Gumpert Franz

Franz Gumpert

*25.3.1920 in Gnesen; ✡11.8.1941 in Mauthausen

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Paul Friedrich Gumpert *22.8.1888 in Lekno, Posen; ✡29.8.1953 in Nahariah

Heirat der Eltern April 1919 in Gnesen

Mutter Frida Shulamit Neufeld *27.8.1897 in Gnesen; ✡ 8.12.1933 Frankfurt/Oder

Stiefmutter Betty Heilbronner *11.9.1893 in Ihringen; ✡12.7.1963 in Haifa

Geschwister

Schwester Eva; Fotos Hesterberg/Ortelli

Eva Lotte Gumpert *6.2.1924 in Gnesen; ✡ 17.1.2011 in Herzlia; oo Alfred Zwiebel (1912-1998)

Beruf Tischlerlehrling/Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Gnesen; Frankfurt/Oder, Bahnhofstraße 4; Berlin; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

Der Vater war Zahnarzt, Dr. med. dent. in Frankfurt/Oder

Ostern 1926 Einschulung; Fotos Hesterberg/Ortelli

Ostern 1926 Einschulung

8.12.1933 Tod der Mutter in Frankfurt/Oder; die Krankenschwester Elisabeth Hesterberg hatte sie ab 1929 gepflegt, zugleich den Haushalt geführt und sich um die Kinder gekümmert. Auf Bitten Dr. Gumperts führte sie den Haushalt und die Betreuung der Kinder bis zum 31.12. 1935 fort.

Franz Gumpert und Elisabeth Hesterberg in Frankfurt an der Oder 1935

Umzug nach Berlin

1938 war Franz Gumpert Tischlerlehrling in Frankfurt/Oder

Novemberpogrom

10.11.1938 Verhaftung des Vaters in Berlin

13.12.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Sachsenhausen

17.5.1939 Franz Gumpert mit Vater Paul und Stiefmutter Betti Gumpert in Berlin-Schöneberg, Innsbrucker Straße 54 bei der Minderheitenzählung

22.2.1940 Ankunft von Schwester Eva in Haifa auf der SS PROVIDENCE

26.8.1941 Vater Paul mit Frau Betti Gumpert mit einem der letzten Emigrantenzüge ab Bremen, Berlin, Frankfurt, Paris, Irun, über Barcelona nach Portugal; angegebene Ziele „Cuba“, „Ecuador“

Kindertransport in die Niederlande

23.5.1939 die Geschwister Eva und Franz werden von Elisabeth Hesterberg zum Bahnhof in Berlin gebracht

2.6.1939 Franz Gumpert zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; Franz Gumpert kommt in die Gastfamilie De Groot in der Muiderstraat in Amsterdam.

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Der Werkdorper Bernard Natt,, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:

„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

11.8.1941 Tod von Franz Gumpert in Mauthausen; Diagnose „allgemeine Sepsis“

Gedenken

Stolpersteine für Paul, Franz und Eva Gumpert in Frankfurt/Oder, Bahnhofstraße 4

Quellen

Mitteilungen und Fotos von Stefan Ortelli im Juli und August 2026

https://collections.arolsen-archives.org/en/document/12656493

https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130299454

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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2 Kommentare

  1. Kommentar zu Franz Gumpert:
    Der Begriff „Flucht“ (zwischen den Jahreszahlen 1938 in Deutschland und 1939 in Holland) ist so nicht ganz richtig. Franz wurde im Mai 1939 mit seiner Schwester Eva in einem von der holländischen Königin Wilhelmine organisierten „Kindertransport“ von Berlin nach Holland evakuiert. Meine Mutter – Elisabeth Hesterberg – verabschiedete sie am Bahnhof in Berlin. Sie hatte von 1929 in Frankfurt/Oder, Bahnhofstr. 4 (siehe Stolpersteine) bei Familie Gumpert zunächst als Krankenschwester die erste Frau Dr. Gumperts bis zu ihrem Tod 1933 gepflegt und dort zugleich den Haushalt geführt und sich um die Kinder gekümmert. Auf Bitten Dr. Gumperts führte sie den Haushalt und die Erziehung der Kinder bis zum 31.12. 1936 fort. Die handschriftlichen Dienstzeugnisse Dr. Gumperts für meine Mutter befinden sich in meinem Besitz. Meine Mutter hat Eva und Franz, die sehr an ihr hingen, immer als ihre „ersten Kinder“ betrachtet, so dass ich sie bis heute als meine „großen Geschwister“ ansehe. Eva Gumpert, verheiratete Zwiebel, hat nach dem Krieg von Israel aus den Kontakt zu meiner Mutter wieder hergestellt und es kam zu mehreren Treffen in Deutschland, die sich nach dem Tod meiner Mutter mit mir fortsetzten. Das letzte Mal habe ich mich zusammen mit meiner Familie 2001 in Bad Krotzingen mit Eva getroffen und ihr eine Reihe von Fotos aus dem Nachlass meiner Mutter übergeben, auf denen auch Franz als Kind und und Jugendlicher zu sehen war.

    1. Vielen Dank für Ihren Beitrag und die zahlreichen Hinweise zur Bedeutung ihrer Mutter Elisabeth für die Geschwister Gumpert.
      Ich habe diese in die Biografie eingebracht.

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