Dancygier Artur

Artur „Atze“ Akiva Dancygier

*24.10.1926 in Magdeburg; ✡ 10.4.1999 Freehold Township, NJ, USA

Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Szlama  Luzer Dancygier *26.9.1899 in Bendzin; ✡16.5.1986 in Hannover

Heirat der Eltern 1920

Mutter Anna Kupfermann *2.6.1900 in Jaroslau; ✡ 26.2.1961 in Hannover

Großeltern Abraham Kupferman und Pessel Rathaus

Tanten

Klärel Kupfermann *11.12.1892 in Jaroslau; ✡Sobibor, 9.4.1943

Ernestine Kupfermann *3.4.1905 in Magdeburg; ✡26.10.1994 in Berazategui, Buenos Aires

Geschwister

Marie Dancygier *17.6.1923 in Magdeburg; ✡28.5.2008; oo Bartlam

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Magdeburg, Kleine Steinernetischstraße 7 I

Heirat  

1. Ehe 20.9.1949 in RishonLeZion mit Jadzia „Jane“ Kartusz *10.1.1929 in Bendzin

2. Ehe 19.12.1993 in Freehold mit Halina Nissencweig

Kinder zwei

Michael Enoch Danziger

Alexander Danziger

Weiterer Lebensweg

Polenaktion

27./28.10.1938 abgeschoben über die Grenze nach Zbaszyn

17.5.1939 Artur mit den Eltern und der Schwester in Magdeburg, Kleine Steinernetischstraße 7 I bei der Minderheitenzählung

Kindertransport

21.5.1939 13. Kindertransport nach England aus Berlin mit 128 Kindern über Bentheim, Hoek van Holland nach Harwich;

Whittingehame Farm-School

29 Kinder auf dieser Transportliste sollen zur Whittingehame Farm-School nahe der Ortschaft Stenton, East Lothian.

21./22.5.1939 Schwester Marie Danziger auf dem 13. Kindertransport nach England zur Whittinghame Farm School

7.7.1939 Flucht von Arthur in die Niederlande; er wird von seinem Onkel Markus Kupferman an der Grenzstation, vermutlich in Oldenzaal aus dem Zug geholt.

Quelle Danziger

Arthur wohnt zunächst bei seiner Tante Klärel Kupfermann in Amsterdam, Stadhouderskade 73

Jeugdalijah

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.

Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde die Bewohner kurzfristig nach Alkmaar evakuiert. 99 Bewohner fanden hier Zuflucht.

Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

17.4.1940 Artur Dancygier in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“; bei seiner Aufnahme ist er dort der Jüngste.

Schreinerlehrlinge in Loosdrecht; von links
Rolf Rosenthal, Itsche Teitelbaum, Arthur Dancygier, Manfred Ruebner, Heinz Cosmann, Manfred Paul
Brennholzsägen in Loosdrecht, von links Max Turteltaub, Josef Heinrich, Artur Dancygier
Loosdrecht im Juni 1942; Artur Dancygier sitzend ganz links

Onderduiker

7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.

14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz

15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.

12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen.  Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.

13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.

Karteikarte mit dem für die onderduiker aus Loosdrecht typischen Datumsstempel „13 AUG 1942“

Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!

Artur Dancygier überlebt im Versteck mit falschen Papieren unter dem Decknamen Franz Alexander Amory auf einem Bauernhof in der Provinz Limburg, zunächst in Brunssum später im nur wenige Kilometer entfernten Margraten

Tante Klärel geht ebenfalls ins Versteck, wird aber verhaftet und am 2.4.1943 nach Westerbork geschickt, Block 82. Zur Bestrafung wird sie -wie bei den gefassten „onderduiker“ die Regel – auf den nächsten jeweils dienstags abgehenden Transport am 6.4.1943 nach Sobibor gestellt.

Schiffbruch der SS PENTCHO

Patronka, Chamilonisi, Rhodos, Campo Ferramonti

April/Mai 1940 beide Eltern im Durchgangslager Patronka in Bratislava, wo hunderte Juden aus vielen Ländern Europas warteten auf die Abfahrt der SS PENTCHO , ein alter, kaum seetüchtiger Raddampfer.

20.5.1940 ca. 500 jüdische Flüchtlinge von Bratislava auf der Donau Richtung Schwarzmeer sogenannte „Sonderhachschara VI“

7 Wochen Warten bis ein Schlepper die SS PENTCHO durch das „Eiserne Tor“ bringt.

21.9.1940 SS PENTCHO nach Reparaturen an den Schaufelrädern im Hafen Sulina am Schwarzen Meer Richtung Istanbul

25.9.1940 Passage durch den Bosporus

In der Nacht vom 9. zum 10. Oktober bei der Insel Chamilonisi im Ägäischen Meer läuft die SS PENTCHO auf Grund.

16.10.1940 Rettung der Passagiere auf der MS CAMOGLI der italienischen Marine von Chamilonisi zur von den Italienern besetzten Insel Rhodos.  Dort werden die Schiffbrüchigen ein Jahr in einem Internierungslager unter übelsten Bedingungen festgehalten.

1941 dank der Intervention von Papst Pius XII werden alle in das Internierungslager Campo Ferramonti in Süditalien gebracht.

Im September 1943 wurde das Lager durch die VIII. Britische Armee befreit und in ein DP-Camp für etwa 2000 zumeist jüdische „Displaced Persons“ umgewandelt. Bei Kriegsende befanden sich dort nur noch 213 Internierte. Die offizielle Schließung erfolgte am 6. September 1945.

Alija Beth auf der SS TEL HAI

März 1946 Artur Dancygier auf einem großen Militär-LKW-Konvoi der Jewish Brigade von Antwerpen nach Marseille. Mitten in der Nacht erreichte der Konvoi ein Feld in der Nähe von Marseille, wo Mitglieder der „Bricha“ und Abgesandte des „Mossad für Aliyah Bet“ warten. Nach Erhalt des Befehls fahren die Lastwagen in die Stadt ein und setzten die illegalen Einwanderer in einem französischen Flüchtlingslager ab, von wo aus sie mit französischen Armeebooten zum Hafen von

Von „La Ciotat“ transportiert wurden, 30 km östlich von Marseille.  Dort gingen sie an Bord der von der Haganah gecharterten SS TEL HAI.

17.3.1946 am Abend Abreise auf der SS TEL HAI mit 743 Menschen an Bord, davon 736 illegale Einwanderer darunter etwa 300 NOHAM Mitgliedern, etwa 60 vom Gehringshof und aus Bergen-Belsen Die Überfahrt ist stürmisch, das Schiff muss in Bonifacio/Korsika und auf Kreta einen schützenden Hafen suchen.

28.3.1946 Ankunft von Artur Dancygier in Haifa auf der SS TEL HAI

Nach wenigen Tagen werden die internierten Ma’apilim aus Athlit entlassen, nachdem sich die Britische Protektoratsbehörde ein letztes Mal überreden lässt, die Zahl der Ma’apilim auf die ausstehenden Zertifikatskontingente anzurechnen.

Gedenken

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Quellen

https://www.joodsmonument.nl/en/page/169496/kl%C3%A4rel-kupferman

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130277490

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130326043

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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