Benjamin Wilhelm

Wilhelm „Willi“ Ephraim Benjamin

*2.7.1917 in Königsberg; ✡ 23.1.1944 Auschwitz Birkenau

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Bernhard Benjamin *27.4.1876 in Friedrichsdorf; ✡ nach Minsk 1942

Mutter Hedwig Jaffe *29.11.1881 in Schrimm; ✡ nach Minsk 1942

Geschwister

Susi Benjamin *30.5.1914 in Königsberg; ✡ 1943 Auschwitz; oo Adolf Schlumper (1909-1943)

Betty Belia Benjamin *10.10.1915 in Königsberg; ✡ 7.11.2003 Jerusalem; oo Scherhei

Ruth Benjamin *14.5.1918 in Königsberg; ✡ 27.5.2004 in Jerusalem; oo Wolfgang Baruch (1916-2007)

Ismar Manfred Benjamin *12.9.1919 in Königsberg; ✡ 1979 in Berlin

Julius Abraham Jehuda „Osch“ Benjamin *24.3.1921 in Königsberg; ✡ 1984 in Holon

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Königsberg, Hoffmannstraße 16; Franeker,

Heirat  ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

7.6.-10.7.1933 Manfred Benjamin verhaftet in Berlin, interniert im KL Sachsenhausen

17.5.1939 beide Eltern in Königsberg, Hoffmannstraße 16 bei der Minderheitenzählung

17.5.1939 Manfred Benjamin in Berlin Linienstraße 7 bei der Minderheitenzählung

Der Kibbuz in Ricavo di Castellina in Chianti

1933 Eröffnung von Hachschara Höfen durch Professor Racca in der Nähe von Florenz

1933 als Lager des Bachad bei Siena gegründet.

Emigration nach Italien mit einer Gruppe des BACHAD zur Hachschara in den Kibbuz in Ricavo di Castellina in Chianti;

September 1936 Alija u.a. von Abraham Wechsler von Triest auf der SS GALILEA nach Palästina

7.9.1938 Verabschiedung des Italienischen Rassengesetzes liefert die Rechtsgrundlage zur Aberkennung der Staatsbürgerschaft der ab 1919 in Italien eingebürgerten Juden und zur Ausweisung aller nicht-italienischen Juden.

Daraufhin werden die deutschen Chaluzim aus Ricavo in die Niederlande und die anderen 1939 nach Halmstad in Schweden geholt.

Niederlande

Herbst 1938 die Hachschara-Organisation des Misrachi/BACHAD beschließt, 19 der Ricavo-Chaluzim in ihre Hachschara-Kibbuz Franeker und Beverwijk in den Niederlanden aufzunehmen.

Nach Franeker gehen Wilhelm Benjamin, Benno Freimann und Ruth Braun.

Nach Beverwijk gehen u.a. Ruth Donath, Hannah Rubinstein,

In Beverwijk fühlen sich einige der aus Ricavo Geflüchteten wegen der strengen Regeln nicht wohl und verlassen den Kibbuz bald wieder.

Kibbuz Franeker

Der 1935 vom Arzt Dr. Jacob und seiner Frau Lina Bramson aus Franeker gegründete Kibbuz der religiösen Zionisten des Misrachi „Dath we Eretz“ bestand bis zu seiner Auflösung durch eine Razzia am 3. November 1941.

Träger Misrachi/ Dath Waäretz; Bachad, 1928 gegründete Jugendorganisation des orthodox-jüdischen Misrachi; das hebräische Akronym בָּחָ״ד BaChaD steht für Brit Chaluzim Datiim, deutsch ‚Bund religiöser Pioniere‘. Die Hachschara Organisation hieß „Dath we Eretz“

Das alte Bahnhofsgebäude des Kibbuz Franeker am Harlinger Weg 45 konnte etwa 25 Bewohner aufnehmen, anfangs waren es 10, zuletzt bis zu 30 Chalutzim.

Jacob Bramson kümmerte sich persönlich um die sorgfältige Auswahl die Bauernhof-Stellen.

Die geistliche Betreuung übernahm Oberrabbi Lewinson aus Leeuwarden

1.2.1939 Willi Benjamin von Tienhoven/Utrecht, Middenweg 29 in Franeker angemeldet

Da er im Kibbuz und beim Bauern „Schwierigkeiten“ verursacht, beschließt DathwaEretz in zur Einzelhachschara nach Utrecht zu schicken

Nov. 1939 Willi Benjamin aus Franeker abgemeldet; zurück nach Tienhoven, Middenweg 29; auch dort kanner sich nicht einfügen und bleibt ab dem 15.Juli 1940 ohne Arbeitsplatz.

Joodse Werkdorp Wieringermeer

23.5.1939 Bruder Julius Benjamin von Königsberg ins Werkdorp

Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 Bruder Julius mit 76 Werkdorpern aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

14.7.1939 Manfred Benjamin von Berlin ins Werkdorp

Verhaftung

15.10.1940 Politierapporten Amsterdam: Willi Benjamin in Amsterdam verhaftet und auf Weisung des V.D. (Riijks Vremdelingen Dienst) auf der Polizeiwache inhaftiert. Als Adresse gibt er jeweils Tienhoven, Middenweg 29, wo das Flüchtlingsehepaar Artur Lindheimer und Ilse Stern wohnen.

31.10.1940 Politierapporten Amsterdam: erneut in Amsterdam aufgegriffen und auf Weisung des V.D. (VremdelingenDienst) auf der Polizeiwache inhaftiert mit der Ankündigung, dass er am Folgetage dem 1.11.1940 nach Westerbork eingewiesen werden soll.

31.10.1940 Liste der auf der Wache Inhaftierten

13.8.1941 Bruder Manfred abgemeldet aus dem Werkdorp nach Schermerhorn

Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13

22.10.1942 Bruder Manfred Benjamin ins Jugendheim des Joodse Raad, Plantage Franschelaan 13, Amsterdam

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolaas Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten. Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper.

Werkkampen -jüdische Arbeitslager

Im September 1940 wurden im Zuge der Arbeitsbereitstellung durch das Reichsamt für Arbeitserweiterung „Werkkampen“ errichtet.

Ab September 1942 dienten diese Lager als jüdisches Arbeitslager und Puffer für das Lager Westerbork.

Oktober 1942 Auflösung aller jüdischer Arbeitslager

Kamp Westerbork

1.11.1940 Wilhelm Benjamin als erster Chaluzim eingewiesen in das Vluchtelingenkamp Westerbork

Vermutlich zwischenzeitlich noch zur Arbeit in ein Werkkamp eingewiesen

7.11.1942 Erneut eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork, Baracke 57

14.9.1943 nach Auschwitz

18.12.1943 verlegt aus Buna Monowitz nach Auschwitz Birkenau

23.1.1944 Tod in Auschwitz Birkenau

Die erste Deportation aus Ostpreußen

24.-26.6.1942 Beide Eltern auf dem ersten Transport von 628 Juden aus Ostpreußen ins Ghetto Minsk

Flucht über die Pyrenäen

Bruder Manfred gelingt 1944 die Flucht über die Pyrenäen, über Lerida, Barcelona, Madrid nach Cadiz.

Alija auf der SS GUINEE

Oktober 1944 erhielten die Palästina-Pioniere in Spanien von der britischen Mandatsregierung erteilte Einwanderungszertifikate für Palästina.  55  Hechaluz-Mitglieder gingen am  27.  Oktober  1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.

Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina

27.10.-4.11.1944 Manfred Benjamin mit Arbeiter-Zertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS von Cadiz nach Haifa; Internierung im britischen Camp Athlit

14.11.1944 Entlassung der Chaluzim aus dem britischen Camp Athlit

11.12.1946 Einbürgerung von Manfred Benjamin in Palästina

Gedenken

13.5.1984 Pages of Testimony für Willi und die Eltern von Schwester Belia Benjamin-Sherhey

2022 Joods monument Kibboets Franeker Harlingerweg mit 24 Opfernamen

Quellen

Kelly Bauer, Syds Wiersma, Kibboets op de Klei, 2020

Auke Zeldenrust, Kibboets op de Klei, Boom, 2020

Morris Schnitzer, My three selves, a memoir, Lugus, Toronto, 2002

https://danielabraham.net/tree/related/dora

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1042395

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de839548

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de839566

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130257424

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT42_K%C3%B6nigsbergAllenstein5.jpg

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Benjamin%201917%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Benjamin%201919%22%7D

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de/research

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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