Nadler Moses

Moses Nadler

*18.11.1922 in Berlin; ✡ ?.

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater Salomon Schlomo Nadler Mali Feldmann *17.5.1885; ✡ vor 1945 in Polen

Mutter Mali Feldmann *17.5.1885 in Przemysl; ✡ vor 1945 in Polen

Geschwister

Jona Nadler *19.7.1912 in Berlin; ✡?

Anna Nadler *14.3.1914 in Berlin; ✡?

Regina Nadler *27.9.1915 in Berlin; ✡19.10.1997 Shar Khefer; oo Max Woislawski

Rosa Nadler *18.10.1917 in Berlin; ✡10.5.2014 in Kanada; oo Rudi Baerwald (1918-1994)

Lotte Nadler *19.7.1912 in Berlin; ✡?

Beruf Landarbeiter

Adressen Berlin Adolfstraße 5/6; Urfeld;

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Die drei Geschwister Regina, Janus und Moses gehen auf Hachschara

Hachschara-Lehrgut Jägerslust bei Flensburg

1938 Schwester Regina zur Hachschara im Gut Jägerslust

Waldgehöft Havelberg

7.6.1938 Bruder Janus ins Waldgehöft Havelberg, Jagdgehöft Barella

Hachschara in Urfeld

24.6.1938 Moses Nadler zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von März 1934 bis April 1940 warder Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 180 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

Polenaktion

28.10.1938 Reichsweite Polenaktion; 15000 polnische Juden nach Zbaszyn abgeschoben

Herbert Taub verhaftet in Urfeld in der ersten Polenaktion, zusammen mit neun weiteren Chaluzim u.a. Susi Schmerler, Leo Geffner und Josef Kleinmann sowie Muchi, Max, Oskar und Ida (nicht identifiziert), zu dieser Gruppe muss auch Moses Nadler (Max?) gehört haben. Susi Schmerler notierte in ihrem Tagebuch:

„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

„Doch da kam man uns mitten in unseren (Alija-) Plänen dazwischen. Eines Tages kamen mehrere Polizisten ins Beth Chaluz und brachten 10 Ausweisungsbefehle. Wir rechneten alle damit, dass uns noch 2-3 Monate Zeit bleiben würde. Doch nein! Es sollte heute noch sein! Wir telefonierten mit dem Flugplatz, wann das nächste Flugzeug nach London ging, doch die Polizei stand daneben und forderte von uns, dass wir sofort mitkommen müssten. Nicht einmal unsere Sachen durften wir mitnehmen.“

28.10.1938 Abschiebung des Vaters Salomon aus Berlin nach Zbaszyn, dazu zählt wohl auch Bruder Janus Nadler

1939 Moses Nadler verlässt Urfeld „ohne Abmeldung“

3.4.1939 Ankunft von Moses Nadler in Tel Aviv auf der SS GALILEA

Minderheitenzählung

17.5.1939 Mutter Mali mit den Schwestern Anna, Regina, Lotte und Rosa mit Ehemann Rudi Baerwald, aber ohne den Vater Salomon und Bruder Janusz in Berlin Wedding, Adolfstraße 5/6

7.7.1939 Mutter Mali mit Tochter Lotte nach Polen; später sind sie im Heimatsort von Mutter Mali in Przemysl, Slowackego 48 registriert

15.8.1939 Schwester Rosa Bärwald und Ehemann Rudi abgemeldet nach Shanghai

1.9.1939 Schwester Anna abgemeldet zur Auswanderung

Nachkriegszeit

11.3.1949 Schwester Regina mit Mann Max Woislawski und Sohn Aron auf der SS TRANSSYLVANIA von Marseille nach Haifa;

31.5.1951 Schwester Rosa und Mann Rudi Bärwald von Shanghai nach San Pedro/ San Francisco

Terrorüberfall der Hamas

7.10.2023 eine Urenkelin der Schwester Regina (*1999) wird bei dem Terrorüberfall der Hamas ermordet

Gedenken

20.2.1957 Pages of Testimony für die Eltern und Janus Nadler von Schwester Regina Woislawski

25.8.1957 Pages of Testimony für die Eltern von Moshe Nadler

Quellen

https://collections.yadvashem.org/de/names/733414

https://collections.yadvashem.org/de/names/938445

StA Bornheim, Sammlung Zerlett; Liste der Bewohner im „Lager Urfeld“

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)

https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/josef-wimar-giesen-versteckte-juedische-jugendliche-in-der-pogromnacht/DE-2086/lido/dc00018960

Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://collections.arolsen-archives.org/de

Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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