Selma Spiro
*31.7.1887 in Schenklengsfeld; ✡ 1944 Riga Kaiserwald
S
taatsangehörigkeit deutsch;
Religion jüdisch
Vater Jakob Spiro *4.2.1853 in Schenklengsfeld; ✡ 19.12.1927 in Fulda
Heirat der Eltern 4.7.1881 in Bad Hersfeld
Mutter Zerline Sonn 10.7.1857 in Steinach/Saale; ✡22.12.1916 in Fulda
Geschwister
Henriette Spiro *1.7.1882 in Schenklengsfeld; ✡ 13.10.1933 in Fulda; oo Abraham Sonn
Bella Spiro *5.11.1883 in Schenklengsfeld; ✡26.4.1960 Amsterdam
Samuel Spiro *12.6.1885 in Schenklengsfeld; Arzt, Dr. med. ✡ 5.12.1960 Jerusalem
Beruf –
Adressen Schenklengsfeld; Halberstadt; Frankfurt; Amsterdam, Tintorettostraat 35
Heirat 13.7.1908 in Halle/Saale mit Pessach Philipp Frankl *23.12.1876 in Czeste, Slowakei; ✡17.3.1944 Buchenwald
Nichte/Neffe
Dr. med. Ernst Moshe Frankl *1909 in Halberstadt; ✡ 1982 in Israel; oo Ruth Godlewski (*1912 in Amberg)
Charlotte Frankl *18.2.1914 in Halberstadt; ✡ ?; oo Wolf Bialoglowski *3.10.1900 Petrikau
Weiterer Lebensweg
Vater Jakob Spiro war Lehrer an der jüd. Volksschule Schenklengsfeld und Fulda
13.7.1908 Heirat von Bella Spiro in Halle/Saale mit Pessach Philipp Frankl
1908-1939 Schwager Dr. phil. Pessach Frankl war Rabbi, Stiftsrabbiner an der Klaus in Halberstadt und lebte dort mit seiner Familie im ersten Stock
15.1.1935 Heirat der Nichte Lotte mit Wolf Bialoglowski in Halberstadt
1935 Neffe Ernst Assistenzarzt am jüdischen Krankenhaus in Frankfurt; Alija nach Palästina
6.5.1936 Alija von Ruth Glogowski auf der SS PALÄSTINA in Haifa
26.1.1938 Emigration von Nichte Lotte mit Ehemann und Sohn aus Hamburg nach Amsterdam
21.2.1939 Emigration von Bella und Philipp Frankl nach Amsterdam zur Tochter Lotte in die Tintorettostraat 35
17.5.1939 Selma in Fulda, Heinrichstraße 48 bei Schwager Abraham Sonn bei der Minderheitenzählung
Kamp Westerbork
3.4.1943 Einweisung von Lotte, Wolf und Eli Bialoglowski in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork
20.6.1943 Einweisung von Bella und Philipp Frankl in das Kamp Westerbork
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
1.2.1944 Familie Bialoglowski auf dem dritten Transport mit 908 „Austauschjuden“ von Westerbork nach Bergen Belsen
1.2.-2.2.1944 Philipp Frankl auf dem Ungarn-Sondertransport von Westerbork ins KL Buchenwald

5-7.2.1944 Schwester Bella Frankl auf dem Ungarn-Sondertransport von Westerbork in das Frauen KL Ravensbrück;

eingetragen in der Häftlingsbelegungsliste von Block 30 mit der Häftlingsnummer 28036 (Februar-April 1944)
17.3.1944 Tod des Schwagers im HKB Krankenrevier des KL Buchenwald
Der gestrandete Zug – Befreiung in Farsleben
6.-11.4.1945 Evakuierung von 6800 Austauschjuden von Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt
6.4.1945 Der erste von drei Transporten mit 2500 Menschen verlässt Lagerbahnhof in Bergen-Belsen. Auf dem ersten Transport befinden sich weit überwiegend ungarische und griechische Juden aus Saloniki. Die Fahrtroute verläuft südwestlich der Elbe über Uelzen, Salzwedel, Stendal.
7.4. 1945 Ein weiterer Transport mit 179 Menschen wird an den ersten angeschlossen
12.4.1945 Der Zug stoppt auf freier Strecke am Moortalsee, Farsleben, nahe Magdeburg; Flucht der Wachmannschaften
13.4.1945 Befreiung durch das 743. Panzerbataillon der US Army
Lotte, Wolf und Eli Bialoglowski sind Überlebende des gestrandeten Zuges, in Farsleben
6.5.1945 die in Farsleben Befreiten werden einquartiert im Nachbarort Hillersleben
Ghetto Riga
Selma Spiro wohnt bei ihrem Schwager, dem pensionierten Lehrer Abraham Sonn in Fulda, Heinrichstraße 48
27.11.1942 Ankündigung der Gestapo für den Regierungsbezirk Kassel über den anstehenden Transport in den Osten von 1035 Juden, „der für die Evakuierung in Frage kommende Personenkreis“
Ende November 1942 Ankündigung der „Evakuierung in den Osten“
8.12.1941 Die aus dem Umland kommenden Menschen werden aus den örtlichen Sammellagern in regulären Personenzügen nach Kassel in das dort eingerichtete Sammellager Turnhalle der Wörthschule verbracht.
9.12.1941 nachmittags mit 1024 Menschen aus dem Regierungsbezirk Kassel nach Riga
12.12.1941 Ankunft in Riga Skirotawa; Fußmarsch ins Ghetto
Juli-2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos; Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung; Kommandant des KL Kaiserwald Sturmbannführer Albert Sauer
3. November 1943 Auflösung des Ghetto Riga
Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga
Juli 1944 „Krebsbach-Aktion“ – Alle Personen unter 15 und über 50 Jahren werden selektiert im Wald von Bikernieki erschossen „Krebsbach-Aktion“
1944 Tod von Selma Spiro im KL Kaiserwald
Nachkriegszeit
23.11.1945 Rückkehr von Schwester Bella Frankl nach Amsterdam
Gedenken
14.8.1956 Page of Testimony für Schwager Philipp Frankl von Bellas Bruder Samuel Spiro