Forchheimer Alfred

Alfred Fred Forchheimer

*23.6.1918 in Berlin; ✡ 17.11.1986 in Stockholm

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Adolf Abraham Forchheimer *1.12.1884 in Thüngen; ✡ 1942 in Skaistkalne, Litauen

Mutter Rosa Michels *26.3.1888 in Schivelbein; ✡ 1942 Riga-Jungfernhof

Onkel Isidor Forchheimer *22.4.1887 in Thüngen; ✡ 1942 Riga-Jungfernhof

Tante Johanna F. geb. Michels 7.3.1888 in Schivelbein; ✡ 1942 Riga-Jungfernhof

Onkel Louis Forchheimer *12.9.1876 in Thüngen; ✡ 14.9.1943 Theresienstadt; oo Paula Löwenstein

Tante Lina Forchheimer *18.10.1878 in Thüngen; ✡ 18.1.1944 Theresienstadt; oo Rothschild

Onkel Samuel Forchheimer *4.3.1891 in Thüngen; ✡ vor 1944 Bezirk Lublin;

Geschwister

Ruprecht Forchheimer *26.11.1914 in Berlin; ✡2.1.1941 in Cholm (fiktive Daten bei T4 „Euthanasie“)

Cousine Margot Forchheimer *18.10.1920; oo Fletcher

Beruf Mechaniker; Landarbeiter, Ingenieur, Erfinder

Adressen Bamberg, Austraße 21

Heirat

Schontje Ruth Visser *15.2.1921 in Oldenburg; ✡24.2.2020; (Eltern Eduard Visser und Käthe Rose; zweite Ehe 1946 mit Walter Michael Wächter; Sohn Anders Reuben Wächter *6.8.1949)

2. Ehe mit Cecilia Sylvia Perlmutter *3.6.1916 in Wien; ✡24.4.1991 in Stockholm

Kinder

Robert Forchheimer *1948

Claire Forchheimer

Weiterer Lebensweg

1926 Umzug der Familie von Berlin nach Bamberg, Keßlerstraße 18 zu Onkel Isidor

1934 Abitur am Humanistischen Gymnasium in Bamberg (mit 16 Jahren)

Bewerbungen an den Universitäten wurden abgelehnt

1934 Umzug in Bamberg, Austraße 21

Ausbildung zum Mechaniker; Eintritt in den Hechaluz

1935 in München Ausbildung in einer Gärtnerei

1937 Wechsel nach Frankfurt in eine jüdische Lehrwerkstatt

Dort lernt er Ruth Visser kennen, die dort die Haushaltsschule besucht. Er schreibt über sie:

„Sie war 16 Jahre alt und ich 19, als wir uns in Frankfurt/M kennen lernten. Sie war Schülerin auf einer

Haushaltsschule, ich Schüler auf der Berufsschule. Auch in Frankfurt lebte ich mit einem größeren Kreise von Freunden in einem Haus zusammen und Ruth kam öfters zu unseren kulturellen Veranstaltungen, die dort hauptsächlich aus literarischen, philosophischen und politischen Abenden bestanden. Ein äußerst kluges und sympathisches Mädel – natürlich und unproblematisch mit einer gesunden Portion ‚sex appeal’. Wir wurden gute Freunde, ohne daß unsere Beziehung auch nur im geringsten äußerlich über den Rahmen des ‚platonischen’ hinausging. Kunst, Literatur, Psychologie und Philosophie waren unsere gemeinsamen Interessen. Wir besuchten die Kunstgalerien gemeinsam, vertieften uns in Rembrandt oder Raffael, in Kolbe oder Sintenis, sprachen über Stil und Farbe, über Stoff und Form – nie über uns selbst.“

Novemberpogrom

10.11.1938 Alfred Forchheimer verhaftet in Frankfurt im Novemberpogrom, in „Schutzhaft“ als „Aktionsjuden“ im KL Buchenwald.

10.11.1938 Vater Adolf, die Onkel Isidor und Louis Forchheimer verhaftet im Novemberpogrom, in „Schutzhaft“ als „Aktionsjuden“ im KL Dachau

15.12.1938 Entlassung des Vaters und des Onkels aus dem KL Dachau mit der Auflage, Deutschland zu verlassen

3.1.1939 Mit Hilfe einer vom Hechaluz beschafften Einreise und Arbeitserlaubnis für Dänemark kann Alfred F. das KL Buchenwald verlassen, mit der Auflage, aus Deutschland innerhalb von vier Wochen auszureisen.

17.5.1939 beide Eltern in Bamberg, Austraße 21 bei der Minderheitenvolkszählung

17.5.1939 Isidor, Johanna und Margot Forchheimer in Bamberg, Keßlerstraße 18 bei der Minderheitenvolkszählung

Sommer 1939 Cousine Margot Forchheimer nach England

Zur Hachschara nach Dänemark

Januar 1939 ein Treffen mit Ruth Visser in Hamburg

6.2.1939 Alfred Forchheimer zur Hachschara nach Dänemark

Briefliche Verlobung, um Ruth Visser die Einreise nach Dänemark zu ermöglichen

4.7.1939 Ankunft von Ruth Visser in Dänemark

September 1939 Heirat mit Ruth Visser

5.11.1940 Fred und Ruth Forchheimer in der Familie von Hans Greve als Gärtnerlehrling und Lehrling in Fraugde, Asum, Odense bei der Volkszählung in Dänemark

1943 Forchheimer aktiv bei illegalen Schleuseraktionen von Dänemark nach Schweden, vermutlich aber auch an anderen gewaltsamen Widerstandsaktionen beteiligt, in die er später nur seine Cousine Margot einweiht, nachdem er von ihr aber absolutes Stillschweigen verlangt hat. „Man steckt sich nicht mehr den Revolver in die Tasche, wenn man weggeht.“, sagt er später rückblickend in Schweden.

1943 Entfremdung und Trennung von Ruth Visser

Riga

23.11.1941 Deportationsbefehl der Gestapo für die Juden in Franken; Ankündigung der Deportation „in den Osten“; in Bamberg war der Leiter der Gestapo-Außenstelle Kriminalinspektor Karl Bezold für alle Deportationen zuständig. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Bamberg, Dr. Bauchwitz musste eine Transportliste mit 129 Bambergern erstellen; Evakuierungsnummern der Gestapo 47-175.

27.11.1941 Verbringung von 121 Bambergern und 8 Juden aus Forchheim, die mit einem Lastkraftwagen zunächst nach Bamberg überführt wurden, insgesamt also 129 Menschen mit der Bahn weiter nach Nürnberg transportiert und dort ins Sammellager Langwasser, Reichsparteitaggelände.

29.11.1941 Beide Ehepaare Forchheimer deportiert aus Nürnberg nach Riga

2.12.1941 Ankunft in Riga-Skirotawa; Fußmarsch in Fünferreihen entlang der Dünaburger Landstraße ins provisorische Lager Jungfernhof

Fünf Transporte im Dezember 1941 zum Jungfernhof

30.11.1941 -2. 12.1941 1008 Personen aus dem Sammellager Langwasser in Nürnberg

1.-4.12.1941 Stuttgarter Transport von 1013 Juden aus dem Sammellager Killesberg in Stuttgart

3.-6.12.1941 aus Wien 1001 Juden zum Jungfernhof

6.-9. 12.1941 Transport von 964 Personen aus Hamburg, Lübeck und Danzig (Ziel zuvor Minsk)

10.1.1941 Transport aus Wien teils in den Jungfernhof

26.3.1942 „Dünamünde-Aktion“ im Jungfernhof; 1800 Juden im Wald von Bikernieki erschossen

Ausnahmezustand in Dänemark 1943

1939 Emigration nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen

9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943

29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen

17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark

September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark

„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.

28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.

Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.

6.10.1943 Ruth Visser mit dem Boot nach Schweden

15.10.1943 Alfred Forchheimer mit einem dänischen Fischerboot von Kopenhagen nach Malmö; er bezeichnet sich selbst als konfessionslos

Noch-Ehefrau Ruth war bereits am 6.10. 1943in Schweden angekommen; sie heiratet später den Hechaluz-Emigranten Walter Wächter.

Schweden/Nachkriegszeit

Leben in der Villa Kingsfield in Kattarp bei Helsingborg, einer Wohngemeinschaft von 12 Hechaluz Mitgliedern

Arbeit als Bauernknecht in Njökult

Ablösung vom Hechaluz

Juli 1944 Immatrikulation am Technischen Institut in Göteborg

Januar 1945 Verlobung mit seiner langjährigen Brieffreundin M.

19.5.1946 Aufhebung der Verlobung

Ca. 1947 Heirat mit Sylvia, später Ärztin

1948 Geburt von Sohn Robert

Ablösung vom Hechaluz

Ingenieur im Prothesen-Forschungslabor der Abteilung für orthopädische Chirurgie im Karolinska Krankenhaus

1976 organisiert er für die „International Society for Prosthetics and Orthotics“ die Tagung “The Deformed Foot and Orthopaedic Footwear“

Gedenken

Grabstein auf dem Södra Judiska Begravningsplatsen, Stockholm

Quellen

Holger Frerichs, Biografie der Familie Visser, Varel, 2024

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de866948

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de866954

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de866960

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de866958

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5876963

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Bamberg1.jpg

Volkszählung in Dänemark von 1940 – Alfred Israel Forchheimer

http://mjhnyc.org/exhibitions/courage-to-act-rescue-in-denmark/

https://safe-haven.dk

https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/Uppgift_Forchheimer__Alfred.pdf

https://www.willy-aron.de/assets/files/AB-01_2020Gedenkenanden8.11.1938FredForchheimer_am05.11.2019.pdf

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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