Jakob Cohen
*28.9.1921 in Berlin
Staatsangehörigkeit Türkei, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Isaak Cohen * 3.5.1895 in Istanbul; ✡31.5.1939 in Berlin
Mutter Sara Pinto *7.4.1900 in Istanbul; ✡ 15.5.1942 in Kulmhof
Tante Sol Cohen *7.7.1885 in Istanbul; ✡18.8.1942 in Riga
Geschwister
Ruben Cohen *7.8.1923 in Berlin; ✡ 15.5.1942 in Kulmhof
Viktoria Cohen *2.5.1928 in Berlin; ✡ 15.5.1942 in Kulmhof
Sultana Cohen *31.8.1935 in Berlin; ✡ 15.5.1942 in Kulmhof
Gabriel Cohen *2.11.1938 in Berlin; ✡ 15.5.1942 in Kulmhof
Cousine Sultana Savariego *14.5.1914 in Berlin; ✡ 1943 in AuschwitzBeruf Arbeiter
Adressen Berlin, Ohmstraße 1; Urfeld; Paderborn
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Ostern 1928 Einschulung

Ostern 1928-27.3.1936 Jüdische Volksschule
Mitglied der jüdischen Jugendorganisation Habonim
10.11.1938 Verhaftet im Novemberpogrom,
„Schutzhaft“ in Buchenwald; Häftlingsnummer
3.2.1939 entlassen aus Buchenwald
17.5.1939 in Berlin mit den Eltern und 4 Geschwistern bei Minderheiten-Volkszählung
31.5.1939 Tod des Vaters Isaak Cohen in Berlin
Hachschara in Urfeld
21.8.1939 Jakob Cohen aus Berlin zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.
Von März 1934 bis April 1940 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 150 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.
Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)
28.11.1939 Jakob Cohen abgemeldet aus Urfeld nach Palästina
22.5.1940 Jakob Cohen von Berlin ins Umschulungs- und Einsatzlager Paderborn, Grüner Weg
11.6.1940 Cousine Sultana Savariego folgt aus Berlin nach Paderborn
30.8.1940 mit einer Gruppe von 24 Chawerim aus Paderborn offiziell abgemeldet nach „Paraguay“
30.8.1940 mit dem Zug von Paderborn nach Wien, Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa
10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chaluzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN
10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;
Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.
Zwischenstopp auf Kreta, um Kohle aufzunehmen
31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet
1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa. Die Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)
5.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten
8.11.1940 Registrierung im Camp Athlit; gibt keine Referenzperson an
25.11.1940 Ankunft zweier weiterer Schiffe in Haifa
25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA
Walter Steinitz, ebenfalls aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:
“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“
Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.
25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.
26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;
Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.
1940 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können
September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith
12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.
Berlin- Ghetto Lodz- Kulmhof
24.10.1941 Transport der Mutter mit den vier Geschwistern von Berlin- Ghetto Lodz
15.2.1942 Überstellung der Mutter mit den vier Geschwistern aus dem Ghetto Lodz in das Vernichtungslager Kulmhof
Gedenken
Pages of Testimony von Mazolta Ert
Quellen
StA Bornheim, Slg Zerlett
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)
Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.
https://www1.wdr.de/urfeld100.html
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1028553
https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=9968463
https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php?SourceId=19584
https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561
www.raoulwallenberg.net/general/ruth-kl-uuml-ger-mossad-le/
Rudolf Stern (Chawer aus Dortmund), Meine Aliyah – 13. Oktober 1939 – 29. Januar 1940; unveröffentliches Manuskript, 1987