Schulmann Johanna

Johanna Schulmann geb. Schloss

*29.1.1893 in Darmstadt; +30.3.1942 in Riga-Biekernieki

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Gumbel Gustav Schloss *17.10.1866 in Vielbach; Schuhmacher; oo26.6.1891; +1939

Mutter Wilhelmina Simon *2.10.1866 in Kölschhausen; +21.12.1933 in Gelsenkirchen

Geschwister

Simon Schloss *7.1.1892 in Darmstadt; kriegsgefallen 15.12.1914 1.WK, Gefreiter, 3.R.I.R. 116

Baruch Schloss *31.1.1894 in Darmstadt; +Sept. 1942 Auschwitz

Berta Schloss *29.9.1895 in Darmstadt; oo Ausländer; +22.4.1942 Izbica Ghetto

Selma Schloss *14.6.1896 in Darmstadt; Weberin; Köln; + nach 1939

Albert Schloss *24.6.1899 in Darmstadt; + 1953

Isidor Schloss *26.10.1901 in Darmstadt; Sept 1942 in Auschwitz

Beruf Krankenschwester

Adressen Gelsenkirchen, Kirchstraße 1

Heirat Simon Symela Icyk Schulmann *1898 in Szczekociny, Polen; + 3.4.1942 in Bernburg

Schwager David Szulmann *15.5.1899Szczekociny, Poland; Emigration Frankreich

Schwägerin Sara Szulmann geb. Stiebelmann *7.5.1896 in Szczekociny; untergetaucht

Nichten

Rosa Szulmann *12.8.1922 in Gelsenkirchen; untergetaucht

Sonja Szulmann *2.9.1930 in Gelsenkirchen; untergetaucht

Weiterer Lebensweg

16.11.1930 Simon Schulmann auf der Wahlliste bei Neugründung der liberalen jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen

10.9.1938 Ehemann verhaftet; Schutzhaft in Sachsenhausen

17.5.1939 in Gelsenkirchen mit Ehemann Simon bei Minderheiten-Volkszählung

20.3.1940 -2.9.1940 Ehemann Simon im KL Sachsenhausen

3.9.1940 -12.7.1941 Ehemann Simon im KL Dachau

12.7.1941-12.3.1942 Ehemann Simon im KL Buchenwald

„Grauer Bus“, Transport nach Bernburg

12.3.1942 Ehemann Simon verlegt in die Tötungsanstalt Bernburg, Saale

3.4.1942 Tod des Ehemanns in der Tötungsanstalt Bernburg, Saale, T4-Euthanasie

Dezember 1941 Ankündigung der „Umsiedlung in den Osten“

24.-27.1.1942 Sammellager Wildenburghalle in Gelsenkirchen

27.1.1942 Transport Gelsenkirchen über  Dortmund nach Skirotawa; Riga, Ghetto

Hermann Voosen, der jüdische Transportführer, 1945 in einem Brief über den Transport

Unterwegs starb dann Frau Meier aus Witten am 28. Februar 1942; sie war bereits krank, als sie in den Zug geschoben wurde. Zwei Doktoren aus Dortmund waren bei uns im Zug: Dr. Cohn, der selbst Diabetiker war, und Dr. Grünewald, der sich als Doktor bis dahin darauf beschränkt hatte, über medizinische Themen zu schreiben. Eine Krankenschwester aus Gelsenkirchen, deren Name mir leider entfallen ist, half allen großartig. Sie war eine approbierte Schwester und wohnte in der Schalkerstrasse.

Ebenfalls auf dem Transport als Krankenschwester im Einsatz Juliane (Anne) Wolff aus Dortmund

Als Herr Appel aus Dortmund sich weigerte, draußen vor den Augen der Frauen seine Notdürft zu verrichten, und seine Frau davor behüten wollte, von den Männern gesehen zu werden, schlug ein Feldgendarm ihm mit dem Gewehrkolben mehrmals über den Schädel, bis er zusammenbrach. Meine Tochter Juliane verband ihn später und pflegte ihn und seine Frau, die ganz zusammengebrochen neben ihrem Mann auf der Bank hockte.

Bericht ihrer Mutter Jeanette Wolff, bekannte Sozialdemokratin

1.2.1942 Ankunft Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto

29.3.1942 Eintrag im Journal Buch der Gruppe Dortmund

 „Zum ersten Transport nach Dünamünde sind von der Gruppe eingeteilt, die Sanitäter: Ferdinand Sternberg, Nathan Michel, Ernst Levy, die Schwester Johanne Szulmann. Die obengenannten haben am Montag, den 30.3., 7 Uhr morgens zum Abtransport nach Dünamünde ohne Gepäck auf dem Kasernenhof pünktlich zu erscheinen, gez. Dr. Herzberg.“

Dr. Heinrich Herzberg, Gruppe Hannover, Stellvertreter des Chefarztes Dr. Hans Aufrecht.

Für diese geplante Mordaktion mussten die jüdischen Gruppenärzte die Listen von Alten und Kranken aus der jeweiligen Gruppe aufstellen.

Den jüdischen Ghettofunktionären muss bewusst gewesen sein, dass alle in den Tod geschickt wurden („ohne Gepäck“), auch die begleitenden Sanitäter Ferdinand Sternberg (Bochum), Nathan Michel (Recklinghausen), Ernst Levy und die Krankenschwester Johanne Szulmann (beide Gelsenkirchen).

29.3.1942 Eintrag im Journal Buch der Gruppe Dortmund (Nachtrag)

 „Die Schwester Anne Wolff von der Gruppe Dortmund ist nachträglich für Dünamünde eingeteilt. Ich habe die Schwester Anne Wolff persönlich am 29.3. morgens im Auftrag des Herrn Dr. Aufrecht von der Tatsache in Kenntnis gesetzt. Der Termin der Abreise wird noch bekannt gegeben. Dr. Herzberg.“

Bericht Jeanette Wolff

„Hatte ein ungerechter Ältester irgendjemand, den er erledigen wollte, so kam dieser mit auf die Verschickungsliste. Auch mein ältestes Mädel war vom Chefarzt Dr. Aufrecht mit auf die Liste gestellt worden, und nur durch Rücksprache mit dem Polizeioberleutnant Heser, der mit dem Kommandanten sprach, blieb mir meine damals 28jährige Tochter erhalten.“

30.3.1942 2. Dünamünde-Aktion im Ghetto Riga;

30.3.1942 Tod bei Massenerschießung im Hochwald Bikernieki, Riga

Quellen

Hessisches Geburtsregister, 1874-1911; Darmstadt 1893

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztruppen, 1914-1918: ein Gedenkbuch, Reichsbund jüd. Frontsoldaten, Verlag Der Schild, 1932

jüdische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, 1933-1945

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de969254

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de981011

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de969266

http://www.gelsenzentrum.de/jeanette_wolff_riga.htm

Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011

Jeanette Wolff, Sadismus oder Wahnsinn, Greitz, Thüringen 1947

Hermann Voosen, Brief an Leo Gompertz, August 1945 The Wiener Holocaust Library

Jeanette Wolff, Ich habe Riga überlebt, Neue Gesellschaft, 1981

https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=11629652&ind=1

Manfred Keller, Spuren im Stein, ein Bochumer Friedhof als Spiegel jüdischer Geschichte, 1997

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_420127.html

Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008

Hilde Sherman: Zwischen Tag und Dunkel. Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt/M.-Berlin-Wien, 1984

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.