Gelbart Bernhard

Bernhard „Gelle“ Gelbart

*16.3.1918 in Altona, Hamburg; ✡20.12.2000 Israel

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater Jakob Jankel *31.3.1894 in Kalisz; ✡16.2.1940 in Sachsenhausen

Mutter Frieda Freidla Feigen *7.4.1892 in Zloczow; ✡ nach Mai 1942 im Ghetto Warschau

Geschwister

Josef Gelbart *28.2.1914 in Hamburg; ✡nach Mai 1942 im Ghetto Warschau

Beruf

Adressen Hamburg, Eimsbütteler Chaussee 98; Berlin; Hannover; Mannheim

Heirat 30.12.1940 in Kaunas mit Rachel Goldberg *1919 in Kowel

Kinder

Weiterer Lebensweg

1920 Bruder Josef in die Talmud-Tora-Schule, dann Realschule

1924 Bernhard Gelbart ebenfalls in die Talmud-Tora-Schule

1926 Trennung der Eltern Vater Jakob nach Berlin

Versuche der Mutter Frieda, eine Scheidung zu erreichen, scheitern zunächst.

Beide Brüder aktiv im Jüdischen Jugendbund

Bernhard nach Beendigung der Talmud-Thora-Schule Jugendredakteur beim Israelitischen Familienblatt

1936 Umzug der Redaktion nach Berlin

1936 Bernhard Gelbart zum Beith Chaluz nach Mannheim

Erste Polenaktion

28.10.1938 Ausweisung von Frieda und Josef Gelbart aus Hamburg nach Zbaszyn

In Zbaszyn trifft Bernhard seine Mutter Frieda und Josef Gelbart

Bernhard war noch vor der „Polenaktion“ im Oktober von Mannheim nach Warschau gereist war, um die Alija von Chaluzim in Warschau nach Palästina zu unterstützen. Er kam nach Zbaszyn und setzte die Arbeit mit dort gestrandeten Jugendlichen fort, die auf die Alijah nach Palästina vorbereitet wurden.

Susi Schmerler aus Bochum schreibt in einem Bericht von 1939 über die in Zbaszyn gestrandeten Chaluzim:

„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

Sommer 1939 Bernhard Gelbart in einem Rundbrief über die Polenaktion

„Tausende von Menschen waren im Bahnhof Zbąszyń auf der polnischen Seite der deutschpolnischen Grenze zusammengepfercht. Körper an Körper, Kopf an Kopf, dicht gedrängt wie eine Herde Vieh, die Zuflucht vor einem herannahenden Sturm sucht. Nur einen Tag vorher waren sie als Hausfrauen, Familienoberhäupter und Schulkinder in aller Ruhe noch ihren alltäglichen Beschäftigungen nachgegangen. Dann plötzlich wurden sie mit Zügen zur Grenze gebracht und bei Nacht von aufgepflanzten Bajonetten durch das Niemandsland getrieben. Die Schwachen stolperten, die Kranken fielen. Arme umklammerten verzweifelt einige wenige Habseligkeiten. Bald nachdem sie die Bahnhofshalle erreicht hatten, ließen sich die Verzweiflung der Eltern, der Hunger der Kinder und das Leid der Kranken nicht länger unterdrücken. Bald schon konnten auch die polnischen Grenzposten das Schluchzen und Schreien nicht mehr unter Kontrolle halten, das gegen die dunklen Mauern der Bahnhofshalle anstürmte.“

Zweite Polenaktion

Im Laufe des Jahres 1939 war es weiterhin zu zahlreichen Ausweisungen polnischer Juden gekommen:

1.9.1939 Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen

Anfang September auf Befehl des Chefs der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich reichsweit systematisch die Rückkehrer und bisher nicht erfassten polnischen Juden sowie auch die Funktionäre polnischer Verbände verhaftet und in den Konzentrationslagern Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen interniert

7.9.1939 Anweisung des RSHA. Alle polnischstämmigen Juden und Funktionäre polnischer Verbände als feindliche Ausländer zu verhaften.

7.9.1939 FS-Erlass des Chefs der Sicherheitspolizei (SD) Himmler

7-9.9.1939 Anordnung per Funkspruch Juden mit polnischen Wurzeln als feindliche Ausländer zu verhaften

16.9.1939 Einweisung des Vaters in das KL Sachsenhausen

16.2.1940 Tod des Vaters im KL Sachsenhausen „Darmkatarrh

Wilna „Ha -Rikuz ha -Chalutsi“

28.12.1939 Passausstellung in Kaunas

30.12.1940 Heirat in Kaunas mit Rachel Goldberg

Bernhard Gelbard führt eine Gruppe der Chaluzim, die in Zbaszyn festsitzen in den Kibbuz in nach Kaunas, dann Wilna.

März 1940 „Ha -Rikuz ha -Chalutsi“ – Chaluzim, die von Polen nach Wilna flohen, Madrichim Rachel Goldberg und Dan Gelbart links

28.3.1941 Bernhard Gelbard mit seiner Gruppe nach Palästina

6.6.1943 Heirat nach jüdischem Ritus in Givat

11.6.1943 Einbürgerung von Rahel und Bernhard Gelbart in Palästina

Nachkriegszeit

Dan Gelbard gestaltet 9 Ausstellungen im Ghetto Fighters House Museum

Gedenken

28.4.1999 Pages of Testimony die Mutter Frieda und Bruder Josef von Dan Bernhard Gelbart

Stolpersteine für Jakob, Frieda, Josef und Bernhard Gelbart in Hamburg, Eimsbütteler Chaussee 98

1996 veröffentlichte Konrad Plieninger Josef Gelbarts Briefe an seinen väterlichen Freund Hans Stockmar auszugsweise für das jüdische Museum Göppingen in einer Broschüre unter dem Titel „Ach, es ist alles ohne Ufer“

Quellen

https://schluesseldokumente.net/quelle/jgo:source-115

Bernhard Gelbart „Die Jungen vom Gusch“, Kedem Verlag Berlin, 1936

https://infocenters.co.il/gfh/list.asp

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

Knut Bergbauer, Unterwegs. Jüdische Jugendbewegung aus Deutschland in Europa; in: Jüdische Jugend im Übergang, 2024

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://schluesseldokumente.net/quelle/jgo:source-115

Bernhard Gelbart „Die Jungen vom Gusch“, Kedem Verlag Berlin, 1936

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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