Uffenheimer Martin

Martin Baruch Uffi Uffenheimer

*18.2.1922 in Breisach; ✡ 1985 Israel

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater Nathan Uffenheimer *21.3.1868 in Breisach; ✡21.2.1931 in Breisach

Mutter Sitta Kaufmann *23.7.1893 in Baiertal, Heidelberg; ✡25.11.1941 in Kauen

Geschwister

Ludwig Uffenheimer *1906 in Breisach; ✡1995; oo Emma Meyer

Benno Uffenheimer *3.5.1920 in Breisach; ✡1996 in Tel Aviv

MetaUffenheimer *1918? in Breisach; ✡1987; oo Eduard Speck (1905-1990)

Rosi Uffenheimer *11.2.1926  in Breisach; ✡1995; oo Menachem Max Scheps

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant; Student

Adressen Breisach, Wieringermeer; Amsterdam Franschelaan 13

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Novemberpogrom

Schwester Rosi flüchtet in die Schweiz

10.11.1938 Bruder Benno inhaftiert als „Aktionsjude“

13.11.1938 Internierung des Bruders im KL Dachau, Häftlingsnummer 28805

12.1.1939 Entlassung des Bruders aus dem KL Dachau

17.5.1939 Martin mit der Mutter Sitta und Bruder Benno in Breisach bei Minderheitenvolkszählung

Sommer 1939 Bruder Benno emigriert nach England

13.1.1940 Alija von Bruder Benno mit Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III) von London nach Tel Aviv

8.9.1939 Mutter Sitta nach der Emigration ihrer Söhne nach München, fünf diverse Adressen

Werkdorp Nieuwesluis Wieringermee

29.8.1939  Martin Uffenheimer angemeldet im Werkdorp Nieuwesluis

Auflösung des Werkdorp und die zweite große Razzia in Amsterdam

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Martin Uffenheimer gehört zur „Aufräumgruppe, der 60 Zurückbleibenden.

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes.

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

13. 8.1941 nach der endgültigen Schließung geht nach Schermerhoorn

7.4.1942 gemeldet in der Zentrale der „Deventer Vereniging tot vakopleiding“ in der Papenstraat 45 in Deventer

26.5.1942 zur Einzelhachschara beim Bauern in Zelhem

Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

16.4.1943 Marin Uffenheimer angemeldet in Jeugdhauis des Joodse Raab in Amsterdam Plantage Franschelaan 13

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolaas Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten. Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper

2.Razzia in der Franschelaan

26.5.1943 die Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan werden bei einer Razzia verhaftet und nach Westerbork deportiert;

Marin Uffenheimer eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork zusammen mit Kurt Elias, Ernst Rosenbaum und Norbert Schweitzer, alle Baracke 60

Erste Flucht aus Westerbork

Ende September/Anfang Oktober 1943 erste Flucht aus Westerbork (ontsnapping) mit David Rosenbaum aus dem Lager Westerbork. David Rosenbaum wird in Assen im Zug von einem SD-Mann erkannt und verhaftet.

Als Martin Uffenheimer auf die Transportliste vom 1.2.1944 nach Auschwitz gesetzt wird, entschließt er sich zur Flucht mit David Rosenbaum aus dem Lager Westerbork. David Rosenbaum wird in Assen im Zug von einem SD-Mann erkannt, sie werden verhaftet.

Zweite Flucht aus Westerbork

1.2.1944 Paul Siegel und Martin „Uffi“ Uffenheimer (*1922, Breisach) lassen sich auf die Deportationsliste nach Bergen-Belsen setzen. Die Chalutim Herman Italiaander und Fritz Siesel (*1925, Köln), ebenfalls im Fürsorgedienst, sollen die Flucht vor dem Abtransport bewachen.

2.2.1944 Paul Siegel verlässt mit Martin „Uffi“ Uffenheimer mittels der gefälschten Passierscheine das Lager. Lore Durlacher und Frans Gerritsen (Netzwerk Westerweel) bringen sie in der Familie Reutlinger in Assen unter.

Über Amsterdam und Den Haag nach Brüssel. Max Windmüller versorgt sie mit Arbeitskarten der Organisation Todt und anderen Dokumenten. Über Paris geht es nach Toulouse

Ab Toulouse lag die Organisation Pyrenäen-Überquerung bei der Armée Juive (AJ)

 Alija auf der SS GUINEE 1944

Im Oktober 1944 erhielten Paul Siegel und weitere Palästina-Pioniere von der britischen  Mandatsregierung erteilte  Einwanderungszertifikate  für  Palästina. Siegel,  Chanan  Flörsheim  und  53  weitere  Hechaluz-Mitglieder  gingen  am  27.  Oktober  1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa. Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina

10.9.1944 Passausstellung in Barcelona

28.10.-5.11.1944 auf der SS GUINEE von Cadiz nach Haifa (laut Hirschfeld)

14.11.1944 Ankunft mit Arbeiterzertifikat des Hechaluz Kategorie C/LS in Haifa

1.1.1947 Einbürgerung in Palästina

Später emigrierte er nach Argentinien.

Deportation der Familie Uffenheimer nach Gurs in der Wagner-Bürckel-Aktion

22.10.1940 Deportation von sieben Mitgliedern der Familie Uffenheimer aus Baden, insgesamt 5600 Juden aus Baden, sowie 900 Juden aus der Pfalz und dem Saarland in das Internierungslager Gurs in der nicht besetzten Zone, Südfrankreich

März 1941 Verlegung verschiedener Gruppen aus Gurs in andere Lager: Betagte Menschen wurden nach Noé, Schwerbehinderte nach Récébédou, Familien in das sogenannte ‚Familienlager‘ Rivesaltes verlegt. Alle sieben Mitglieder der Familie Uffenheimer kommen in Gurs oder Auschwitz um.

Massenerschießung im Fort IX in Kauen

8.9.1939 Mutter Sitta nach der Emigration ihrer Söhne nach München, fünf diverse Adressen

20.11.1941 Mutter Sitta auf dem Transport von Münchennach Kauen;

25.11.1941 Ankunft in Kauen, Einsperrung im Fort IX

25.11.1941 nach Ankunft der Juden aus München Massenerschießung zusammen mit den zuvor Eingetroffenen aus Berlin und Frankfurt/Main, insgesamt 2934 Menschen, vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD im Fort IX außerhalb der Stadt erschossen.

25.11.1941 Tod von Sitta Uffenheimer bei Massenerschießung in Fort IX in Kauen

Gedenken

Quellen

https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=342

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_411120.html

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130387571

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130387572

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10770354

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Uffenheimer%22%7D

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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