Glass Mathilde

Mathilde Glass

*8.6.1922 in Berlin ; ✡ 2020

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater Mendel Emil Glass *6.2.1886 in Brodla, Krakau

Mutter Eidel Ritter *6.10.1888 Biala, Auschwitz; ✡ 2.2.1966

Großeltern Abraham Glass und Anna Borgenicht

Großeltern Markus Ritter und Amalie Reiter

Geschwister

Salo Glass *3.6.1912 in Berlin; ✡24.9.1990; oo Adina Hochman

Schlomo Glass/Gavish *3.6.1917 in Berlin; ✡24.2.2001;

Gisela Glass *19.10.1918 in Berlin; 3.8.2010 in Irvine; oo Rosenblum; oo Bobb

Martin Glass *31.5.1925 in Berlin; ✡ 2020; oo Regina Malka Stark *29.3.1925 in Leipzig, ✡ 28.5.2013

Beruf Schneiderin

Adressen Berlin Mitte, Prenzlauer Straße 4; Urfeld; Rüdnitz; Gut Skaby

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

Hof Wecker in Rüdnitz

Mathilde Glass zu einem unbekannten Zeitpunkt zur Hachschara auf dem Hof Wecker

Hachschara in Urfeld

28.8.1935 Mathilde Glass von Berlin zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von März 1934 bis April 1940 warder Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 150 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

Minderheitenzählung

17.5.1939 Mathilde Glass offiziell gemeldet in Berlin Mitte, Prenzlauer Straße 4 mit den Eltern und Geschwistern Gisela und Martin Glass

Die zweite Polenaktion

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

7.9.1939 reichsweite Verhaftung jüdischer Männer mit polnischen Wurzeln als „feindliche Ausländer“

27.12.1939 Vater Mendel überstellt in das KL Sachsenhausen

21.3.1940 Mathilde Glass nach 4 ½ Jahren in Urfeld-abgemeldet aus Urfeld nach Gut Skaby

22.11.-2.12.1939 Schwester Gisela auf der SS Rotterdam von Rotterdam nach New York

1.11.1940 Einreise der Mutter Eidel in Palästina

27.-29.10.1941 Mathilde Glass deportiert auf Transport III aus Berlin ins Ghetto Lodz; wohnt 11 Flat 7, Reiter Strasse, Lodz

12.11.1941 Mathilde Glass Posen-Antonin, Zwangsarbeitslager; allein in Posen gab es 12 Zwangsarbeiterlager für Juden; ab diesem Datum verliert sich die Spur von Mathilde Glass

Dänemark

1939 Emigration von 500 garantierten Jugendlichen nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen

1939 Martin Glass nach Dänemark

9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943

5.11.1940 Martin Glass in Vinding, Svendborg bei Familie Olsen

Ausnahmezustand in Dänemark 1943

29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen

17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark

September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark

„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.

28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.

Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.

Drei Transporte

5.10.1943 Martin Glass auf Transport XXV/1 und 20 weiteren Chaluzim der Jugendalija in Dänemark, insgesamt 83 in Dänemark Inhaftierten nach Theresienstadt

Die auf dem dänischen Festland verhafteten Juden werden in das „Polizeigefangenenlager Fröslee“ in Frøslev an der deutschdänischen Grenze verbracht; hier waren ab 13.8.1944 bis Mai 1945 etwa 12.000 Dänen im inhaftiert.

Vom Frøslev-Lager gehen zwei Juden-Transporte mit der Bahn nach Theresienstadt.

5.10.1943 Bruder Martin auf dem Transport XXV/1von Dänemark nach Theresienstadt

6.10.1943 aus dem Lager Frøslev 198 Juden auf Transport XXV/2 nach Theresienstadt

9.10.1943 Ankunft des zweiten Transportes XXV/2 in Theresienstadt

2.-5.10.1943 Transport XXV/1 von 21 Chaluzim der Jugendalija in Dänemark, insgesamt 83 in Dänemark Inhaftierten nach Theresienstadt

Der Dritte Transport

Inhaftierung der auf Seeland Verhafteten in Horserødlejren, einem Internierungscamp bei Helsingør

13.-14.10.1943 die dritte dänische Gruppe mit 175 Gefangenen auf dem Transport XXV/3 nach Theresienstadt

13.4.45 Vorbereitung auf den Abtransport in einer Kaserne in Theresienstadt

14.4.1945 Irrfahrt durch das zerbombte Berlin

Über Flensburg nach Odense auf Fünen

Weiße Busse aus Theresienstadt bei Ankunft in Haderslev, Dänemark

15.4.1945 von Odense nach Kopenhagen

5.5.1945 Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Dänemark

5.5.1945 SS verlässt Theresienstadt
8.5.1945 die Rote Armee erreicht Theresienstadt

Schiffbruch der SS PENTCHO SH 6

Chamilonisi, Rhodos, Campo Ferramonti

April/Mai 1940 Vater Mendel Glass im Durchgangslager Patronka in Bratislava, wo hunderte Juden aus vielen Ländern Europas warteten auf die Abfahrt der SS PENTCHO , ein alter kaum seetüchtiger Raddampfer.

20.5.1940 500 jüdische Flüchtlinge von Bratislava auf der Donau Richtung Schwarzmeer

7 Wochen Warten bis ein Schlepper die SS PENTCHO durch das „Eiserne Tor“ bringt.

21.9.1940 SS PENTCHO nach Reparaturen an den Schaufelrädern im Hafen Sulina am Schwarzen Meer Richtung Istanbul

25.9.1940 Passage durch den Bosporus

In der Nacht vom 9. zum 10. Oktober bei der Insel Chamilonisi im Ägäischen Meer läuft die SS PENTCHO auf Grund.

16.10.1940 Rettung der Passagiere auf der MS CAMOGLI der italienischen Marine von Chamilonisi zur von den Italienern besetzten Insel Rhodos.  Dort werden die Schiffbrüchigen ein Jahr in einem Internierungslager unter übelsten Bedingungen festgehalten.

1941 dank der Intervention von Papst Pius XII werden alle in das Internierungslager Campo Ferramonti in Süditalien gebracht.

Im September 1943 wurde das Lager durch die VIII. Britische Armee befreit und in ein DP-Camp für etwa 2000 zumeist jüdische „Displaced Persons“ umgewandelt. Bei Kriegsende befanden sich dort nur noch 213 Internierte. Die offizielle Schließung erfolgte am 6. September 1945.

5.8.1944 Einreise von Mendel Glass in Haifa; Internierung im Camp Athlit

Nachkriegszeit

Oktober 1945 Regina Stark und Julius Rothbein auf der Mitgliederliste des Hechaluz Schweden, „Alte Chaluzim“

25.5.1949 Alija von Martin und Regina Malka Glass auf der SS NEGBAH mit Julius Rothbein und Ehefrau mit Sohn Hans

15.5.1948 Gründung des Staates Israel, Unabhängigkeitskrieg

21.5.1957 -26.8.1957 Mutter Eidel Glass von Jaffa in Berlin Charlottenburg

10.11.1958-5.7.1959 Mutter Eidel Glass von Jaffa in Berlin Charlottenburg

15.5-20.9.1960 Mutter Eidel Glass von Tel Aviv in Berlin Charlottenburg

22.10.1960 zurück nach Israel

Gedenken

28.2.1955 Page of Testimony für Mathilde von ihrer Mutter Eidel Glass

5.2.1968 Page of Testimony für Mathilde von Malka Glass

Quellen

StA Bornheim, Slg Zerlett

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1056466

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11208571

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5029773

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)

https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/josef-wimar-giesen-versteckte-juedische-jugendliche-in-der-pogromnacht/DE-2086/lido/dc00018960

Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://collections.arolsen-archives.org/de

Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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