Rawraway Eva

Eva Sofie Rawraway

*26.3.1924 in Königsberg; ✡ 21.9.2001 in Washington DC

Staatsangehörigkeit  deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Nachman Rawraway *4.5.1872 in Ratzki; ✡ 6.6.1936 in Königsberg

Heirat der Eltern 9.2.1923 in Königsberg

Mutter Gertrud Seligsohn-Kahane *27.7.1886 in Bromberg; ✡18.8.1962 in Chicago

Erste Ehe der Mutter mit Dr. med Max Kahane *1874; ✡5.4.1921 in Wien

Onkel Israel Rawraway *15.9.1868 in Ratzki; ✡23.1.1943 Theresienstadt

Tante Cilla Cilly geb. Simon *12.7.1872 in Neuenburg; ✡16.9.1942 Theresienstadt

Weitere Verwandte

Max Rawraway *3.10.1896 ; ✡ 1944 in Auschwitz 

Kurt Rawraway *5.8.1902 in Heiligenbeil; Königsberg; ✡ ?

Ursula Ulla Rawraway geb Kasper *6.10.1920 in Gorzno; ✡26.10.1944 in Auschwitz

Dan Rawraway *23.10.1941 in Königsberg; ✡26.10.1944 in Auschwitz

Heinz Peter Rawraway *2.1.1928 in Königsberg; ✡ ?

Beruf Landwirtschaftliche Praktikantin

Adressen Königsberg; Rüdnitz; Amsterdam; Loosdrecht; USA

Heirat  oo Hans Heinrich Henry Hamburg

Kinder

eins

Weiterer Lebensweg

Minderheitenzählung 17. Mai 1939

Israel und Cilly Rawraway wohnen Königsberg, Krugstraße 1

Ulla Rawraway wohnt bei ihren Eltern Kasper, Königsberg, Georgstraße 12

19.-25.5.1939 Mutter Gertrud auf der SS BREMEN von Bremen nach New York

Heinz Peter Rawraway steht auf der Kindertransportliste von Genua nach Southampton

Das jüdische Umschulungslager Hof Wecker in Rüdnitz

Eva Rawraway  von Königsberg zur Hachschara in das jüdische Umschulungslager Hof Wecker beim Bahnhof in der Bahnhofstraße in Rüdnitz bei Bernau. Leiter Erich Marx.

Der Hof Wecker in Rüdnitz, gelegen an der Bahnlinie Berlin Eberswalde war im Besitz der Familie Schocken. Er bestand von 1933 bis 1941 und war somit eines der ersten zionistischen Hachscharalager der Jüdischen Jugendhilfe in Brandenburg.

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Novemberpogrom

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

10.11.1938,

England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Es wurden drei Gruppen gebildet

– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen

– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen

– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen

Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser

4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann und Eva Rawraway. Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht. Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.

Aufnahmebuch des K.L. Smit-Oord in Losser; „vader overleden, moeder op reis“

6./7.2.1939 Wechsel von Eva Rawraway, Käte Arendt, Marianne Cohn, Anni Goldberg, Ruth Kochmann, Esther Singer und Grete Lehmann aus Losser in das Heim der Alijah Noar  Vondelhof Amsterdam, Frederiksstraat 18a

Jeugdalijah

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige. Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

99 Bewohner fanden hier Zuflucht.

9.9.1939 Eva Rawraway in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

31.10.1939 Passausstellung im Deutschen Konsulat in Amsterdam

Alija nach Palästina im Frühjahr 1940

Die Studentenzertifikate B (III) der Jugendalija

6.2.1940Ausstellung der Britischen Visa in Den Haag

9.2.1940 Abmeldung der ersten Alija-Gruppe aus Loosdrecht mit Ellen Grünewald Leonard Hausmann, Eva Rawraway, Kurt Rohringer, Georg Reiss und Walter Saphir.

22.2.1940 Ankunft der ersten Gruppe auf der SS PROVIDENCE von Marseille nach Haifa. An Bord der PROVIDENCE sind 34 Chaluzim.

Die SS PATRIA und PROVIDENCE waren Schwesterschiffe mit dem Heimathafen Marseille.

Passagierliste der PROVIDENCE (Ausschnitt) mit den Chawerim
Walter Saphir (Nr. 49), Eva Rawraway (56), Georg Reiss (59), Kurt Rohringer (60)

15.3.1940 Die zweite Gruppe von 6 Chaluzim aus Loosdrecht bricht auf zur Alija nach Palästina ausgestattet mit Studentenzertifikaten B (III) der Jugendalija, ausgestellt am 29.2.1940 in den Den Haag:, Günter Herz, Manfred Hirschberg, Mina Landwirth, Leon Meller, Maximilian Nussbaum, Ruth Voos

24.3.1940 Ankunft in Haifa von insgesamt 71 Chaluzim auf der SS PATRIA

Königsberg-Theresienstadt-Auschwitz

25.8.1942 Israel, Cilly, Max, sowie Ulla und Dan Rawraway auf dem Transport Tilsit-Königsberg-Theresienstadt

16.9.1942 Tod von Cilly Rawraway in Theresienstadt

23.1.1943 Tod von Israel Rawraway in Theresienstadt

28.9.1944 Max Rawraway auf dem Transport Theresienstadt nach Auschwitz

23.10.1944 Ulla Rawraway mit Sohn Dani auf dem Transport Theresienstadt nach Auschwitz

Nachkriegszeit

1946 Auswanderung in die USA

Heirat mit Hans Heinrich Henry Hamburg

Gedenken

Quellen

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6335); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de947517

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de947518

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de894364

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://fr.wikipedia.org/wiki/Max_Kahane

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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