Durlacher Lore

Lore Ora Cilli Durlacher

*3.12.1920 in Mannheim; ✡ 14.2.1992 Pardes Chana

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Salomon Durlacher *24.8.1879 in Münzesheim; ✡31.8.1942 in Auschwitz

Mutter Ella Mann *7.9.1884 in Höheinöd; ✡31.8.1942 in Auschwitz

Geschwister

Heinz Durlacher/Zwi Dor *4.10.1913 in Ludwigshafen; ✡ 21.8.1989 in Hazora; oo Ruth Horn

Eric Durlacher *24.9.1917 in Mannheim; ✡ 17.3.2005 Givat Chaim; oo Chaya Pinczuk

Beruf Landwirtschaftliche Volontärin; Krankenschwester

Adressen Ludwigshafen; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat 23.4.1946 in ASD mit Aharon Grünbaum/Goren *22.1.1917 in München; ✡15.3.1970 Israel

Kind eins

Werkdorp Nieuwe Sluis

7.5.1935 Erich Durlacher zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

12.2.1936 Erste Alija von Heinz Durlacher auf der SS ROMA

25.2.1939 Heinz Durlacher und Ruth Horn zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

29.8.1939 Lore Durlacher zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

23.10.1939 Heirat mit Ruth Horn in Schagen, Nachbarort des Werkdorp

28.10.1939 erscheint die Anzeige der Heirat im Niederl. Staatsanzeiger von Schagen

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage

2.1.1938 formal bedingte Ummeldung aller Bewohner von der Gemeinde Barsingerhorn nach Wieringermeer

10.5.1940 Einmarsch der Wehrmacht in die neutralen Niederlande.

Die Schlichim (Plural von Schaliach) aus Palästina mit ihrem Britischen Pässen wurden als „feindliche Ausländer“ verhaftet (Uri Koch, Mosche Katznelson, Zwi Kuttner).

Im Werkdorp ist Lore eng mit dem Mauthausen-Opfer Martin Hahn verbunden.

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Heinz und Ruth Durlacher gehören zu den 60 „Aufräumern“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

10.9.1941 Heinz und Ruth Durlacher abgemeldet nach Deventer; Eintritt in die „Deventer Vereniging tot Vakopleiding“

Sommer 1941 Martin Hahn schreibt aus dem KL Mauthausen Briefe an seine Eltern und Lore Durlacher

Mai 1942 Verpflichtung den „Judenstern“ zu tragen

1941-1943 Ausbildung zur Krankenschwester im „Ziekenhuis Apeldoornsche Bosch“

Lore Durlacher schließt sich dem Widerstandznetz um Joop Westerweel an.

Lore Durlacher war über die Jahre 1942 -1944 zusammen mit Frans Gerritsen als Fluchthelferin in unmittelbarer Umgebung des Kamp Westerbork bei fast jeder organisierten Flucht von Chaluzim aus dem Kamp im Einsatz, die Flüchtigen zu verstecken und in sichere Verstecke zu bringen. Ihr Kontaktmann ins Kamp war der Häftling Kurt Walter, der einen Lorenzug außerhalb des Kamps betrieb. Weitere Helfer waren Jan Smit und Tinus Schabbink.

Insgesamt konnten 21 Chaluzim aus Westerbork flüchten

Im Oktober 1944 geht sie mit gefälschten Papieren nach Paris

Nachkriegszeit

13.3.1946 Rückkehr nach Amsterdam

23.4.1946 Heirat mit Aharon Grünbaum in Amsterdam

Nach der Heirat Alija nach Palästina

14.2.1992 Tod von Lore Goren infolge Brustkrebs

Gedenken

28.10.2019 Stolpersteine für Lore, Erich und Heinz Durlacher und ihre Eltern Siegmund und Ella in Ludwigshafen, Ludwigstraße 83

Quellen

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Durlacher%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Durlacher%22%7D&page=2

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://infocenters.co.il/gfh/multimedia

Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130281724

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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