Hahn Martin

Martin Hahn

*4.12.1919 in Hofheim; ✡12.9.1941 in Mauthausen

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Heinrich Hahn *31.10.1884 in Nenzenheim; ✡ 4.11.1943 in Riga

Mutter Menka Martha Reus *22.5.1889 in Lendershausen; ✡?

Großeltern David Ber Hahn und Klara Dottenheimer

Tante Irma Reus *31.7.1892 Lendershausen; ✡ Riga; oo Ludwig Fleischmann (1886-1942)

Tante Recha Reus *24.9.1884 Lendershausen; ✡ in Riga; oo Max Fein (1880-1942)

Geschwister keine

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Hofheim; Bamberg, Hauptwachstraße 14 ; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat ledig

Partnerin Lore Ora Cilli Durlacher *3.12.1920 in Mannheim; ✡ 14.2.1992 Pardes Chana

Kinder

Weiterer Lebensweg

1929 nach Bamberg, Brückenstraße

Mutter Martha ist Mitinhaberin des Textilgeschäftes Gebr. Reus in Bamberg

1932 Umzug der Familie in die Hauptwachstrasse 14

Novemberpogrom

10.11.1938 Onkel Ludwig Fleischmann und dessen Bruder Oskar verhaftet

11.11.1938 Onkel Ludwig und dessen Bruder Oskar Fleischmann  eingewiesen in das KL Dachau

10.12.1938 Entlassung von Onkel Ludwig aus dem KL Dachau

1939 fragliche Einweisung der Eltern ins ‚Judenhaus‘ Bamberg (?)

11.2.1939 Flucht von Martin Hahn nach Amsterdam

17.5.1939 beide Eltern in Bamberg Hauptwachstraße 14 bei der Minderheitenzählung

Werkdorp Nieuwe Sluis

25.2.1939 Martin Hahn zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; Martin Hahn mit Werner Silberberg zur Familie Beermann nach Amsterdam Raphaelstraat 31-I

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Der Werkdorper Bernard Natt,, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:

„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

Er schreibt einige Briefe an seine Eltern und Freundin Lore Durlacher

12.9.1941 Tod von Martin Hahn in Mauthausen

Riga Jungfernhof

Beide Eltern, Recha und Max Fein, Irma und Ludwig Fleischmann

23.11.1941 Deportationsbefehl der Gestapo für die Juden in Franken; Ankündigung der Deportation „in den Osten“; in Bamberg war der Leiter der Gestapo-Außenstelle, Karl Bezold, für alle Deportationen zuständig. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Bamberg, Dr. Bauchwitz musste eine Transportliste mit 129 Bambergern erstellen; Evakuierungsnummern 47-175.

27.11.1941 Verbringung von 121 Bambergern ins Sammellager Langwasser, Reichsparteitaggelände in Nürnberg

29.11.1941 Beide Eltern, Tante Recha und Max Fein, Tante Irma und Ludwig Fleischmann sowie Oskar, Paul, und Grete Fleischmanndeportiert aus Nürnberg nach Riga

2.12.1941 Ankunft in Riga-Skirotawa; Fußmarsch in Fünferreihen entlang der Dünaburger Landstraße ins provisorische Lager Jungfernhof

Vier Transporte im Dezember 1941 zum Jungfernhof

30.11.1941 -2. 12.1941 1008 Personen aus dem Sammellager Langwasser in Nürnberg

1.-4.12.1941 Stuttgarter Transport von 1013 Juden aus dem Sammellager Killesberg in Stuttgart

3.-6.12.1941 aus Wien 1001 Juden zum Jungfernhof

6.-9. 12.1941 Transport von 964 Personen aus Hamburg, Lübeck und Danzig (Ziel zuvor Minsk)

10.1.1941 Transport aus Wien ins Ghetto Riga, ein Teil kommt in den Jungfernhof

26.3.1942 „Dünamünde-Aktion“ im Jungfernhof; 1800 Juden im Wald von Bikernieki erschossen

Juli bis 2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos; Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung; Kommandant des KL Kaiserwald Sturmbannführer Albert Sauer

3. November 1943 Ghetto-Appell Auflösung des Ghetto Riga

4.11.1943 Tod von Vater Heinrich/Deportation nach Auschwitz

Gedenken

9.3.2022 Verlegung von 5 Stolpersteinen für die Familie Fleischmann, Kunigundendamm 2o

Quellen

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Bamberg1.jpg

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de831568

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de831915

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de831934

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de866624

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Bamberg

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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