Glücker Emil

Emil Elimelech Glücker

*6.8.1920 in Wien; ✡ 24.10.1997 in Haifa

Staatsangehörigkeit Österreich; staatenlos; Israel

Religion jüdisch

Vater Samuel Glicker *2.6.1888 in Zbarazh, Galizien; ✡ 25.9.1955 in Haifa

Mutter Chana Rebekka Berger *3.4.1889 in Lemberg; ✡ 23.5.1884 in Haifa

Geschwister keine

Beruf Elektriker; Vertreter; Landarbeiter;

Adressen Wien, Schrotgasse 9; Deventer; Doetinchem; Dieren; Haifa

Heirat Juni 1954 Shulamit Minz

Kinder

Weiterer Lebensweg

Besuch der Mittelschule in Wien

1934-1935 Mitglied im Hechaluz

Nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Wehrmacht erfolgte am 13. März 1938 der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich

13.5.1938 Vater Samuel stellt einen Antrag zur Unterstützung der Ausreise bei der IKG Wien

Novemberpogrom

10.11.1938 Verhaftung in Wien

16.11.1938 Einweisung in das KL Dachau; Häftlingsnummer 27447

18.1.1939 Vater Samuel stellt einen zweiten Antrag zur Unterstützung der Ausreise bei der IKG Wien

9.2.1939 Entlassung aus dem KL Dachau

Februar 1939 Flucht in die Niederlande, Sammellager Flugschule Teuge der Deventer Vereniging tot Vakopleiding.

Er bekommt einen Platz zur Einzelhachschara bei Bauer Theodoor Gerrit Seinhorst in einem kleinen Dorf IJzevoorde (IJ95) bei Doetinchem

1939 Sommerlager der Schule aus Bilthoven mit Lehrer Joop Westerweel bei Bauer Seinhorst

Seine zweite Stellung findet er bei Bauer Sam Henny in Dieren, der selber NSB-Mitglied war, seine jüdischen Arbeiter aber nicht belästigte. Dort bleibt er bis 1942, unterbrochen von einer Flucht nach Den Haag nach dem Überfall der Wehrmacht am 10.5.1940

Anfang 1942 auf Anraten von Joop Westerweel in Rotterdam geht er in ein Versteck bei einem Lehrer in Wassenaar. Dort soll er auf einen Transfer über Belgien, Frankreich nach Spanien warten.

Frühjahr 1942 nach drei Monaten im Versteck geht er zu seinem Bauern nach Dieren, um dort weiter zu arbeiten. Er hält den Kontakt zum Hechaluz und dem Netzwerk Westerweel über Kurt Hannemann, Menachem Pinkhoff

Hachschara-Gruppe in Westerbork

17.11.1942 Verhaftung auf dem Bauernhof in Dieren

20.11.1942 Einweisung in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork; dort Mitglied der Hachschara-Gruppe

In Westerbork blieb die gesamte Hachschara-Gruppe nach Intervention von Josef Samson („oude kampbewooner“) zunächst von den Deportationen zurückgestellt; dessen Sohn Manfred Shlomo Samson war ebenfalls Mitglied der Elden- Hachschara.

Die Hachschara Chaluzim sind in Baracke 58 untergebracht.

Vater Josef Samson, Leiter der Arbeitsverwaltung in Westerbork, Innendienst-Abteilung 5, arrangiert mit dem SS-Kommandanten Gemmeker, die Chaluzim als qualifizierte Landarbeiter auf Feldern außerhalb des Lagers einzusetzen. Neben dem Lager befand sich ein Bauernhof, genannt Schattenberg, den sie bewirtschafteten und dies Hachschara Westerbork nannten. Diese Pioniere, wurden nach ihrem Leiter Josef Klijnkramer als „Kleinkramer-groep“ bezeichnet.

Auf einer Liste der Hachscharah-Gruppe vom Ende November 1942 finden sich 93 Chaluzim in Westerbork

28.1.1943 ist Emil Glücker in Westerbork Baracke 72 untergebracht

Flucht aus Westerbork

21./22.1.1942 Bei einem Außeneinsatz in Apeldoorn, kann er sich unbemerkt von der Gruppe absetzen. Er flüchtet sich zu Leo Reichenberger, der ihn nach Amsterdam ins Beth Chaluz in der Tolstraat schickt.

Emil Glücker schreibt:

In Amsterdam bekommt er eine Versteckadresse in Amsterdam; nach einigen Wochen wechselt er nach Soestduinen, wo er von Max – Mordechai Bonn versteckt wird. In dieser Zeit wird er von Kurt Hannemann und Norbert Klein betreut.

Fremdarbeiter in Frankreich

10.6.1943 von Rotterdam nach Belgien zusammen mit Erich Ehud Sanders und Walter Rosenberg (Laut anderer Quelle angeblich mit Alfred Dubowski).

Von der Widerstandsgruppe um Nanno Kurt Reilinger auf der von Heinz Frankl ermittelten Route über Maastricht, Brüssel. Lille, Accun bei Calais nach Frankreich geschleust; als holländische Fremdarbeiter mit gefälschten Wehrmachtspapieren u.a. beim Bau von Festungsanlagen für die Bauorganisation Todt (OT), Deckname Arne Jongsma.

Juli 1943- Mai 1944 als Elektriker auf der Kriegsmarine Werft in“La Pallice” in La Rochelle, zusammen mit Alfred Dubowski, Hermann Kellner, Erich Ehud Sanders, Walter Rosenberg und Martin Wolff

Pyrenäen-Passage

Mai 1944 nachdem in Paris verschiedene Chaluzim des Netzwerk Westerweel verhaftet worden waren, geht er auf Anraten der Gruppe Cor nach Bordeaux. Dort trifft den ebenfalls auf den Transfer über die Pyrenäen wartenden Benjamin Hermann. Sie müssen sich dem militärischen Arm des „revisionistischen“ Irgun Tzwaʾi Leʾumi im Untergrunds mit hochdramatischem Aufnahmeritual und Schwur anschließen.

25.7.1944 Der Übergang über die Pyrenäen gelingt erst im vierten Anlauf. Zur Gruppe gehören neben 25 Franzosen 13 Chawerim aus den Niederlanden: Fiet Andriessen, Betty Britz, Lodi Cohen und Lilo Spiegel (-Cohen), Heinz und Ruth Durlacher, Ludi Goldwein, Benjamin Jürgen Hermann, Rivka Roos, Lore Süsskind, Betteke Tal und Flora de Vries.

Nach dem Übergang in Internierung in Lerida und noch im Juli nach Barcelona

27.9.1944 Ausstellung des Identity Certificate in der britsischen Botschaft in Barcelona

Alija auf der SS GUINEE

Oktober 1944 erhielten die Palästina-Pioniere in Spanien von der britischen Mandatsregierung erteilte Einwanderungszertifikate für Palästina. 

55 Hechaluz Mitglieder gingen am 27. Oktober 1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.

Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina

27.10.-4.11.1944 Emil Glücker mit Arbeiter-Zertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS von Cadiz nach Haifa; Internierung im britischen Camp Athlit

14.11.1944 Entlassung der Chaluzim aus dem britischen Camp Athlit

Nachkriegszeit

22.11.1946 Einbürgerung von Emil Glücker in Palästina

1946 Besuch der Familie des Bauern Seinhorst in Doetinchem

Juni 1954 Heirat mit Shulamit Minz

Gedenken

Quellen

IDEA – ALM : The Emil – Elimelech Gluecker collection: Testimony about the hachshara (Zionist pioneering training), underground activities and crossing the Pyreneese to Spain and a letter from 1942

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130293314

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10649950

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429657

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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