Kralovitz Rolf

Rolf Rudolf Martin Kralovitz

*15.6.1925 in Leipzig; +21.6.2015 in Köln

Buchenwald – Häftlingsnummer 10090

Staatsangehörigkeit Ungar

Religion Jude

Vater Max Kralowitz *12.8.1891 in Istanbul; Budapest; +1944 in Auschwitz

Mutter Martha Burgheim 5.1.1889 in Leipzig; Leiterin des Synagogenchors Leipzig; Jan 1945 in Ravensbrück

Geschwister

Annemarie Kralovitz *8.8.1922 in Leipzig; + Oktober1944 Auschwitz

Unklarer Bezug, Cousin ? Bela Kralowitz *1923; überlebt, 1945 in Budapest

Beruf Friseur,Schauspieler, Kabarettist, Autor

Adressen Budapest; Leipzig, Fregestraße 22, zuletzt Judenhaus Nordstraße 11

Nachbarn Familie Rosenthal,Leipzig, Nordstraße 11

Heirat ledig; oo Hannelore Kralovitz *1925; oo 24.8.1952 in New York Brigitte Meckauer

Kinder

Weiterer Lebensweg

Ende der 1920er Jahre Umzug nach Leipzig ins Waldstraßenviertel

1935 Wechsel an die „Höhere israelitische Schule“ in Leipzig, Leiter Ephraim Carlebach

1935 Vater zieht nach Budapest

17.5.1939 mit Mutter Martha und Schwester in Leipzig bei Minderheitenzählung

1939 Zwangsarbeit auf dem Städt. Friedhof Leipzig, Totengräber

Herbst 1941 Gehilfe in der »Friseurstube Pulvermacher« im jüd. Gemeindehaus

 1.3.1943 gemeldet Leipzig, Gustav-Adolf-Straße 7, Nichtsternträger

11.10.1943 Mutter Martha mit ihren Kindern in Leipzig, Fregestrasse 22 verhaftet

12.10.1943 eingewiesen ins KL Buchenwald von der Stapo Leipzig wegen „Vergehen gegen Polizeivorschriften“ für ausländische Juden

Vermerk DIKAL darf in kein anderes Lager durch die „Politische Abteilung“ wegen der ungarischen Staatsbürgerschaft

12.10.1943 Mutter und Schwester Annemarie Kralovitz von Leipzig eingewiesen ins KL Ravensbrück

April-Juni 1944 Verhaftung des Vaters in Budapest

3.10.1944 Schwester Annemarie mit „Invalidentransport“ nach Auschwitz in die Gaskammer

1943-1945 Kommandos in Buchenwald: kommt in die als Schutz für Jugendliche vom kommunistischen Kapo Robert Siewert eingerichtete Baukolonne, die auch beim Bau der SS-Rüstungsfabrik Gustloff II eingesetzt wird; SS-Lazarett, Baukolonne II und III; Häftlingsfriseur; Fuhrkolonne

5.4.1945 Himmlers Befehl zur Evakuierung von Buchenwald (47500 Häftlinge);

Bericht

„An diesem 5. April schickte die SS alle Juden, die sie zusammentreiben konnte, auf den ersten Todesmarsch. Somit hörte der jüdische Block 22 auf, zu existieren, und ich mußte nun weiter sehen, irgendwo unterzukommen. Neben der dauernden Suche nach neuen Verstecken war für mich der ständige Hunger das Schlimmste, denn es gab mich ja offiziell nicht mehr und somit gab es auch keine Essens- und Brotration.“

6.-10.4.1945 Die SS beginnt mit der Evakuierung des Konzentrationslagers; etwa 28.000 Häftlinge des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager werden auf insgesamt 60 Marschrouten – meist zu Fuß – auf die Todesmärsche getrieben, 12000 (Schätzung) kommen auf diesen Märschen um.

6.4. 1945 von den ca. 6000 Juden im Lager, können etwa 3000 versteckt werden; 3105 Juden werden im Lager zusammengetrieben, in den Werkshallen der DAW (Deutsche Ausrüstungswerke) eingesperrt und Richtung Flossenburg in Marsch gesetzt

7.4.1945 Todeszug nach Dachau verlässt Weimar mit ca. 7000 Häftlingen

10.4.1945 9.280 Insassen haben an diesem Tag Buchenwald in zwei Kolonnen verlassen. Die SS kündigt für den folgenden Tag die vollständige Räumung des Lagers an.

Evakuierung des KL Buchenwald in Güterwaggons nach Theresienstadt, Flossenbürg und Dachau

11.4.1945 Befreiung durch das 37. Panzerbataillon der 4. US-Panzerdivision

5.5.1945 von alliierter Kommission in Buchenwald entlassen;

17.5.1945 Rückkehr nach Leipzig¸ Schauspieler, Kabarettist in Leipzig; verliert wegen der Weigerung, der SED beizutreten die Anerkennung als „Opfer des Faschismus 1. Klasse“

Herbst 1946 Kabarettist in München „Simpl“;

20.11.1946 von Berlin-Zehlendorf ins DP-Camp Hannover Mühlenberg mit Hannelore Kralovitz

11.3.1949 emigriert in die USA

24.8.1952 Heirat in New York Brigitte Meckauer

1953 Lesereise in der BRD;

München; Köln

1960-1975 Produktionsleiter beim WDR

1975 Frühpensionierung wegen Erblindung

Aktiver engagierter Zeitzeuge

5.6.2009 Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“

21.6.2015 Tod

Gedenken

Pages of Testimony in Yad Vashem durch „Researcher“ für die Eltern

Beisetzung auf dem Münchner Nordfriedhof

Nachruf der Stadt Leipzig

Quellen

https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=11566942&ind=1

https://stolpersteine-guide.de/map/staedte/78/leipzig

https://collections.arolsen-archives.org/en/search/person/6365875?s=Rolf%20Kralovitz&t=222836&p=1

Ein Bochumer Konzentrationslager – Geschichte des Buchenwald-Außenlagers des Bochumer Vereins. Aufsätze, Fotos, Dokumente, hrsg. v. VVN-BdA (Kreisvereinigung Bochum), Bochum 2019, 112 S., ISBN: 978-3-931999-25-4

Hubert Schneider, Ungarische Juden als Zwangsarbeiter in Bochum, in: Jan Erik Schulte (Hrsg) Konzentrationslager in Rheinland und Westfalen 1933-1945, Paderborn 2004

Rolf Abrahamsohn, Was machen wir, wenn der Krieg zu Ende ist? Klartext, 2010

Kogon, Eugen, Der SS-Staat, 1974, Verlag Kindler

Gedenkstätte Buchenwald (Hrsg.) Buchenwald – Mahnung und Verpflichtung, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften 1983

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert