Moritz Moses Reiner
*27.10.1920 in Stanislau;✡ Riga
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Jonas Reiner *10.10.1888 in Bohoradczany;✡ Riga
Mutter Clara Wiesner*18.7.1893 in Solotwina;✡ Riga
Onkel ? Israel Reiner *22.3.1905 in Galizien
Geschwister
Sara Reiner *17.6.1914 in Bohoradczany; Riga; oo Jakob Kaufmann (*31.12.1908 in Kalusz)
Felix Eduard Reiner *15.7.1924 in Gelsenkirchen; Stutthof
Beruf
Adressen Stanislau; Gelsenkirchen, Bulmker Straße 20; Laer, Altenburg 27 a;
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Aufbaulager Dumte, Steinfurt Laer und Altenberge
Wegen wiederholter Überflutung landwirtschaftlicher Flächen durch die Aa im Kreis Steinfurt wurden vom „Wasser- und Bodenverband Steinfurter Aa“ Maßnahmen zur Regulierung und Begradigung der Aa im Kreis Steinfurt beschlossen, für die das Landesarbeitsamt Dortmund Arbeitslose aus Westfalen zuteilen sollte.
Das erste Lager wurde 1936 in einer ehemaligen Ziegelei in Dumte bei Borghorst erbaut. Es war durch Drahtzaun, Busch- und Baumbestand vor neugierigen Blicken geschützt. Bewacht wurde es vom zivilen Lagerführer Otto Rautenberg. Die einzige Ausstattung bestand nach einem Bericht eines Überlebenden aus Strohsäcken.
1938 wurden auf der Grundlage des „Geschlossenen Arbeitseinsatzes“ für arbeitslose Juden, die zuvor zumeist als Kaufmann ihrer Existenzgrundlage beraubt worden waren, reichsweit entsprechende Zwangsarbeiterlager möglich.
In der Arbeits-Bestandsliste von 1939 werden 36 Juden genannt.
Minderheitenvolkszählung
17.5.1939 im Aufbaulager Laer Steinfurt wurden Moritz und Jonas Reiner mit 46 Zwangsarbeiter erfasst (18 aus Frankfurt)
17.5.1939 Moritz Reiner mit Vater Jonas, der Mutter Clara und Bruder Felix und Schwester Sar Kaufmann auch gemeldet in Gelsenkirhen, Bulmker Straße 20
17.5.1939 im Aufbaulager Dumte bei Borghorst wurden Moritz und Jonas Reiner mit 62 Zwangsarbeiter erfasst, überwiegend aus Westfalen, 16 aus Frankfurt

15.7.1940 In der erhaltenen Hausstandsliste von Laer, Altenburg 27 a finden sich die Namen von Moritz und Jonas Reiner unter 35 jüdischen Zwangsarbeitern.
Am 16.10.1940 erfolgte dann die Weiterverlegung der Gruppe in das Lager Altenberge, Kümper 35 auf den Hof Geuker.
Gelsenkirchen- Riga
23.1.1942 Transport mit Lastwagen in das Sammellager Gelsenkirchen, Wildenbruchhalle
Die Chronik der Stadt Gelsenkirchen verzeichnet für den 27. Januar 1942:
„In den städtischen Ausstellungshallen ist ein Judensammeltransport zusammengestellt worden. Es handelt sich um 506 Juden aus dem Präsidialbezirk Recklinghausen, die heute nach den Ostgebieten evakuiert werden. Unter ihnen befinden sich 350 Personen aus Gelsenkirchen. Vorerst verbleiben in unserer Stadt noch 132 meist alte und kränkliche Juden“.
27.1.1942 Transport ab Gelsenkirchen über Dortmund nach Riga-Skirotawa
1.2.1942 Ankunft Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga
2.4.1942 500 Männer aus dem Ghetto in das Aufbaulager Salaspils
Tod von Moritz Reiner vermutlich im Aufbaulager Salaspils

21.6.1943 Befehl des Reichsführers SS Heinrich Himmler, alle jüdischen Ghettos im Reichskommissariat Ostland, Estland, Lettland, Litauen und Teile Weißrusslands, aufzulösen und die Juden zu Arbeitseinsätzen heranzuziehen.
Juli bis 2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos; Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung; Kommandant des KL Kaiserwald Sturmbannführer Albert Sauer

2./3.November 1943 Auflösung des Ghetto Riga; Deportation von 2000 Kindern, teils mit ihren Eltern, Alten und Kranken mit der Bahn nach Auschwitz, so auch Schwester Sara mit Mann Jakob und Tochter Gittel; nur 2 haben Auschwitz überlebt
Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga
Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof, darunter noch 14 Juden aus Moers
6.8.-9.8.1944 1. Großer Transport mit der „Bremerhaven“ von Riga nach Danzig
28.9.-1.10.1944 3155 Häftlinge aus Riga Kaiserwald, 300 von der Lenta auf dem Frachtschiff „Kanonier“ von Riga->Danzig
KL Stutthof
14.10.1944 Ankunft von Felix Reiner in Stutthof

22.11.1944 Tod des Bruders Felix in Stutthof, vermutlich an der grassierenden Fleckfieber Endemie
Gedenken –
Quellen
Kartei der im Aufbaulager Laer gemeldeten Zwangsarbeiter,Hausstandsliste Altenburg 27 a; Gemeindearchiv Laer C 471
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1006967
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1006924
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de948419
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de948422
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de896953
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4610313
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420127-Gelsenkirchen12.jpg
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Dietlind Kautzky, Thomas Käpernick Hrsg., Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden VSA 2020
Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011
Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008
Gertrude Schneider, Exile and Destruction, The Fate of the Austrian Jews 1938-1945; Praeger 1995
Hilde Sherman: Zwischen Tag und Dunkel. Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt/M.-Berlin-Wien, 1984
Anita Kugler, Scherwitz – Der Jüdische SS-Offizier, 2017
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://collections.arolsen-archives.org/de
Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume