Robert Levy
*21.10.1916 Frankfurt; ✡ vor 1944 in Auschwitz
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater unbekannt Levy (kriegsgefallen im 1. WK?)
(evtl Robert Levy *24.5.1885 in Liblar; ✡9.7.1916 kriegsgefallen)
Stiefvater Moritz Siegel *5.7.1887 in Frankfurt; ✡?
Mutter Anna Maria Siegel geb. Hoffmeister *4.2.1895 in Darmstadt; ✡?
Stiefschwester
Ruth Siegel *16.1.1922 in Frankfurt
Nichte Gerda Siegel *19.10.1941 in Frankfurt
Beruf Autoschlosserlehrling
Adressen Frankfurt, Grünstraße 40; Wolzig
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Das jüdische Jugend-und Lehrheim in Wolzig

November 1929 Eröffnung der Erziehungsanstalt für verwahrloste Jugendliche in Wolzig bei Berlin
Träger war der Deutsch-Israelitische Gemeindebund
Anfang 1933 befanden sich in dem Heim 68 Jungen, im Juni 1933 noch 43 davon acht nicht jüdisch.
Überfall der SA auf das Jugend-und Lehrheim in Wolzig
Laut Auskunft der Gedenkstätte Sachsenhausen, handelte es sich „um das jüdische Erziehungsheim Wolzig bei Königs-Wusterhausen, eine 1929 gegründete reformpädagogische Einrichtung, die ab 1933 von der Umgebungsgesellschaft feindselig betrachtet wurde. Unter dem Vorwand kommunistischer Umtriebe überfiel eine SA Einheit das Heim und verschleppte am 7.6.1933 34 Jungen zwischen 13 und 19 ins KZ Oranienburg, wo sie bis zum 10.7.1933 festgehalten wurden.„
Das KL Oranienburg war von der SA-Standarte 208 am 21.3.1933 in einer ehemaligen Brauerei eingerichtet worden, Ende April übernommen vom Potsdamer Regierungspräsident.
7.6. 1933 Der jüdische Gärtner R. Goldschmidt berichtet:
„Um 4 Uhr früh erschien ein Lastwagen mit SA. Die Männer waren bewaffnet, ein Gruppe umstellte das Heim, andere verschafften sich gewaltsam Zutritt, und mit Gebrüll jagte man die Erschrockenen mit Hilfe des Gewehrkolbens aus den Betten zum Hof. Er gab Fußtritte, und Gummiknüppel traten in Aktion, bis die Aufstellung in Marschordnung vollzogen war. Zur gleichen Zeit ging eine andere Gruppe ins Heim und versteckte unter Matratzen, Schränken und Schreibtischen Revolver, Seitengewehre, Totschläger, kommunistische Flugblätter, Broschüren und Bildmaterial gegen das Dritte Reich.“
9.6. 1933 Schreiben des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an den Regierungspräsidenten in Potsdam:
„In dieser Zeit wurde das Heim durchsucht. Es wurde unter dem Kopfkissen des Zöglings Werner Treuherz eine Schußwaffe gefunden. Treuherz wurde gerufen und gefragt, wie lange er schon in dem Bett, in dem die Waffe gefunden worden sei, schlafe. Er erwiderte: >>Ein Jahr << und bekam zur Antwort: »Und dann hast du nicht bemerkt, daß du eine Pistole unter dem Kopfkissen hast? « Nach Aussage des zurückgebliebenen Personals sollen auch einige Schriften gefunden und beschlagnahmt worden sein.“
Sechs weitere Verhaftungen in das Gestapogefängnis Berlin:
„Es wurden, nachdem der Landrat des zuständigen Kreises Beeskow-Storkow telefonisch von dem Ergebnis der Durchsuchung verständigt war, verhaftet: Direktor Oskar Friedmann, Gärtner (Richard) Goldschmidt, Bürohilfe Betty Armer, Erzieher Max Gebhard, Erzieher Fritz Hirsch, Zögling Werner Treuherz. Die genannten Verhafteten und außerdem sämtliche Zöglinge des Heim es wurden gegen 10 1/ 2 Uhr vormittags auf Lastautos verladen und nach Angabe von SA-Leuten in das Konzentrationslager nach Oranienburg überführt.
Die Verhafteten sind nach Berlin gebracht worden.“
5.7.1933 Tag des Verhörs von Robert Levy im KL Oranienburg; er gibt an, keine Kenntnis von der kommunistischen Gruppe zu haben.
10.7.1933 Entlassung der 34 Wolziger aus dem KL Oranienburg
17.5.1939 in Frankfurt, Grünstraße 40 wohnen bei der Minderheitenzählung mit Namen Siegel:
Moritz, Anna Maria geb. Hoffmeister, Berta geb. Frank; Chana geb. Nejmann, Julius, Leopold, Ruth (1922)
ASR-Aktion
Im Juni 1938 hat die deutsche Kriminalpolizei über 9.000 asoziale und verurteilte Kriminelle in der sogenannten Operation Arbeitsscheue verhaftet und sie in Konzentrationslager geschickt. Unter den Verhafteten waren ungefähr 1.000 Juden. Das war die erste Massenverhaftung von Juden in Nazi-Deutschland.]
14.6.1938 Robert Levy eingewiesen als ASR-Jude in das KL Buchenwald
Novemberpogrom
10.11.1938 Stiefvater Moritz Siegel verhaftet in Frankfurt
13.11.-9.12.1938 Moritz Siegel im KL Buchenwald

23.1.1939 Arbeitsunfall von Robert Levy im Arbeitskommando „Trägerkolonne SS-Unterkunft“ in Buchenwald
12.3.1942 Verlegung vom KL Buchenwald in das KL Natzweiler
17.8.1942 Verlegung von KL Natzweiler in das KL Dachau

19.10.1942 Verlegung von Dachau nach Auschwitz, vermutlich zum Ausbau von BUNA in Monowitz; die SS hatte der IG Farben AG vertraglich 10 000 Zwangsarbeiter zugesagt.
Tod von Robert Levy in Auschwitz

Die Mutter (evangelisch), der Stiefvater und Stiefschwester Ruth überleben in Frankfurt als „Mischfamilie“
Gedenken
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Quellen
Klaus Drobisch, Überfall auf jüdische Jungen im Juni 1933; Dokumente; 1993
„The Times“ vom 19. September 1933 „Life in a Nazi camp. A farm student’s experience“
Mitteilungen von Astrid Ley, Gedenkstätte Sachsenhausen
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1231188
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/6483413
https://www.myheritage.de/research
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History