Martin Glass
*31.5.1925 in Berlin; ✡ 2020 Israel
Staatsangehörigkeit polnisch
Religion jüdisch
Vater Mendel Emil Glass *6.2.1886 in Brodla, Krakau
Mutter Eidel Ritter *6.10.1888 Biala, Auschwitz; ✡ 2.2.1966
Großeltern Abraham Glass und Anna Borgenicht
Großeltern Markus Ritter und Amalie Reiter
Geschwister
Salo Glass *3.6.1912 in Berlin; ✡24.9.1990; oo Adina Hochman
Schlomo Glass/Gavish *3.6.1917 in Berlin; ✡24.2.2001;
Gisela Glass *19.10.1918 in Berlin; 3.8.2010 in Irvine; oo Rosenblum; oo Bobb

Mathilde Glass *8.6.1922 in Berlin ;
Beruf Volontär
Adressen Berlin Mitte, Prenzlauer Straße 4; Dänemark; Schweden; Israel
Heirat Regina Malka Stark *29.3.1925 in Leipzig; ✡ in Israel 28.5.2013
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Hof Wecker in Rüdnitz
Mathilde Glass zu einem unbekannten Zeitpunkt zur Hachschara auf dem Hof Wecker
Hachschara in Urfeld
28.8.1935 Mathilde Glass von Berlin zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling;
Minderheitenzählung
17.5.1939 Martin Glass mit den Eltern und Geschwistern Gisela und Mathilde Glass in Berlin Mitte, Prenzlauer Straße 4
Die zweite Polenaktion
1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen
7.9.1939 reichsweite Verhaftung jüdischer Männer mit polnischen Wurzeln als „feindliche Ausländer“
27.12.1939 Vater Mendel überstellt in das KL Sachsenhausen
21.3.1940 Mathilde Glass nach 4 ½ Jahren in Urfeld-abgemeldet aus Urfeld nach Gut Skaby
22.11.-2.12.1939 Schwester Gisela auf der SS Rotterdam von Rotterdam nach New York
1.11.1940 Einreise der Mutter Eidel in Palästina
27.-29.10.1941 Mathilde Glass deportiert auf Transport III aus Berlin ins Ghetto Lodz; wohnt 11 Flat 7, Reiter Strasse, Lodz
12.11.1941 Mathilde Glass Posen-Antonin, Zwangsarbeitslager; allein in Posen gab es 12 Zwangsarbeiterlager für Juden; ab diesem Datum verliert sich die Spur von Mathilde Glass
Dänemark
1939 Emigration von 500 garantierten Jugendlichen nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen
1939 Martin Glass nach Dänemark
9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943

5.11.1940 Martin Glass in Vinding, Svendborg bei Familie Olsen beim dänischen Census
Ausnahmezustand in Dänemark 1943
29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen
17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark
September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark
„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.
28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.
Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.
Drei Transporte
5.10.1943 Martin Glass und Regina Stark auf Transport XXV/1 und 20 weiteren Chaluzim der Jugendalija in Dänemark, insgesamt 83 in Dänemark Inhaftierten nach Theresienstadt
Die auf dem dänischen Festland verhafteten Juden werden in das „Polizeigefangenenlager Fröslee“ in Frøslev an der deutschdänischen Grenze verbracht; hier waren ab 13.8.1944 bis Mai 1945 etwa 12.000 Dänen im inhaftiert.
Vom Frøslev-Lager gehen zwei Juden-Transporte mit der Bahn nach Theresienstadt.
5.10.1943 Martin Glass und Regina Stark auf dem Transport XXV/1 von Dänemark nach Theresienstadt
6.10.1943 aus dem Lager Frøslev 198 Juden auf Transport XXV/2 nach Theresienstadt
9.10.1943 Ankunft des zweiten Transportes XXV/2 in Theresienstadt

2.-5.10.1943 Transport XXV/1 von 21 Chaluzim der Jugendalija in Dänemark, insgesamt 83 in Dänemark Inhaftierten nach Theresienstadt
Transport XXV/3 nach Theresienstadt
Inhaftierung der auf Seeland Verhafteten in Horserødlejren, einem Internierungscamp bei Helsingør
13.-14.10.1943 die dritte dänische Gruppe mit 175 Gefangenen auf dem Transport XXV/3 nach Theresienstadt
13.10.1943 morgens 4 Uhr mit dem Zug von Helsingør nach Gedser
13.10.1943 um 9:20 Uhr auf der Fähre „Schwerin“ von Gedser nach Warnemünde bei Rostock
13.-14.10.1943 Transport in Güterwaggons von Warnemünde nach Theresienstadt.
Inhaftierung der auf Seeland Verhafteten in Horserødlejren, einem Internierungscamp bei Helsingør
13.-14.10.1943 die dritte dänische Gruppe mit 175 Gefangenen auf dem Transport XXV/3 nach Theresienstadt
Befreiung mit den Weißen Bussen
14.4.1945 Irrfahrt durch das zerbombte Berlin
Über Flensburg nach Odense auf Fünen
Weiße Busse aus Theresienstadt bei Ankunft in Haderslev, Dänemark
15.4.1945 von Odense nach Kopenhagen
5.5.1945 Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Dänemark
5.5.1945 SS verlässt Theresienstadt
8.5.1945 die Rote Armee erreicht Theresienstadt
Schiffbruch der SS PENTCHO
Chamilonisi, Rhodos, Campo Ferramonti
April/Mai 1940 Vater Mendel Glass im Durchgangslager Patronka in Bratislava, wo hunderte Juden aus vielen Ländern Europas warteten auf die Abfahrt der SS PENTCHO , ein alter kaum seetüchtiger Raddampfer.
20.5.1940 500 jüdische Flüchtlinge von Bratislava auf der Donau Richtung Schwarzmeer
7 Wochen Warten bis ein Schlepper die SS PENTCHO durch das „Eiserne Tor“ bringt.
21.9.1940 SS PENTCHO nach Reparaturen an den Schaufelrädern im Hafen Sulina am Schwarzen Meer Richtung Istanbul
25.9.1940 Passage durch den Bosporus
In der Nacht vom 9. zum 10. Oktober bei der Insel Chamilonisi im Ägäischen Meer läuft die SS PENTCHO auf Grund.
16.10.1940 Rettung der Passagiere auf der MS CAMOGLI der italienischen Marine von Chamilonisi zur von den Italienern besetzten Insel Rhodos. Dort werden die Schiffbrüchigen ein Jahr in einem Internierungslager unter übelsten Bedingungen festgehalten.
1941 dank der Intervention von Papst Pius XII werden alle in das Internierungslager Campo Ferramonti in Süditalien gebracht.
Im September 1943 wurde das Lager durch die VIII. Britische Armee befreit und in ein DP-Camp für etwa 2000 zumeist jüdische „Displaced Persons“ umgewandelt. Bei Kriegsende befanden sich dort nur noch 213 Internierte. Die offizielle Schließung erfolgte am 6. September 1945.
5.8.1944 Einreise von Mendel Glass in Haifa; Internierung im Camp Athlit
Nachkriegszeit

Oktober 1945 Regina Stark und Julius Rothbein auf der Mitgliederliste des Hechaluz Schweden, „Alte Chaluzim“
25.5.1949 Alija von Martin und Regina Malka Glass auf der SS NEGBAH mit Julius Rothbein und Ehefrau mit Sohn Hans
15.5.1948 Gründung des Staates Israel, Unabhängigkeitskrieg
21.5.1957 -26.8.1957 Mutter Eidel Glass von Jaffa in Berlin Charlottenburg
10.11.1958-5.7.1959 Mutter Eidel Glass von Jaffa in Berlin Charlottenburg
15.5-20.9.1960 Mutter Eidel Glass von Tel Aviv in Berlin Charlottenburg
22.10.1960 zurück nach Israel
Gedenken
28.2.1955 Page of Testimony für Mathilde von ihrer Mutter Eidel Glass
5.2.1968 Page of Testimony für Mathilde von Malka Glass
Quellen
StA Bornheim, Slg Zerlett
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1056466
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11208571
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5029773
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)
Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.
https://www1.wdr.de/urfeld100.html
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://collections.arolsen-archives.org/de
Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume
Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History