Moritz Levi
*23.2.1920 in Untererthal, Hammelburg; + in Israel
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch

Vater Max Levi *24.8.1883 in Mittelsinn, Bayern; +1942 Getto von Krasniczyn
Mutter Jettchen Jenta Ring *18.9.1883 in Hammelburg; +1942 Getto von Krasniczyn
Geschwister
Recha Levi *1907; oo Abraham Strauss
Arnold Levi *5.11.1909 in Untererthal; oo1937 Hella Lion; +30.9.1974 San Francisco

Margarete Gretel Levi *23.2.1920; Zwillingsschwester; + nach April 1942 in Izbica
Isador Isaak Levi *1912
Hilda Levi *23.4.1922; oo Schröder; oo Kornbloom
Blanca Levi
Beruf Zimmermann
Adressen Untererthal; München; Paderborn; Haifa
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Das Lehrlingsheim und die Anlernwerkstatt in München
1.7.1928 Eröffnung des Hauses in der Wagnerstraße 3 mit schulentlassenen Jungen aus dem Kinderheim in der Antonienstraße 7 in Trägerschaft der Israelitischen Jugendhilfe e.V.
1.6.1936 Übergang in die Trägerschaft des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden
1.7.1937 Umzug in das größere Haus in der Hohenzollernstraße 4 mit 45 Wohnheimplätzen
August 1937 Eröffnung der Jüdischen Anlernwerkstatt in der aufgelassenen Hesselberg’schen Lederfabrik am Biederstein 7 für Schlosser, Elektriker und Schreiner; Leiter war der Diplom-Ingenieur Fritz Sänger
Novemberpogrom
10.11.1938 Verhaftung von mindestens zehn erwachsenen männlichen Bewohnern des Lehrlingsheim
10.11.1938 Einweisung als „Aktionsjuden“ in das KL Dachau
Moritz Levy bekommt die Nummer 19935;

3.2.1939 Entlassung aus dem KL Dachau
Verlegung der Anlernwerkstatt
1939 Beschlagnahme der Fabrikgebäude Biederstein 7
Verlegung der Anlernwerkstatt in die ehemalige Synagoge der osteuropäischen Juden in der Reichenbachstraße 27
17.5.1939 Moritz Levy wieder im Lehrlingsheim, München, Hohenzollernstraße 4
4.7.1939 ins Umschulungs- und Einsatzlager Paderborn, Grüner Weg
Alija Beth Sonderhachschara VII
10.8.1940 mit dem Zug von Paderborn nach Wien, Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa
30.8.1940 mit einer Gruppe von 24 Chawerim aus Paderborn offiziell abgemeldet nach „Paraguay“
Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule
3. 9.1940 mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau;
10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN
10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;
Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.
Zwischenstopp auf Kreta, um Kohle aufzunehmen
31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet
1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa. Die Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)
5.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten
8.11.1940 Registrierung im Camp Atlith; gibt als Referenz an die Geschwister Isador Levi und Hilda Levi sowie Recha Strauss , alle Adressen unbekannt
25.11.1940 Ankunft zweier weiterer Schiffe in Haifa
25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA
Walter Steinitz, ebenfalls aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:
“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“
Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.
25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.
26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;
Dezember 1940 noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht.
1940 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können
September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith
12.8.1945 Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge aus Mauritius auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.
Weiteres Schicksal der Familie

25.7.1942 Eltern und Zwillingsschwester von Würzburg ins Ghetto von Krasniczyn
15.10.1947 Bruder Arnold auf dem Marinetransporter USS GENERAL GORDON von Shanghai nach San Francisco
Gedenken
9.1.1957 Pages of Testimony für die Eltern und Schwester von Rachel Strauss-Levi
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10695443
http://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=lehrlingsheim
http://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=anlernwerkstatt
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7
https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php?SourceId=19584
https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg39.jpg
https://collections.arolsen-archives.org/en/search/person/11194787?s=Levi%20Grete%201920&t=3333&p=1