
Sophie Nussbaum/Shulamit Jaari
*12.2.1925 in Emden; ✡ 10.3.2019 in Beer Tuvia
Staatsangehörigkeit staatenlos
Religion jüdisch
Vater Jakob Feist Nussbaum *17.6.1871 Rodenkirchen, Oldenburg; ✡19.5.1944 in Auschwitz
Mutter Marianne Weinberg *13.12.1897 in Emden; ✡ 1944 in Stutthof
Großeltern Philipp Feist Nussbaum und Marianna Gossels
Großeltern Isaak Weinberg und Sophie Cohen

Geschwister
Auguste Gustl Nussbaum *19.9.1923 in Emden; ✡ 7.10.2021; oo Heinz (1919 -2012)

Heirat 25.6.1946 Werner van der Walde/Ze’ew Yaari *10.1.1922 in Emden, ✡15.9.2011
Schwiegervater Josef Abraham Van der Walde *7.2.1879 ; ✡21.12.1929 Emden
Kinder drei
Oded Yaari *9.3.1947; ✡10.1.1997
Novemberpogrom
10.11.1938 Das Lebensmittelgeschäft der Eltern hintern dem Rathaus in Emden wird zerstört. Alle Juden werden in einem Schulgebäude zusammengetrieben; am Morgen werden sie zum Gymnasium gebracht und dort registriert; Frauen und Kinder werden nach Hause geschickt. Auch der Vater wird später nach Hause entlassen; die jüdischen Männer mit Bussen nach Oldenburg, wo sie mit etwa 250 Juden aus Ostfriesland in einer Kaserne interniert werden. Letztlich werden etwa 1.000 jüdische Ostfriesen, Oldenburger und Bremer mit der Bahn in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert.
29.11.1938 Schwester Gustel von Nordhorn nach Rotterdam
25.1.1939 die Mutter bringt die Schwestern Sophie und Ruth Nussbaum über die Grenze nach Holland; mit dem Zug nach Rotterdam
25.1.1939 Sophie mit Schwester Ruth im Koloniehuis „Rotterdam“ Monster
I.G.K. Monster, Barendzstraat 24, Ter Heijde (Monster), Koloniehuis „Rotterdam“

Februar 1939 Postkarte an die Familie Kirchhof in Emden
3.4.1939 Huize Kraaybeek, Hoofdstraat 63, Driebergen
16.8.1939 Schwester Ruth kommt aus Kraaybeek in die Pflegefamilie A. Crefeld in Utrecht, Amsterdamschestraatweg 313
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam das Hachschara Zentrum „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. 99 Jugendliche fanden hier Zuflucht. Zwischen 1939 und 1940 bestand parallel das Zentrum in Mijnsheerenland.
12.3.1940 die Schwestern Gustl und Sophie zur Hachschara nach Loosdrecht, „het Paviljoen“
Nachdem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde das Lager kurzfristig nach Alkmaar evakuiert.
Gustl Guus arbeitet ein halbes Jahr bei der Bäuerin M. van Henten-Verkerk
31.10.1941 Ausstellung des Persoonsbewijs für Gustl Nussbaum

Onderduiker
Sommer 1942 Sophie Nussbaum arbeitet als Haushilfe bei einer jüdischen Familie in Amsterdam
7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.
Daraufhin geht Sophie nach Loosdrecht zurück.
14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz
15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.
12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen. Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.
13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.
13.8.1942 die Schwestern gehen ins Versteck; sie werden von Leiter Joachim Schuschu Simon mit dem Zug nach Amsterdam und dort zusammen mit Paul Sonnenberg in einer wegen Urlaub des Mieters verfügbaren Wohnung untergebracht.
Die Hausbesitzerin droht, die Polizei anzurufen, sollten sie die Wohnung nicht verlassen. Kurz vor Mittagnacht müssen sie fliehen. Paul verlässt sie um Mitternacht an der Centraal Station (Hbf) und wird von der Polizei gefasst. Die Schwestern verbringen die Nacht unter einer Brücke. Tags darauf suchen sie Harry und Hanna Asscher auf, die sie für zwei Tage aufnehmen und ihnen dann eine Unterkunft im Jeugdhuis des Joodse Raad auf der Nicolaas Witsenkade 14 besorgen.
Anschließend wohnen sie beim einem kommunistischen „onderduiker“, der schon vom SD gesucht wurde; Joop Westerweel nimmt Kontakt mit Ihnen auf und beschafft ihnen ein besseres Versteck.
Sophie Ya’ari berichtet:
„Von jenem Tag im August 1942 bis Kriegsende war ich in achtzehn verschiedenen Häusern in Amsterdam, Rotterdam, Doorn und anderen Städten und Dörfern Hollands versteckt. An manchen Orten konnte ich ein oder zwei Monate bleiben, an anderen nur wenige Tage. Während dieser ganzen Zeit wurde ich stets von der Gruppe um Mirjam, Menachem, Shushu und Joop Westerweel beschützt und betreut.“
Lilli Kettner schreibt:;


In Sevenum von rechts Lilly Kettner, Mantje Waterman, Sophie Nussbaum, Ruth Tischler
Sophie überlebt im Versteck in Sevenum, Gustel Nussbaum in Roermond

Tod von Ruth Nussbaum
5.10.1942 Schwester Ruth mit den Pflegeeltern ab Kamp Westerbork nach Auschwitz
Befreiung von Eindhoven und Sevenum
18. 9.1944 Eindhoven feiert ausgelassen die Befreiung. Die US und britischen Truppen werden mit Jubel und Gesang empfangen. Die Leute tanzen voller Freude auf den Straßen.
19.9.1944 Bomber der deutschen Luftwaffe bombardieren Eindhoven mit hohen Verlusten unter der Zivilbevölkerung
23.11.1944 Befreiung von Sophie Nussbaum in Sevenum
Lilly Kettner über die Befreiung in Sevenum im November 1944
„Und die letzte Geschichte über die Besatzung: die Stimme des alten Mannes, sein aufgeregter Schrei: „Kinder, raus, raus, ihr alle! Ich schüttelte ihnen die Hand! Die amerikanischen Soldaten im Dorf!“
Befreiung von Roermond
Gustl mit drei weiteren onderduikers in Roermond. Als Ende 1944 Roermond vollständig durch die Wehrmacht geräumt wird, verstecken sich die vier zusammen mit der Tochter des Hauses in einer Grube unter dem Küchenboden.
1.3.1945 Befreiung, Roermond von der Recce Troop (Aufklärungseinheit) der amerikanischen 35th Infantry Division („Santa Fe Division“) ohne einen einzigen Schuss besetzt
Schwester Ruth mit den Pflegeeltern ab Kamp Westerbork nach Auschwitz
Das Schicksal der Eltern
17.5.1939 beide Eltern in Emden, Boltentorstraße 23 bei der Minderheitenzählung
Judenvertreibung aus Ostfriesland/Oldenburg
Januar 1940 Anordnung der Gestapo-Leitstelle Wilhelmshaven: Ausweisung der in Ostfriesland lebenden Juden „aus militärischen Gründen“ bis zum 1. April 1940. Die meisten ziehen nach Hannover und Berlin.
21. Februar 1940 Zwangs- Umzug der Eltern nach Berlin Schöneberg, Hohenstauffenstraße 69
Die Mutter verrichtet Zwangsarbeit bei Siemens & Halske. Eines Tages zeigt einer ihr nicht bekannten jüdischen Zwangsarbeiterin ein Foto ihrer Töchter aus Loosdrecht, worauf hin die Frau ausruft: „Das ist doch mein Jossel!“ (Josef Waldmann *4.3.1925 in Berlin)


29.1.1943 beide Eltern mit Ruth und Säugling Uri von Berlin nach Theresienstadt; Sie wohnen Kleine Berggasse 21
7.5.1943 Tod von Bruder Uri in Theresienstadt
16.5.1944 Eltern von Theresienstadt nach Auschwitz
14.7.1944 Weitertransport der Mutter von Auschwitz nach Stutthof
5.8.1944 Tod der Mutter in Stutthof
Werner Van der Walde
8.3.1936 Passausstellung in Sorau
27.3.1938 Ankunft Haifa mit Studenten-Zertifkat B(III) der Jugendalija

12.5.1941 Eintritt in die Palestinian Company der Royal Army, „The Buffs“

22.4.1942 Einbürgerung in Palästina
Nachkriegszeit
Alija beth auf der SS TEL HAI
März 1946 großer Militär-LKW-Konvoi nach Marseille. Mitten in der Nacht erreichte der Konvoi ein Feld in der Nähe von Marseille, wo Mitglieder der „Bricha“ und Abgesandte des „Mossad für Aliyah Bet“ warten. Nach Erhalt des Befehls fahren die Lastwagen in die Stadt ein und setzten die illegalen Einwanderer in einem französischen Flüchtlingslager ab, von wo aus sie mit französischen Armeebooten zum Hafen von „La Ciotat“ transportiert wurden, 30 km östlich von Marseille. Dort gingen sie an Bord der von der Haganah gecharterten SS TEL HAI.

17.3.1946 am Abend Abreise von Gustel und Sophie Nussbaum auf der SS TEL HAI mit 743 Menschen an Bord, davon 736 illegale Einwanderer darunter etwa 300 NOHAM Mitgliedern, etwa 60 vom Gehringshof und aus Bergen-Belsen Die Überfahrt ist stürmisch, das Schiff muss in Bonifacio/Korsika und auf Kreta einen schützenden Hafen suchen.
28.3.1946 Ankunft von Sophie und Gustel Nussbaum in Haifa auf der SS TEL HAI
25.6.1946 Heirat mit Werner Van der Walde vor dem Rabbi von Metulla
14.11.1947 Einbürgerung in Palästina
April 1965 erster Besuch in Emden; sie berichtet Schülern über ihr Leben
Gedenken
Pages of Testimony für den Vater und Schwester Ruth von Gustel Moses
Quellen
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Sophie Ya’ari, Interview in Beer Tuvia am 11.4.1988, autobiografischer Bericht; Link:
https://ellenlandweber.com/rescuers/book/Pinkhof/yaari/sophie2.html
https://ellenlandweber.com/rescuers/book/Pinkhof/p.contents.html
Auguste Nussbaum, Reise mit zwei Koffern Autobiografie; Wallstein, 2017
http://www.dokin.nl/surviving_children/auguste-gustel-nussbaum-born-19-sep-1923/
http://www.dokin.nl/surviving_children/sophie-nussbaum-born-12-feb-1925/
http://dokin.nl/deceased-children/Ruth-Nussbaum-born-11-Apr-1928
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316