Rosenfeld Gerd

Gerd Rosenfeld

1915 mit Bruder Herbert

*19.5.1911 in Berlin; ✡  1943 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Jonas Rosenfeld *25.6.1877 in Frankfurt; ✡19.12.1954 in New York

Heirat der Eltern 4.7.1910 in Berlin

Mutter Emma Frieda Tscharntke *18.10.1885 in Berlin; ✡16.8.1944 in Berlin

Geschwister

Herbert Rosenfeld *7.1.1914 in Berlin;

Ursula Rosenfeld *2.10.1919 in Berlin; oo Hans Hanauer ✡ 23.4.2004 in La Habra, USA

Beruf

Adressen Berlin; Paderborn

Heirat Hela Bergmann *21.3.1921 in Hörde, Dortmund; ✡ 31.3.1943 in Auschwitz

Kinder

Weiterer Lebensweg

17.5.1939 mit den Eltern und Bruder Herbert in Berlin bei Minderheiten-Volkszählung

23.6.1939 Vertrag zwischen der RVJD und der Stadt Paderborn zur Errichtung des Umschulungs- und Einsatzlagers Paderborn, Grüner Weg 86; vom Hechaluz wird eine „Aufbaugruppe“ nach Paderborn geschickt

30.7.1939 Gert Rosenfeld aus Berlin ins Lager Paderborn

16.11.1939 Hela aus Berlin Iranische Straße 2, (Jüdisches Krankenhaus) angemeldet im Lager Paderborn ; zuvor in Jessen Mühle bei Sommerfeld zur Hachschara

30.11.1940 Heirat im Standesamt Paderborn mit Hela Bergmann

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Um­be­nen­nung „Jü­di­sches Ar­beits­ein­satz­lager Paderborn“

November 1942 in Kraft tretendes Gesetz: „Alle im Reich gelegenen Konzentrationslager sind judenfrei zu machen und sämtliche Juden sind nach Auschwitz und Lublin zu deportieren.“

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes RSHA für die „technische Durchführung der Evakuierung“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

27.2.1943 Fabrikaktion auch in Berlin; entgegen den Vorgaben des RSHA wurden auch etwa 2000 Juden aus Mischehen verhaftet und in die Rosenstraße, zuvor Jüdisches Jugend- und Wohlfahrtsamt gesperrt

8.3.1943 Jonas Rosenfeld‘s Entlassung nach tagelangen Protesten hunderter nichtjüdischer Ehefrauen. Möglicherweise hatte auch seine Ehefrau an den Protesten teilgenommen.

27.2.1943 Befehl von Wilhelm Pützer (1893-1945), Leiter des Judenreferats der Gestapo-Außendienststelle Bielefeld, das „jüdische Arbeitseinsatzlager in Paderborn“ aufzulösen und deren Insassen und weitere Juden aus dem Sprengel bis zum 1. März, also zwei Tage später, nach Bielefeld zu bringen, wo sie „spätestens“ bis 13 Uhr im „Saal der Eintracht“ eintreffen mussten.

27.2.1943 die Pforte des Lagers Paderborn wird von Polizisten bewacht, um Fluchten zu verhindern

1.3.1943 Auflösung des Arbeitslagers Paderborn; mit der Bahn nach Bielefeld; mit Bussen ins Sammellager Saal im Haus der Gesellschaft „Eintracht“ am Klosterplatz

Erwin Angress berichtet:

„Die Jüdischen Lagerinsassen – insgesamt 99 – wurden in Extrawagen nach Bielefeld transportiert, die an den fahrplanmäßigen Zug ab Paderborn am 1.3.43 um 8.24 Uhr angehängt wurden. In Bielefeld gab es im Saal des Vereinslokals ,Eintracht‘ ein Sammellager für Juden aus dem ganzen Bezirk. Bereits in der darauffolgenden Nacht vom 1. auf den 2. März 1943 wurden alle Juden zum Bielelelder Güterbahnhof gebracht und in Waggons gepfercht. Mit diesem Zug rollten wir dann nach Auschwitz… Nur 9 Personen haben überlebt.“

2.3.1943 40 Stunden im geschlossenen Güterwaggon, Transport Bielefeld über Hannover – Erfurt – Dresden nach Auschwitz mit allen 98 Chawerim aus dem Arbeitslager

3.3.1943 Ankunft und Selektion in Auschwitz; Ernst Michel berichtet:

„Es gab nun zwei Reihen, beide rückten langsam voran. Männer an eine Seite, Frauen an die andere. … Issy schlurfte neben mir. Er war in Paderborn einer der charismatischen und zuverlässigsten Leiter. Er war dynamisch, optimistisch und stets hilfsbereit. Er war stark wie ein Stier. Er hatte Lilo in Paderborn geheiratet einige Wochen vor unserer Deportation. Sie war bereits auf der anderen Seite. Tränen rannen sein Gesicht hinunter. Ich berührte ihn. Er nickte nur.“

Selektion zum Aufbau des IG-Farben Werkes Buna Monowitz, Häftlingsnummer

Kalendarium von Auschwitz vom 3.3.1943

„Reichssicherheitshauptamt Transport, Juden aus Berlin. Nach der Selektion lieferte man 535 Männer als Häftlinge ins Lager ein, sie bekamen die Nr. 104 890 – 105 424; 145 Frauen bekamen die Nr. 36 9035 – 37 079. Die übrigen wurden vergast.“

11.4.1943 Gerd schickt seiner Schwester Ursula in Berlin eine Postkarte, sein letztes Lebenszeichen

18.8.1944 Tod der Mutter in Berlin, Vater Jonas verliert somit den Schutz der „privilegierten Mischehe“

5.9.1944 Vater Jonas und Schwester Ursula mit ihrem Sohn Uri von Berlin auf dem „110. Theresienstadt-Transport“ (I/116)

8.5.1945 Befreiung des Vaters, Schwester Ursula und ihres Sohnes Uri in Theresienstadt

6.-18.6.1946 Vater Jonas auf dem US Marinetransporter MARINE FLASHER von Bremen nach New York

Gedenken

5.4.1990 Pages of Testimony für Hela und Gerd von Paderborn Chawer Alfred OHnhaus

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/1866

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1142905

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de952660

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1551232

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de840889

Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7

Kurt Salinger, Nächstes Jahr im Kibbutz, Paderborn 1998

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430302-Paderborn3.jpg

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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