Reutlinger Julius

Julius Werner Jula Reutlinger

*14.11.1921in Karlsruhe; ✡ 1.2.1987 in Amsterdam

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater David Reutlinger *23.2.1873 Karlsruhe; ✡21.11.1924 in Karlsruhe

Mutter Bertha Strauß *2.9.1885 in Mergentheim; ✡23.7.1943 in Sobibor

Schwestern

E. Reutlinger; oo Katz; ✡? Haifa

B. Reutlinger; oo Krohner; ✡? New York

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Karlsruhe; Wieringermeer; Amsterdam

Heirat  

9.7.1942 Gella Simon *25.12.1921 in Eitorf

Scheidung 20.9.1946 in Amsterdam

2. Ehe 21.7.1949 in Aalsmeer mit Tineke de Lange *9.6.1920 in ‚t Zand; ✡11.7.1984

Kinder

Robert Reutlinger *1951 in Amsterdam

Angela Reutlinger *1953 in Amsterdam

Weiterer Lebensweg

12.4.1937 Julius Reutlinger zur Hachschara in das Werkdorp Wieringermeer

2.1.1938 Formelle Ummeldung von Barsingerhorn auf Wieringermeer

Dezember 1940 Gella Simon zur Hachschara in das Werkdorp Wieringermeer

Auflösung des Werkdorp und die zweite große Razzia in Amsterdam

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

20.5.1941 Amsterdam Plantage Badlaan 3

Volkstuinen

Mai 1941 Julius Reutlinger als Gärtner stellvertretender Leiter der „Volkstuinen“;

Leiter ab 1942 war Manfred Laupheimer (*30.5.1910 in Stuttgart; ✡ 31.7.1944 in Auschwitz)

12.8.1941 Laupheimer als Blumengärtner auf einer Blumenfarm in Aalsmeer

3.10.1942 Laupheimer nach Amsterdam, Badlaan 15; er wird Leiter im „Joodse Volkstuinen“, Kleingartensiedlung des Judenrats am Zeeburgerdijk

5.11.1942 Laupheimer erstattet Anzeige wegen Einbruch in einen Schuppen und Diebstahls von Kartoffeln und Gemüse im „Joodse Volkstuin“; gestohlen wurden Kartoffeln (200 kg), Rüben (50 kg), Weißkohl (25 kg), Karotten, Lauch und Knollensellerie.

Zweite Razzia in der Franschelaan

26.5.1943 die Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan werden bei einer Razzia verhaftet und nach Westerbork deportiert;

Julius und Gella Reutlinger sowie Manfred mit Frau Carmen Laupheimer eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager zusammen mit Kurt Elias, Ruth Karlsberg, Ernst Rosenbaum, Grete Schramm,  Norbert Schweitzer, Martin Uffenheimer, alle Baracke 60

Flucht aus Westerbork

3.3.1944 Manfred und Carmen Laupheimer auf dem Transport von Westerbork nach Auschwitz

Tod in Auschwitz Carmen am 15.7., Manfred Laupheimer am 31.7.1944

23.3.1944 Flucht von Julius und Gella Reutlinger aus dem Kamp Westerbork; eine der letzten Fluchten aus Westerbork. Tinus Schabbing berichtete die Geschichte ihrer Flucht:

Julius und Gella Reutlinger wurden unerwartet auf eine Transportliste gesetzt; die üblichen Fluchthelfer waren nicht zu erreichen. Tineke de Lange (2. Ehefrau) hatte die Koordination übernommen, sie bat Tinus Schabbing, sie nach Westerbork zu begleiten; die Nacht verbringen die beiden bei starker Kälte in einem Hühnerstall. Am nächsten Morgen schleusen sie Julius und Gella Reutlinger nach Amsterdam, wo das Ehepaar im Versteck bis zur Befreiung überlebt.

28.3.1944 „VOW“ vertrokken onbekend waarheen“ untergetaucht

Die Flucht des Ehepaar Reutlinger war eine der letzten aus Westerbork.

Durch den Verrat des Spitzels „Karel“, der von Paul Amo Rosenbaum die Einzelheiten der von Paul Siegel entwickelten Fluchtvariante kurz vor Abfahrt des Deportationszuges erfahren hatte, konnte der SD das Wäldchen mit der Torfhütte finden. Die Kontrollen am Lagereingang und die Bewachung wurden verstärkt.

15.9.1945 wieder in Amsterdam, Badlaan 3

20.9.1946 in Amsterdam Scheidung von Gella Simon

26.10.1946/23.4.1947 Gella Reutlinger-Simon nach Palästina

Gedenken

Julius Reutlinger ist der Autor des umfassenden Werkdorp-Fotoalbums

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130361721

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130361720

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Reutlinger%201921%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Gella%20Simon%201921%22%7D

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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