Wolf Benno

Benno Wolf

*1.10.1919 in Berlin; ✡

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater Josef Wolf *1887 Polen; ✡1.3.1930 in Berlin

Heirat der Eltern 1910

Mutter Anna Metzger *24.12.1892 in Tarnow; ✡ 2.1.1980 in Berlin

Geschwister

Moses Wolf *1912 in Berlin; ✡ 16.8.1913 in Berlin

Edith Wolf *30.6.1914 in Berlin; ✡ Mai 1943 in Auschwitz

Ruth Wolf *3.9.1924 in Berlin; ✡ Mai 1943 in Auschwitz

Bruder Wolf; Jewish Brigade; Überlebender

Beruf

Adressen Berlin Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 98/99; Havelberg;

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Ostern 1927 Einschulung Volksschule in Berli

1931 Gymnasium für fünf Jahre

Waldgehöft Havelberg

1937/1938 Benno Wolf zur landwirtschaftlichen Hachschara ins Waldgehöft, auch Jagdgehöft Barella, Damlacker Weg, nördlich von Havelberg (1934-1941), Träger bis zum Pogrom November 1938 war der Hechaluz, dann die RVJD. Die frühere Jagdpacht gehörte dem jüdischen Rechtsanwalt Siegfried Freund, er war zunächst auch der Leiter. Es umfasste acht Hektar Land, eine kleine Villa, zwei Wohnhäuser, eine Werkstatt, einen Stall, Gewächshäuser und Schuppen. Bis zu 50 Chaluzim waren hier untergebracht

Im Novemberpogrom 1938 wird das Gehöft verwüstet. Die jungen Männer über 17 Jahre werden ins örtliche Polizeigefängnis gebracht.

Verhaftet wurden der Leiter Richard Horn und Madrich Werner Weitzfelder sowie die Chalutzim Heinz Budwig, Herbert Gotthilf, Gross Walter, Lutz Rosenberg, Norbert Klein, Arno Lewy, Leo Lippmann, Janus Nadler, Heinrich Stern, Günter Timendorfer, Heinrich TimendorferLudwig Weiss.

Minderheitenzählung

17.5.1939 Benno Wolf mit der Mutter Anna und Schwester Ruth in Berlin Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 98/99,

Zweite Polenaktion

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

7.9.1939 Anweisung des RSHA, alle polnischstämmigen Juden und Funktionäre polnischer Verbände als „feindliche Ausländer“ zu verhaften

13.9.1939 Benno Wolf verhaftet in Berlin

Einweisung in das KL Sachsenhausen

17.10.1942 Überstellung von 405 polnischen Häftlingen aus Buchenwald in das KL Ausschwitz zum Aufbau des Buna-Werks in Auschwitz Monowitz; auf diesem Transport befinden sich auch Adi Lindenbaum, Jakob Zylbersztajn und Heinrich Tydor

25.10.1942 Überstellung von 454 polnisch-jüdischen Häftlingen aus Sachsenhausen in das KL Ausschwitz zum Aufbau des Buna-Werks in Auschwitz Monowitz

KL Warschau

1943 nach der Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto wurde hier ein Konzentrationslager im ehemaligen Militärgefängnis Gesiowka an der Ulica Gesia eingerichtet. Es diente zur Bergung der Baurohstoffe aus dem zerstörten Ghetto

23.7.1943 Ankunft 270 nichtjüdischer Häftlinge aus Buchenwald.

Juli bis Ende November 3700 Juden aus dem KL Auschwitz in das KL Warschau

24.4.1944 KL Warschau wird Außenlager des KL Majdanek

Mai/Juni 1944 2500 ungarische Juden aus Auschwitz in das KL Warschau

28.7.1944 Auflösung des KL Warschau; 200 nicht marschfähige Häftlinge werden erschossen. 380 Zwangsarbeiter verbleiben zum Aufräumen im Lager; 4.000 Häftlinge auf dem Todesmarsch nach Kutno ; ab Kutno in Güterwaggons in das KL Dachau

6.8.1944 Benno Wolf mit Willi Vogelhut und anderen von Kutno in das KL Dachau

Mühldorf

13.8.1944 Verlegung in das Außenlager Mühldorf; hier wurden die Häftlinge beim Bau eines Rüstungsbunker für die geplante Produktion des Düsenjägers Messerschmitt Me 262 eingesetzt.

Benno Wolf:

„1500 arbeitsfähige Häftlinge wurden ausgesucht und sollten nach Mühldorf in Oberbayern, etwa 70 Kilometer von Dachau entfernt transportiert werden. Unter diesen 1500 war auch ich. Wir wurden in normalen Personenwagen ganz bequem nach dort gebracht. Keiner hatte eine Vorstellung, was uns dort erwartete. Die Meinungen waren wie immer bei solchen Dingen sehr geteilt. Wir verließen de Waggons und mussten ungefähr eine halbe Stunde marschieren. Auf einer großen Wiese, die einerseits von einer Chaussee und andererseits von einem Wald umsäumt wurde, machten wir halt. Inmitten der Wiese waren einige große Militärzelte aufgestellt, um die wir einige Männer und auch Frauen in Häftlingskleidung hantieren sahen. Ich war mir noch nicht im Klaren, ob das schon das Lager war. Aber ich wurde auch darüber schnell aufgeklärt: Diese Zelte waren eine transportable Desinfektionsanlage, wie sie auch für das deutsche Militär verwendet wurde. Wir wurden aufgestellt und genauestens abgezählt.“

Das Waldlager V/VI

Benno Wolf:

„Nach etwa drei Kilometer Fußmarsch kamen wir an das Ziel, das inmitten eines ziemlich großen Waldes lag. Die SS hatte sich beim Anlegen dieses neuen Lagers nicht allzu viel Arbeit gemacht. Ein Viereck etwa 1 Kilometer im Quadrat war abgezäunt durch einen Doppelzaun, der uns sattsam bekannt war und der allgemein elektrisch geladen war. Innerhalb dieses Vierecks war der Wald nicht etwa abgeholzt, sondern lag beinahe unberührt da. Bis auf die aufgestellten sogenannten Finnenzelte, die im Abstand von etwa 10 bis 15 Meter scheinbar wahllos – jede schematische Anordnung außerachtlassend – dastanden.“

Benno Wolf überlebt als Lagerschreiber:

„Es wurde ausgerufen, dass ein Häftling für die Schreibstube gebraucht würde und der in Deutsch in Wort und Schrift perfekt ist und Druckschrift schreiben kann und Maschinenschreiben. Da hab ich mich gemeldet.“

2.5.1945 Der Lagerkommandant verhindert die geplante Vernichtung des Lagers und der Häftlinge

2.5.1945 Befreiung von Benno Wolf im Waldlager Mühldorf durch Truppen der US Army; zwei Panzer mit jüdischen US-Soldaten erreichen als erste das Lager

Das Waldlager nach der Befreiung Mai 1945

Nachkriegszeit

Benno Wolf schlägt sich nach München durch und erreicht am 29. 5.1945 Paris

10. 6. 1945 in Paris Wiedersehen mit seinem Bruder, Soldat der Jewish Brigade in britischer Uniform

Erster Kontakt mit der Mutter, die in Berlin im Versteck überlebt hatte

19.8.1947 Einreise von Benno Wolf in Palästina auf der SS KYRENIA

Gedenken

Quellen

https://www.kz-gedenk-mdf.de/benno-wolf

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10371407

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10783484

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://collections.yadvashem.org/en/photos/collection/13069463

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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