Flegenheimer Erich

Erich Simon Flegenheimer/Flagg 

*12.12.1916 Heidelberg; ✡11.8.1999 Los Angeles

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Isidor Flegenheimer *1863 in Wiesloch; ✡4.8.1929 in Heidelberg

Mutter Rosa Leiter *3.6.1887 in Augsburg ; ✡ 1.2.1942 in Lissabon

Geschwister

Ruth Flegenheimer *3.1.1911 in Karlsruhe* ; ✡ 5.5.1970 in Davos; oo Norbert Manes (*13.11.1897 in Bischofswerder)

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Heidelberg, Gaisbergstraße 5; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat 28.5.1947 in Amsterdam Edith Faierstein *1.11.1919 in Galați, Rumänien; ✡ 13.8.2014 in Los Angeles

Kinder

Weiterer Lebensweg

1912 Umzug der Eltern von Karlsruhe nach Heidelberg

Vater Isidor und Onkel Adolf betreiben in Odenheim seit 1898 die Fa. Flegenheimer&Co, Zigarrenherstellung

4.8.1929 Tod des Vaters in Heidelberg, jahrelange Erbstreitigkeiten

Frühjahr 1938 Schwester Ruth nach Lissabon

1938 „Arisierung der Fa. Flegenheimer&Co KG

17.5.1939 Mutter Rosa in Heidelberg, Gaisbergstraße 5 bei der Minderheitenzählung

Sommer 1939 Mutter Rosa mit der Bahn nach Rotterdam, weiter per Schiff zur Tochter Ruth nach Lissabon

1.2.1942 Tod von Rosa Flegenheimer in Lissabon. Die Tochter Ruth – verheiratet mit dem Kaufmann Norbert Manes (geboren 13. November 1897 in Bischofswerder/Westpreußen) folgte ihrem Ehemann, der bereits Ende 1936 nach Lissabon ausgewandert war. Sie starb am 5. Mai 1970 in Davos.

Werkdorp Nieuwesluis, Wieringermeer

8.3.1939 Erich Flegenheimer zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija).

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage.

Auflösung des Werkdorp und die zweite große Razzia in Amsterdam

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes.

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

Überleben im Widerstand

7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.

14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz

Erich Flegenheim geht in den Untergrund. Er schließt sich dem Widerstand an, lernt dort Edith Stein kennen.

Edith Stein überlebt illegal als Pflegerin unter dem Namen Lydia Voskuilen

1946 Alija von Edith Stein mit Sohn Michael, vermutlich auf der SS TEL HAI;

1946/47 lebt sie in einem Kibbuz in Palästina

28.5.1947 Zweite Ehe von Edith Stein in Amsterdam mit Erich Simon Flegenheimer

9.-17.6.1947 Erich Flegenheimer auf der SS VEENDAM von Rotterdam nach New York

Gedenken

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Flegenheimer%22%7D

https://gedenkbuch.karlsruhe.de/namen/983

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://en.wikipedia.org/wiki/Edith_Flagg

Josh Flagg (Enkel) „A Simple Girl: Stories My Grandmother Told Me“

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130380090

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7390); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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