Fred Meyer
*4.7.1916 in Berlin; ✡ Überlebender; England
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Arthur Meyer *13.2.1891 in Berlin; ✡ 1943 in Auschwitz
Mutter Rosa Klein *7.5.1894 in Bütow; ✡ 1943 in Auschwitz
Geschwister
Ursula Meyer *13.8.1921 in Berlin; ✡ 1943 in Auschwitz

Kurt Meyer *30.9.1924 in Berlin; ✡ ? 1943 unbekannt
Wolfgang Meyer *31.10.1929 in Berlin; ✡ 1943 in Auschwitz
Beruf Landwirtschaftlicher Arbeiter
Adressen Berlin, Mehner Straße 1; Wolzig
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Das jüdische Jugend- und Lehrheim in Wolzig

November 1929 Eröffnung der Erziehungsanstalt für verwahrloste Jugendliche in Wolzig bei Berlin
Träger war der Deutsch-Israelitische Gemeindebund
Anfang 1933 befanden sich in dem Heim 68 Jungen, im Juni 1933 noch 43 davon acht nicht jüdisch.
Überfall der SA auf das Jugend- und Lehrheim in Wolzig
Laut Auskunft der Gedenkstätte Sachsenhausen, handelte es sich „um das jüdische Erziehungsheim Wolzig bei Königs-Wusterhausen, eine 1929 gegründete reformpädagogische Einrichtung, die ab 1933 von der Umgebungsgesellschaft feindselig betrachtet wurde. Unter dem Vorwand kommunistischer Umtriebe überfiel eine SA Einheit das Heim und verschleppte am 7.6.1933 34 Jungen zwischen 13 und 19 ins KZ Oranienburg, wo sie bis zum 10.7.1933 festgehalten wurden.„
Das KL Oranienburg war von der SA-Standarte 208 am 21.3.1933 in einer ehemaligen Brauerei eingerichtet worden, Ende April übernommen vom Potsdamer Regierungspräsident.
7.6. 1933 Der jüdische Gärtner R. Goldschmidt berichtet:
„Um 4 Uhr früh erschien ein Lastwagen mit SA. Die Männer waren bewaffnet, ein Gruppe umstellte das Heim, andere verschafften sich gewaltsam Zutritt, und mit Gebrüll jagte man die Erschrockenen mit Hilfe des Gewehrkolbens aus den Betten zum Hof. Er gab Fußtritte, und Gummiknüppel traten in Aktion, bis die Aufstellung in Marschordnung vollzogen war. Zur gleichen Zeit ging eine andere Gruppe ins Heim und versteckte unter Matratzen, Schränken und Schreibtischen Revolver, Seitengewehre, Totschläger, kommunistische Flugblätter, Broschüren und Bildmaterial gegen das Dritte Reich.“
9.6. 1933 Schreiben des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an den Regierungspräsidenten in Potsdam:
„In dieser Zeit wurde das Heim durchsucht. Es wurde unter dem Kopfkissen des Zöglings Werner Treuherz eine Schußwaffe gefunden. Treuherz wurde gerufen und gefragt, wie lange er schon in dem Bett, in dem die Waffe gefunden worden sei, schlafe. Er erwiderte: >>Ein Jahr << und bekam zur Antwort: »Und dann hast du nicht bemerkt, daß du eine Pistole unter dem Kopfkissen hast? « Nach Aussage des zurückgebliebenen Personals sollen auch einige Schriften gefunden und beschlagnahmt worden sein.“
Sechs weitere Verhaftungen in das Gestapogefängnis Berlin:
„Es wurden, nachdem der Landrat des zuständigen Kreises Beeskow-Storkow telefonisch von dem Ergebnis der Durchsuchung verständigt war, verhaftet: Direktor Oskar Friedmann, Gärtner (Richard) Goldschmidt, Bürohilfe Betty Armer, Erzieher Max Gebhard, Erzieher Fritz Hirsch, Zögling Werner Treuherz. Die genannten Verhafteten und außerdem sämtliche Zöglinge des Heim es wurden gegen 10 1/ 2 Uhr vormittags auf Lastautos verladen und nach Angabe von SA-Leuten in das Konzentrationslager nach Oranienburg überführt.
Die Verhafteten sind nach Berlin gebracht worden.“
5.7.1933 Tag des Verhörs von Fred Meyer im KL Oranienburg; er gibt an, Mitglied der kommunistischen Gruppe zu sein.
10.7.1933 Entlassung der 34 Wolziger aus dem KL Oranienburg
Verurteilt wegen „Rassenschande“
26.6.1936 -23.12.37 in Strafhaft in Cottbus und Naugart
22.1.1938 Ankunft im KL Dachau

22.9.1938 überstellt aus dem KL Dachau nach Buchenwald
1.7.1939 Entlassung aus dem KL Buchenwald
Flucht nach England
29.9.1939 Fred Meyer registriert bei britischem Census im Kitchener Camp
17.5.1939 beide Eltern und die Geschwister Ursula, Kurt und Wolfgang in Berlin Mehnerstraße 1 bei der Minderheitenzählung
Deportationen
1.3.1943 Arthur Meyer auf dem 31. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
4.3.1943 Wolfgang Meyer auf dem 34. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
6.3.1943 Rosa Meyer auf dem 35. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
12.3.1943 Ursula Meyer auf dem 37. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
Gedenken
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Quellen
Klaus Drobisch, Überfall auf jüdische Jungen im Juni 1933; Dokumente; 1993
„The Times“ vom 19. September 1933 „Life in a Nazi camp. A farm student’s experience“
Mitteilungen von Astrid Ley, Gedenkstätte Sachsenhausen
https://www.myheritage.de/research
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History