Schliesser Max

Max Schliesser

*23.1.1915 in Berlin; ✡ 4.4.1940 Shar-Haengev

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater Zindel Pinchas Schliesser *1861 in Kolomea; 1940

Mutter Bluma Schliesser *1865; ✡1940

Geschwister

Itzchak Schliesser *1895; ✡1940

Leopold Schliesser *17.9.1912

Josef Schliesser

Mania Schliesser

Beruf  Landarbeiter

Adressen Berlin; Urfeld, Hauptstraße 78;

Heirat Shoshana

Kinder eins

Weiterer Lebensweg

Hachschara in Urfeld

Max Schliesser zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von März 1934 bis April 1940 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 180 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

Polenaktion

28.10.1938 Max Schliesser verhaftet in Urfeld in der ersten Polenaktion, zusammen mit neun weiteren Chaluzim u.a. Susi Schmerler, Leo Geffner, Oskar Händler, Josef Kleinmann und Herbert Taub , sowie Muchi und Ida (nicht identifiziert). Susi Schmerler aus Bochum notierte in einem Bericht 1939 über die in Zbaszyn gestrandeten Chaluzim:

„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

„Doch da kam man uns mitten in unseren (Alija-) Plänen dazwischen. Eines Tages kamen mehrere Polizisten ins Beth Chaluz und brachten 10 Ausweisungsbefehle. Wir rechneten alle damit, dass uns noch 2-3 Monate Zeit bleiben würde. Doch nein! Es sollte heute noch sein! Wir telefonierten mit dem Flugplatz, wann das nächste Flugzeug nach London ging, doch die Polizei stand daneben und forderte von uns, dass wir sofort mitkommen müssten. Nicht einmal unsere Sachen durften wir mitnehmen.“

Abgemeldet aus Urfeld nach Zbaszyn

3.12.1938 Arno Fischmann, Chawer der Werkleute, schreibt aus Zbaszyn an Elieser Liebenstein in Tel Aviv:

„Wir haben hier einen Waad gebildet: Elek Stern, Dada Pick, Max Schliesser, Oskar Händler und ich, der laufend A.–H [Allgemeines Hilfs-Komitee für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland in Polen, KB] und Alijaangelegenheiten erledigt. […] Vom Lager zu berichten, ist eine grundtraurige und unerquickliche Angelegenheit, so dass ich ihr nicht gerne nachkomme. Der Rahmen wird auf allen diesen Lagern derselbe sein. Baracken, Notwohnungen, Feldküchen, schlechte Organisation, Kleiderverteilung und eine trostlos verzweifelte Stimmung einiger Tausend Menschen, die zur Untätigkeit verurteilt sind.“

Alija

3.4.1939 Einreise von Max Schliesser in Haifa auf der SS PALESTINA mit Shoshana Schliesser mit Arbeiterzertifikaten des Hechaluz der Kategorie C/LS

Nachruf

Susi Schmerler schreibt in ihr Tagebuch am 12.10.1940

Max! Du standest zusammen mit Oskar auf dem Bahnsteig: Wir kannten uns schon von früher. Wir waren zusammen im Beth Chaluz (Urfeld) und verlebten dort eine nette Zeit. Sorglos und glücklich. – Nach Polen fuhren wir gemeinsam. Wir waren beide krank während der Fahrt. Wir erlebten so viel zusammen. Und nacher! Du leistest so viel! Ich sehe dich noch vor mir, wie du in der Zentrale sitzt, die Schreibmaschine auf deinen Knien und tippen. Auch Du opferstest Nächte für uns. Um uns einen Weg in die Zukunft zu bahnen. Wie lustig warst du immer, Du lachtest so herzlich. Und Deine Witze alle, die sprudelten nur so von deinen Lippen, bis wir uns bogen vor Lachen. Alles an die war so bescheint. Du warst auch so klug, aus dir wäre sicherlich noch viel geworden. Doch im April vor einem Jahr bist du gestorben. Innerhalb von zwei Tagen an einer Lungenentzündung.

Gedenken

4.4.1940 Susi Schmerzler, Chawera aus Urfeld schreibt in ihr Tagebuch:

„Mir ist sehr mies zu Mute: Von meinen Eltern kein Zeichen. Muchi, Max Schl. Gestorben. Wird ja ein direkt wunderbares Geburtstag geben.

Nachruf

Susi Schmerler schreibt in ihr Tagebuch am 12.10.1940

„Max! Du standest zusammen mit Oskar (Händler) auf dem Bahnsteig: Wir kannten uns schon von früher. Wir waren zusammen im Beth Chaluz (Urfeld) und verlebten dort eine nette Zeit. Sorglos und glücklich. – Nach Polen fuhren wir gemeinsam. Wir waren beide krank während der Fahrt. Wir erlebten so viel zusammen. Und nacher! Du leistest so viel! Ich sehe dich noch vor mir, wie du in der Zentrale sitzt, die Schreibmaschine auf deinen Knien und tippen. Auch Du opferstest Nächte für uns. Um uns einen Weg in die Zukunft zu bahnen. Wie lustig warst du immer, Du lachtest so herzlich. Und Deine Witze alle, die sprudelten nur so von deinen Lippen, bis wir uns bogen vor Lachen. Alles an die war so bescheint. Du warst auch so klug, aus dir wäre sicherlich noch viel geworden. Doch im April vor einem Jahr bist du gestorben. Innerhalb von zwei Tagen an einer Lungenentzündung.“

Quellen

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018, Seite 61

Knut Bergbauer, Unterwegs. Jüdische Jugendbewegung aus Deutschland in Europa; in: Jüdische Jugend im Übergang, 2024

StA Bornheim, Sammlung Zerlett; Liste der Bewohner im „Lager Urfeld“

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)

https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/josef-wimar-giesen-versteckte-juedische-jugendliche-in-der-pogromnacht/DE-2086/lido/dc00018960

Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://collections.arolsen-archives.org/de

Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My