklinghausen, Klartext Verlag, Essen 2013

https://eservice2.gkd-re.de/selfdbinter320/DokumentServlet?dokumentenname=545-298fieldBiographie.pdf

www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de (Auszug aus Erich Jacobs Memoiren)

U.S. Behördendaten Verzeichnis

U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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