Ellenberg Willi

Willi Wolf Abraham William Ellenberg

*10.10.1921 in Mannheim; ✡7.12.1996 in Florida

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater Anschel Ellenberg 16.1.1888 in Kolomea, Galizien; ✡31.12.1942 in Auschwitz

Heirat der Eltern Januar 1911 in Kolomea

Mutter Sabina Brodt *16.7.1882 in Radomysl; ✡28.7.1932 in Mannheim

Geschwister

Rosa Ellenberg *8.12.1911 in Mannheim; ✡8.4.1918 in Mannheim

Regina Ellenberg *25.1.1913 in Mannheim; oo Albert Green; ✡11.1.2006 in West Palm Beach

Ettel Ellenberg *16.10.1914 in Mannheim; ✡17.12.1914 in Mannheim

Cilia Ellenberg *21.3.1916 in Mannheim; ✡28.11.1916 in Mannheim

Frieda Ellenberg *21.3.1916 in Mannheim; oo Jack Rosenzweig;✡12.7.2015 in Queens, NY

Esther Ellenberg *12.2.1920 in Mannheim; oo Shlomo Dubester; 13.2.2012 in Ramat Gan

Zweite Frau des Vaters Esther Lipschitz *15.1.1894 in Skierniewice; ✡31.8.1942 in Auschwitz

Stiefschwester

Sabine Ellenberg *14.3.1934 in Mannheim

Beruf

Adressen

Heirat  Jean Rae Flexner *5.7.1922 in Louisville; 25.8.2006 in Louisville

Kinder

Weiterer Lebensweg

8 Jahre Volksschule

12.7.1935 nimmt ihn Rabbi Loeb in Viernheim in Pflege

11.-21.12.1937 Schwestern Regina und Frieda auf der SS BERLIN von Bremen nach New York

Heimatadresse der Vater Anschel in Stuttgart

10.11.1938 Verhaftet im Novemberpogrom,

11.12.1938 „Schutzhaft“ in Dachau;

19.12.1938 Emigration der Schwester Ester nach Palästina

17.5.1939 in Viernheim bei Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Stiefmutter und Stiefschwester Sabine in Mannheim bei Minderheiten-Volkszählung

4.7.1939 nach Mannheim als UNtermieter bei Familie Horn

23.6.1939 Vertrag zwischen der RVJD und der Stadt Paderborn zur Errichtung des Umschulungs- und Einsatzlagers Paderborn, Grüner Weg 86; vom Hechaluz wird eine „Aufbaugruppe“ nach Paderborn geschickt

3.11.1939 aus Mannheim angemeldet im Lager Paderborn

22.10.1940 die Mutter Esther mit 6500 Juden des Saarlandes, der Pfalz und Baden in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich transportiert in der „Bürckel-Wagner-Aktion“

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Um­be­nen­nung „Jü­di­sches Ar­beits­ein­satz­lager Paderborn“

16.3.1941 Stiefmutter und Schwester Sabine verlegt von Gurs nach Rivesaltes

September 1941 Sabine Ellenberg aus dem Lager in das  Kinderheim der Quäker in Canet-Plage

11.8.1942 Stiefmutter Esther von Drancy nach Auschwitz

November 1942 in Kraft tretendes Gesetz: „Alle im Reich gelegenen Konzentrationslager sind judenfrei zu machen und sämtliche Juden sind nach Auschwitz und Lublin zu deportieren.“

9.12.1942 Deportation des Vaters von Berlin nach Auschwitz, 24. Osttransport

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

27.2.1943 Befehl von Wilhelm Pützer (1893-1945), Leiter des Judenreferats der Gestapo-Außendienststelle Bielefeld, das „jüdische Arbeitseinsatzlager in Paderborn“ aufzulösen und deren Insassen und weitere Juden aus dem Sprengel bis zum 1. März, also zwei Tage später, nach Bielefeld zu bringen, wo sie „spätestens“ bis 13 Uhr im „Saal der Eintracht“ eintreffen mussten.

27.2.1943 die Pforte des Lagers Paderborn wird von Polizisten bewacht, um Fluchten zu verhindern

1.3.1943 Auflösung des Arbeitslagers Paderborn; mit der Bahn nach Bielefeld; mit Bussen ins Sammellager Saal im Haus der Gesellschaft „Eintracht“ am Klosterplatz

Erwin Angress berichtet:

„Die Jüdischen Lagerinsassen – insgesamt 99 – wurden in Extrawagen nach Bielefeld transportiert, die an den fahrplanmäßigen Zug ab Paderborn am 1.3.43 um 8.24 Uhr angehängt wurden. In Bielefeld gab es im Saal des Vereinslokals ,Eintracht‘ ein Sammellager für Juden aus dem ganzen Bezirk. Bereits in der darauffolgenden Nacht vom 1. auf den 2. März 1943 wurden alle Juden zum Bielelelder Güterbahnhof gebracht und in Waggons gepfercht. Mit diesem Zug rollten wir dann nach Auschwitz… Nur 9 Personen haben überlebt.“

2.3.1943 40 Stunden im geschlossenen Güterwaggon, Transport Bielefeld über Hannover – Erfurt – Dresden nach Auschwitz mit allen 98 Chawerim aus dem Arbeitslager

3.3.1943 Ankunft und Selektion in Auschwitz; Ernst Michel berichtet:

„Es gab nun zwei Reihen, beide rückten langsam voran. Männer an eine Seite, Frauen an die andere. … Issy schlurfte neben mir. Er war in Paderborn einer der charismatischen und zuverlässigsten Leiter. Er war dynamisch, optimistisch und stets hilfsbereit. Er war stark wie ein Stier. Er hatte Lilo in Paderborn geheiratet einige Wochen vor unserer Deportation. Sie war bereits auf der anderen Seite. Tränen rannen sein Gesicht hinunter. Ich berührte ihn. Er nickte nur.“

Eingewiesen in Auschwitz III zum Aufbau des IG-Farben Werkes Buna Monowitz, Häftlingsnummer 104915

Kalendarium von Auschwitz vom 3.3.1943

„Reichssicherheitshauptamt Transport, Juden aus Berlin. Nach der Selektion lieferte man 535 Männer als Häftlinge ins Lager ein, sie bekamen die Nr. 104 890 – 105 424; 145 Frauen bekamen die Nr. 36 9035 – 37 079. Die übrigen wurden vergast.“

18.1.1945 „Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca 60 000 Häftlinge auf dem Todesmarsch über 80 km von Auschwitz nach Gleiwitz; Isidor Philipp berichtet:

„Wer sich hinlegte, wurde von den SS-Männern, die auf Motorrädern fuhren, erschossen.“

„Von dort begann dann – in offenen Kohlewaggons und bei 15 Grad unter Null – die Fahrt durch Polen, Tschechoslowakei und Österreich zurück nach Deutschland.“

18.4.1946 Registrierung im DP Camp Berlin

7.6.1947 New York

22.1.1954 US Citizenship in Louisville Kentucky

7.12.1996 Tod in Florida

Gedenken

11.4.1999 Pages of Testimony für die Eltern von Schwester Esther Dubester

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.statistik-des-holocaust.de/HPB_Ellenberg%20Wolf.jpg

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot24.html

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1020491

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1386988

https://www.bv-pfalz.de/wp-content/uploads/2022/01/Gerettete_und_ihre_Retterinnen-DIN-A4-14-09-21.pdf

https://collections.arolsen-archives.org/en/search/person/127207575?s=Ellenberg%20Anschel&t=228860&p=0

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6091); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7

Ernest W. Michel, „Promises Kept – Ein Lebensweg gegen alle Wahrscheinlichkeiten“, 2013

Kurt Salinger, Nächstes Jahr im Kibbutz, Paderborn 1998

www.80jahrepogrom.jgpb.de/erwin-angress/

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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