Karl-Heinz Kuntz
*2.4.1920 in Herne
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Rudolf Kuntz *28.1.1878 in Schrimm; ✡23.3.1946 in Herne
Mutter Johanna Hirsch *5.1.1876 in Bochum; ✡ ?

Geschwister
Ernestine Kuntz *5.10.1907; oo Loeb
Renate Kuntz *28.10.1909 in Herne
Paul Kuntz /Oliver Kent *12.1.1912 in Herne; ✡17.6.2002 Leicester; oo Ilse Freund (1921-2006)
Onkel/Tanten
Siegfried Kuntz *27.1.1873 in Schrimm; ✡14.2.1941 in Herne
Jette Henriette Kuntz geb. Frank *19.9.1865 in Borken; Theresienstadt; ✡26.9.1942 in Treblinka
Recha Kuntz *8.1.1876 in Schrimm;
Ida Kuntz *22.4.1880 in Schrimm; 16.1.1940 in Amsterdam; oo 6.5.1909 in Herne Meyer Leverpoll (*9.1.1878 in Borculo; ✡23.9.1943 in Sobibor)
Cousinen
Edith Kuntz *22.6.1902 in Herne; oo Adolf Kiefer *22.6.1899 in Hähnlein; beide 1942 nach Zamosc
Ernestine Leverpoll * 10.5.1910 in Deventer; ✡23.9.1943 in Sobibor; oo Johannes Kofler
Rosetta Leverpoll * 12.2.1916 in Deventer; ✡23.9.1943 in Sobibor; Karl Kofler
Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant;
Adressen Herne, Hermann-Göring-Straße 14; Neuendorf; Tythrop House; Fremantle; Leicestershire
Weiterer Lebensweg
2.9.1908 Verlobungsanzeige von Tante Ida Kuntz mit Meyer Leverpoll, Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung
1924 Onkel Meyer Leverpoll als Alleininhaber der Papiergroßhandlung Leverpoll in Herne im Reichsanzeiger angezeigt
31.10.1929 Tante Ida und Meier Leverpoll von Herne nach Amsterdam
3.5.1930 Auflösung der Fa. Leverpoll, Herne, Strünkeder Straße 103
27.10.1931 Tante Recha Kuntz emigriert in die Niederlande; Rückkehr nach Herne (23.10.1938?)
Novemberpogrome
10.11.1938 Verhaftung von Rudolf Kuntz im Novemberpogrom in Herne, Polizeigefängnis; Verbringung in die Steinwache nach Dortmund
12.11.1938 Deportation der „Aktionsjuden“ aus dem Regierungsbezirk Arnsberg ab Dortmund in das KL Sachsenhausen; Rudolf Kuntz Häftlingsnummer 11609; in Block 19 im „Kleinen Lager“ für die jüdischen „Aktionshäftlinge“.
11.1.1939 Entlassung von Rudolf Kuntz aus dem KL Sachsenhausen
10.11.1938 Karl-Heinz Kuntz im Novemberpogrom in Gotha verhaftet und mit insgesamt 52 jüdischen Bürgern in das Gothaer Gefängnis gesperrt; von diesen werden am Morgen 27 freigelassen.
10.11.1938 25 Männer werden in das KL Buchenwald deportiert;
10.11.1938 Karl-Heinz Kuntz als „Aktionsjude“ ins KL Buchenwald; Häftlingsnummer 20772

6.12.1938 Überweisung von 5 RM nach Buchenwald durch Johanna Hirsch, Herne, Hermann-Göring-Straße


16.12.1938 Entlassung von Karl-Heinz Kuntz aus dem KL Buchenwald
Novemberpogrom in der Region Frankfurt Oder
Vor November 1938 Bruder Paul Kuntz zur Hachschara ins Landwerk Neuendorf
9./10.11.1938 Lehrgut Landwerk Neuendorf im von den Nazis inszenierten Novemberpogrom von SA-Trupp überfallen; Mitarbeiter wie der Madrich Max Joseph und alle Chaluzim über 20 Jahre verhaftet und in das KL Sachsenhausen in Oranienburg verschleppt; die jüngeren wie Günter Riese, Kurt Gumpel sowie die Frauen und Mädchen (u.a. Eva Oppenheim) bleiben verängstigt zurück; das Lager wird fünf Tage lang von Wachen abgeriegelt.
In Neuendorf werden etwa 40 Bewohnern verhaftet und zusammen mit den Verhafteten aus der Region auf den Rathausplatz in Frankfurt gebracht;
Gerhard Nassau berichtet:
„Der erste Teil unserer Fahrt war nicht sehr lang. Wir hielten am Rathaus der nächsten Stadt (Frankfurt/Oder), um weitere Gefangene aufzunehmen. Wir standen fast eine Stunde vor dem Rathaus. Die Leute versammelten sich um uns, beschimpften uns, lachten und starrten diese seltsamen Ausgestoßenen der deutschen Gesellschaft an.“
Im Bus geht es für die Verhafteten aus Frankfurt/Oder in das KL Sachsenhausen;
Paul Kuntz bekommt bei der Registrierung die Häftlingsnummer 12285; es folgen Kleiderwechsel im Block B und Rasur. Nach einem langem Appell kommt er mit weiteren aus dem Frankfurt-Transport in Block 19 im „Kleinen Lager“ für die jüdischen „Aktionshäftlinge“.
Alex und Erna Moch entkommen nach London; Moch beschafft 150 britische Visa; mit diesen Einwanderungsgenehmigungen erreicht er beim Kommandanten von Sachsenhausen die Freilassung in Sachsenhausen internierten Chaluzim mit der Auflage, Deutschland unmittelbar zu verlassen.

29.12.1938 Entlassung von Paul Kuntz mit den Neuendorfern (Frankfurt/Oder) aus dem KL Sachsenhausen
Moch begleitet die Chaluzim nach England. Zusammen mit Leonore Goldschmidt gründete er das Farm Institute, Tythrop House in Oxfordshire für etwa 200 jüdische Chaluzim, davon etwa 100 aus Neuendorf.
Tythrop House Agricultural Training war nur als Zwischenlösung eingerichtet, da das eigentlich lange geplante Hachschara Projekt, das Farm-Siedlungsprojekt von Alvin Johnson in North Carolina, sich verzögerte. Johnson war Direktor der New School for Social Research, eine Universität, New York City.
29.9.1939 Paul Kuntz bei britischem Census im Tythrop House in Oxfordshire
29.9.1939 Ilse Freund bei britischem Census als Hausmädchen im Haushalt des HM General Consul (retired) William Churchill in Malvern; vermutlich mit „domestic permit“
Emigration nach Chile
7.8.1938 Emigration von Schwester Ernestine Loeb nach Santiago de Chile
31.3.1939 Rudolf und Johanna Kuntz aus Herne nach Chile zur Tochter Ernestine Loeb
Minderheitenzählung
17.5.1939 Tante Recha Kuntz in Herne, Straße der SA 3 bei der Minderheitenzählung
17.5.1939 Siegfried und Jette Kuntz in Herne, Kaiser-Wilhelm-Straße 18 bei der Minderheitenzählung
17.5.1939 Ilse Freund mit der Mutter in Breslau, Viktoriastraße 118/120 bei der Minderheitenzählung
17.5.1939 Karl-Heinz Kuntz und Schwester Renate in Herne, Kaiser-Wilhelm-Straße 20 II bei der Minderheitenzählung
20.7.1939 Renate und Karl-Heinz Kuntz abgemeldet zur Ausreise nach Australien
Deportation Zamosc
27.4.1942 Cousine Edith und Ehemann Adolf Kiefer in Herne von der Gestapo aus der Wohnung Wilhelmstraße 18 abgeholt
28.4.1942 Deportation in die Turnhalle des Sportvereins „Eintracht“ in Dortmund
30.4.1942 Deportation mit 791 Juden vom Sammellager zum Dortmunder Südbahnhof am Heiligen Weg deportiert nach Zamosc
3.5.1942 Ankunft von Cousine Edith und Ehemann Adolf Kiefer in Zamosc
Tod von Cousine Edith und Ehemann Adolf Kiefer nach dem 3.5.1942
Deportation Theresienstadt
14.2.1941 Tod von Onkel Siegfried Kuntz in Herne, Wilhelmstraße 18
29. 7.1942 Tante Henriette Kuntz mit fünf weiteren Bewohnern aus der Bahnhofstraße 57 in Herne nach Dortmund, von dort auf Transport X/1 nach Theresienstadt
23.9.1942 Henriette Kuntz auf Transport B p von Theresienstadt nach Treblinka
Deportation Westerbork -Sobibor
16.1.1940 Tod der Tante Ida Leverpoll-Kuntz in Amsterdam
26.11.1942 Cousine Rosetta Kofler mit Mann Karl ins polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork
Juli 1943 Onkel Meyer Leverpoll mit Tochter Ernestine mit Ehemann Johannes Kofler als „onderduiker“ verhaftet
17.7.1943 Onkel Meyer Leverpoll mit Tochter Ernestine mit Ehemann Johannes Kofler in den Strafbaracken 63 und 62 interniert und auf den nächsten, jeweils dienstags abgehenden Transport nach Sobibor gesetzt.
20.7.1943 Deportation von Onkel Meyer Leverpoll mit beiden Töchtern Ernestine mit Ehemann Johannes Kofler sowie Rosetta Kofler mit Mann Karl von Westerbork nach Sobibor
23.7.1943 Tod von Meyer Leverpoll und beiden Töchtern sowie deren Ehemänner Kofler im KL Sobibor
10.6.-9.7.1948 Schiffsreise von Paul Kuntz von London nach Fremantle in Australien (zu den Geschwistern Renate und Karl-Heinz)
17.6.2002 Tod von Paul Kuntz in Leicester, England
Gedenken
Pages of Testimony für Henny Kuntz und ihre Tochter Edith von Ernestine Kuntz Loeb in Santiago de Chile
Quellen
Veränderungsmeldungen des KL Sachsenhausen 1.7-31.12.1938; Arolsen Archives
Inhaftierungsdokumente des KL Sachsenhausen 30.11.1938 -18.1.1939; Arolsen Archives
Gerardo Nassau, An Excursion into the Country of Numbers, 14.11.1938 – 13.12.1938;
Córdoba, Argentina, September 1941
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Kuntz%201876%22%7D
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Ida%20Kuntz%22%7D
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de906642
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de897867
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4092144
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278090
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278090
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130331528
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4092179
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/6411582
Ralf Piorr / Peter Witte (Hg.) Ohne Rückkehr. Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamość im April 1942; Klartext, Essen 2012
England & Wales Todesfälle, GRO Verzeichnisse, 1969 – 2007
Harald Lordick, Das Landwerk Neuendorf: Berufsumschichtung – Hachschara – Zwangsarbeit; in Pilarczyk, Ulrike (Hrsg) Hachschara und Jugendalija, Schulmuseum Steinhorst, 2019
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
1939 Register von England und Wales
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten;
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
Harald Lordick, Landwerk Neuendorf in Brandenburg, in: Kalonymos, 2017, Heft 2