Krämer Renate

Renate Krämer

*2.1.1925 in Niederklein, Stadtallendorf;

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Vater Hermann Krämer *1.2.1890 in Steibach; Kaufmann; oo28.4.1919; Buchenwald; + Bernburg a. d. Saale, Tötungsanstalt „T4-Euthanasie“; 23.6.1942 vermutlich gefälschtes Todesdatum

Mutter Dina Stern *8.1.1888 in Niederklein; 2.11.1943 von Riga-> in Auschwitz

Großvater Abraham Krämer *11.8.1860 in Hergershausen; + 9.6.1941 in Marburg

Dina, Ilse, Walter, Renate und Hermann Krämer; Foto Deborah Hirsch (Tochter von Renate)

Geschwister

Ilse Krämer *8.8.1921 in Niederklein; 27.4.1939 Hamburg-> New York; oo Moses Ingber (*27.9.1919, + 24.9.2007); +11.7.1988 in Rockaway USA

Manfred Krämer *24.3.1923 in Niederklein; +26.2.1924 in Niederklein

Walter Krämer *24.1.1927 in Niederklein; Riga; Nordmark; oo Sally Wibensky (1932-1997); +23.8.1997 in Levittown New York

Beruf Schülerin

Adressen Niederklein; Mardorf, Haus Nr. 46 ½

Heirat Werner Karl Hirsch *21.7.1915 Karlsruhe; 1936 in die USA; +4.12.1987 in Levittown

Kinder

Deborah Hirsch *17.5.1952

Weiterer Lebensweg

Volksschule

9./10.11.1938 Novemberpogrom Vater in Schutzhaft; nach Buchenwald bis 9.12.1938

17.5.1939 mit den Eltern, Walter sowie dem Großvater in Mardorf

1939 nach Frankfurt, Haushaltschule am jüdischen Altersheim Reuterweg 91

28.4.1941 Vater von der Gestapo Allendorf verhaftet, wegen „Lebensmittelhamstern“

5. Mai 1941 Vater Haftanstalt Marburg a. d. Lahn; Polizeigefängnis Kassel

18.7.1941 Vater nach Buchenwald

5.12.1941 Verhaftung und Verbringung nach Kassel Turnhalle Wörthschule Schützenstraße

9.12.1941 Transport Kassel nach Riga Skirotawa mit der Mutter Dina und Bruder Walter

Fahrtroute über Berlin, Breslau, Posen, Königsberg, Skirotawa

12.12.1941 Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga bei 40 Grad minus

11.3.1942 Vater überführt Bernburg a. d. Saale, Tötungsanstalt „T4-Euthanasie“; 23.6.1942 vermutlich gefälschtes Todesdatum

1942 im Waffendepot der deutschen Wehrmacht, Pistolen, Gewehre reinigen

Ab 1943 im Armeebekleidungsamt ABA 701 in Mühlgraben, Kasernierung

Juli-2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung

Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga

Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof

28.9.-1.10.1944 3155 Häftlinge aus Riga Kaiserwald, 300 von der Lenta auf dem Frachtschiff „Kanonier“ von Riga->Danzig

29.9.- 3.10.1944 140 Zwangsarbeiter ABA 701 mit dem Frachtschiff „Sanga“ nach Libau, Lettland

13.-14.10. 1944 Die letzten 50 Männer, 10 junge Frauen mit der „Drechtdijk“ auch „Drächtig“ nach Libau; Renate Krämer wohl in dieser letzten Gruppe

SS-Sonderlager Libau in Lettland, Arbeit im Hafen, Be- und Entladen von Schiffen

22.10.1944 Fliegerangriff auf Libau mit zwei Toten unter den Häftlingen

22.12.1944 schwerer russischer Bombenangriff auf die besetzte Stadt, 14 Lagerinhaftierte kommen um

19. 2. 1945 200 Häftlinge von Libau auf dem mit Granaten- und Patronenhülsen beladenen Kohlefrachter „Balkan“ über die Ostsee erst Richtung Lübeck, wegen Bombenangriffen umgeleitet nach Hamburg;

27.2.1945 Ankunft in Hamburg, von der Gestapo in Gefängniswagen vom Hafen nach Fuhlsbüttel

27.2.1945 – 11.4.1945 Polizeigefängnis Fuhlsbüttel „Kola-Fu“, Zuchthaus und Konzentrationslager

12.-15.4.1945 86 km Fußmarsch nach Kiel, ins „Arbeitserziehungslager“ (AEL) „Nordmark“ in Hassee, Außenlager des KL Neuengamme in Kiel.

Rettungsaktion „Graf Bernadotte“ durch das Schwedische Rote Kreuz

Nach Verhandlungen des schwedischen Graf Bernadotte und Norbert Masur vom World Jewish Congress, Stockholm mit Heinrich Himmler nahe Berlin werden 168 jüdische Häftlinge und ihre Kinder nach Schweden freigelassen.

1.5.1945 153 Juden mit weißen Bussen des Roten Kreuz nach Pattburg, Dänemark, Entlausung in der Quarantänestation; weiter mit dem Zug nach Kopenhagen

2.5.1945 mit der Fähre nach Malmö; erste Quarantäne ca. 10 Tage

4.5.1945 Befreiung des AEL Nordmark Hassee durch britische „Royal Army“

13.5.1945 in Smålandsstenar, Schweden in Quarantäne

8.6.1945 Holsbybrunn, Ausländerheim der Schwedischen Ausländerkommission

20.7.1945 Pensionat Wermé, Sjöstäppsvägen 1, Saltsjöbaden (bei Stockholm)

22.9.1945 Antrag für Aufenthalt in Stockholm, Haushaltsarbeit bei Direktor Kiewe, Parkgatan 18,

Wohnadressen in Stockholm, Neglinge, Parkgatan 18, Karlavägen 68 c/o Siegbert Kiewe

25.1.1946 auf der „Saggat“ von Göteborg nach Baltimore. Zieladresse ist Schwester Ilse Ingber, 400 Ocean P.Kway, Brooklyn

11.-20.5.1946 Bruder Walter auf dem US-Marinetransporter Marine Flasher von Bremen nach New York

1951 US-Einbürgerung

2016 lebt sie in Levittown

Gedenken

10.7.1977 Page of Testimony für seine Mutter Dina von Walter Krämer, Levittown

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939  https://www.mappingthelives.org/

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411209-10.jpg

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de904625

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de904650

Memoirs of Walter Kraemer, born in Niederklein 1927, regarding his experiences in Kassel, Riga, the Riga Ghetto, Kaiserwald, Strasdendorf and more

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=en&s_id=&s_lastName=Kr%C3%A4mer&s_firstName=Dina&s_place=&s_dateOfBirth=&cluster=true

http://www.alemannia-judaica.de/niederklein_synagoge.htm

https://collections.arolsen-archives.org/archive/6366499/?p=1&s=Kr%C3%A4mer%201890&doc_id=6366501

Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7106); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

http://www.geschichtsverein-bordesholm.de/Veroeffentlichungen/Jahrbuecher/J06_7_Fentsahm_Evakuierungsmarsch.pdf

Christin Sandow (Hrsg.), Käthe Fries, Schießen Sie mich nieder, Lukas Verlag 2017

Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008

Gertrude Schneider, Exile and Destruction, The Fate of the Austrian Jews 1938-1945; Praeger 1995

Hilde Sherman: Zwischen Tag und Dunkel. Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt/M.-Berlin-Wien, 1984

Aufbau, Nach Schweden gerettet; Ausgabe vom 22.6.1945

Bernd Philipsen, Fred Zimmak, Hrsg., Wir sollten leben, Novalis 2020

Dietlind Kautzky, Thomas Käpernick Hrsg., Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden VSA 2020

Mein besonderer Dank gebührt Fred Zimmak für die großzügige Unterstützung meiner Recherchen.

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.