Sallein Werner

Werner Josef Sallein

*8.12.1918 in Berlin; ✡2.11.2001 San Francisco, USA

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Hans Sallein; Bankbeamter; ✡ 25.10.1948 in Halle

 „Mischehe“

Mutter Julia Josef *1895; ✡ 9.8.1925 in Berlin

Erste Ehe des Vaters am 12.6.1903 mit Auguste Heidenreich

Geschwister

Ruth Sallein *24.6.1920 in Berlin; ✡9.6.1942 in der Tötungsanstalt Bernburg/Saale

Arno Sallein *10.3.1923 in Berlin; ✡31.8.2000 in Sun City West; oo Sara Kulakowski (1924-2010)

Hans Dieter Sallein * 7.3.1927 in Berlin; ✡19.7.2000 (Mutter Elisabeth aus der dritten Ehe des Vaters Hans Sallein)

Beruf Landarbeiter

Adressen Berlin; San Francisco

Heirat Elisabeth Kahn *20.12.1919 in Weilheim; ✡ 8.1.2001 USA

Schwiegervater Ludwig Kahn *6.8.1882 in Johlingen; ✡18.3.1964 USA

Schwiegermutter Bertha Wertheimer *16.5.1888 in Ettlingen; ✡12.1.1957 San Francisco

Kinder

Tochter Ruth Kay Sallein *1947; oo Astle

Weiterer Lebensweg

 „Jüdisches Jugendwohn- und Lehrlingsheim“ in Pankow,

Eingerichtet 1935 als Wohnheim mit angegliederten Lehrwerkstätten für Tischler, Schneider und Schuster

Vermutlich nach der Ausschulung (1937?) Bruder Arno Sallein in das Jüdische Lehrlingsheim in Pankow

17.5.1939 Arno Sallein im Wohnheim Mühlenstraße 24 bei Minderheitenzählung

Dezember 1939 Zwangsräumung

Verhaftung von Schwester Ruth wegen „Rassenschande“, Häftlingseuthanasie in Bernburg

23.7.1937 -28.6.1938 Ruth Sallein zur Ausbildung in Haushalt und Säuglingspflege in das 1907 von Bertha Pappenheim gegründete Heim des jüdischen Frauenbundes, in Neu-Isenburg, Taunusstraße 9, das gefährdete Mädchen, Schwangere und ledige Mütter mit Kinder aufnahm.

28.6.1938 abgemeldet nach Frankfurt; weiter nach Berlin

Mai 1939 Verhaftung der Schwester Ruth in Berlin wegen „Rassenschande“

17.5.1939 Ruth Sallein im Polizeigefängnis Berlin-Mitte bei Minderheitenzählung

15.6.-27.6.1939 KL Ravensbrück

27.7.-9.9.1939 Ruth zur Strafverbüßung ins Zuchthaus KoLaFu in Hamburg Fuhlsbüttel

10.9.1939 Rücküberstellung in das Frauen-KL Ravensbrück

Herbst 1941 Selektion zur 14f13-Häftlingseuthanasie durch eine ärztliche Kommission unter Leitung von Dr. Fritz Meinecke

9.6.1942 Tötung durch CO-Gas unmittelbar nach Ankunft in der Anstalt Bernburg/Saale

Flucht Werner Sallein in die Niederlande

26.4.1938 Werner Sallein zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis

Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Alija Beth auf der SS DORA

Werner Sallein mit 76 „Werkdorpern“ nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina

17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Werner Sallein 24.11.-15.12.1946 auf der USS MARINE CARP von Haifa nach New York

Ziel Ehefrau Elisabeth in San Francisco

1949 in San Francisco Einbürgerung von Werner Sallein als US-Citizen

Die Gruppe der „Privilegierten Mischlinge“ in Neumühle

Arno Sallein vermutlich ab 1940 im Auswandererlehrgut Groß Breesen

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Um­be­nen­nung der noch bestehenden in „Jü­di­sches Ar­beits­ein­satz­lager“

August 1941 offizielle Schließung des Lagers Groß Breesen

Arno Sallein verhaftet, eingewiesen zur Zwangsarbeit auf das Gut Neumühle, Kr. Lebus

November 1942 in Kraft tretendes Gesetz: „Alle im Reich gelegenen Konzentrationslager sind judenfrei zu machen und sämtliche Juden sind nach Auschwitz und Lublin zu deportieren.“

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

Anfang März 1943 die letzten Chawerim verlassen Groß Breesen, 25 „Volljuden“ im Rahmen der Fabrikaktion deportiert

19.4.1943 die Neuendorfer Chaluzim („Volljuden“) auf dem 37. Osttransport als Teil der Fabrikaktion, allein 153 Personen aus dem Landwerk Neuendorf bei Fürstenwalde.

Arno Sallein mit Martin Lippmann und Heinz Hirsch im Lager Jacobsdorf

Winter 1943/1944 Verlegung der Neuendorfer „Mischlingsgruppe“ aus dem Lager Jacobsdorf in das Forsteinsatzlager Gut Neumühle, u.a. die drei Brüder Wallach. Dort arbeiten sie zusammen mit Arno Sallein, Manfred Prenzlau, Heinz Hirsch, Johanna Kosterlitz, Hans Heilborn, den Schwestern Vera und Alice Bergmann, Marianne Rotstein, sowie Julius Kohn und Lutz Fink als Leiter.

Erich Wallach berichtet über das Forsteinsatzlager Neumühle und die Verhaftung:
„Schließlich ging es uns ja nicht schlecht in Neumühle – bis wir alle im September auf die Polizeistation der Kreisstadt Frankfurt/Oder vorgeladen wurden.“

September 1944 Verhaftung in Frankfurt Oder, Polizeigefängnis Leipzigerplatz

November 1944 wurden 16 „Mischlinge“, u.a. die Schwestern Vera und Alice sowie Brüder Alfred, Erich und Kurt Wallach aus dem Polizeigefängnis in Frankfurt/Oder, Leipziger Platz zur geplanten Deportation in das Berliner Sammellager im Jüdischen Krankenhaus Iranische Straße verlegt; die drei Brüder Wallach und Paul Safirstein können fliehen und untertauchen.

24.11.1944 Arno Sallein mit 12 Chawerim aus Neumühle auf dem 113. Alterstransport I/119 von Berlin nach Theresienstadt

8.5.1945 Befreiung von Bruder Arno in Theresienstadt durch die Rote Armee

14.11.1946 Registrierung von Bruder Arno im DP-Center Deggendorf; ärztliche Untersuchung

16.12.1946 Medizinischer Check vor der Abreise im DP Center

3.1.-16.1.1947 Arno Sallein auf der USS ERNIE PYLE von Bremen nach New York

Emigration in die USA

24.11.-15.12.1946 Werner Sallein auf dem Marinetransporter USS MARINE CARP von Haifa nach New York

Ziel Ehefrau Elisabeth in San Francisco

Kontakt Schwiegervater Ludwig Kahn in Benjamin

8.8.1949 Einbürgerung als US Citizen

4.4.1950 Werner, Elizabeth und Ruth Sallein mit den Schwiegereltern Ludwig und Bertha Kahn in San Francisco 2990 8th Avenue bei US Census

Gedenken

Grabstein für Werner und Elizabeth Sallein im Hills of Eternity Memorial Park Colma, San Mateo County

Quellen

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7243); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5077295

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12671240

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/131667330

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5075999https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127213294

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212883

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1147524

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/129642803

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/129642832

http://danielabraham.net/tree/related/dora/

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7292); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Mordechai Mal’an (Erich Wallach), Dies ist eine Geschichte über …; in: Erhard Wiehn, Wer hätte das geglaubt, 2010, Hartung Gorre Verlag

https://yvng.yadvashem.org/ad

Lore Shelley (Editor), The Union Kommando in Auschwitz, Lanham, New York, London, 1996

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Harald Lordick, Landwerk Neuendorf in Brandenburg, in: Kalonymos, 2017, Heft 2

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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