Sonnenberg Paul

Paul Sonnenberg

*4.7.1925 in Koblenz; ✡ 22.1.1945 Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Moses Sonnenberg *21.11.1883 in Selters; ✡ 18.10.1944 in Auschwitz

Heirat der Eltern

Mutter Irma Blum *1895 Niederbarchheim; ✡ 22.12.1934 in Koblenz

Großvater Karl Blum *25.3.1867 in Niederbarchheim; ✡ 12.5.1937 Suizid in Koblenz

Stiefmutter Betty Michel *11.10.1913 in Immendorf; 11/1985 in Fairway

Cousin Karl Julius Sonnenberg *27.2.1904 in Selters; ✡4.5.1945 in Tröbitz

Bruder

Fritz Siegfried Gerhard Sonnenberg *14.8.1921 in Koblenz; ✡ ? 2002 in Krefeld

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Koblenz; Düsseldorf; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen);

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

1935-1938 Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium (heute: Eichendorff-Gymnasium)

1936 Nach einer Schlägerei durch pöbelnde Mitschülern muss Bruder Fritz Ende der Obertertia das Gymnasium verlassen.

12.5.1937 Suizid des Großvaters Karl Blum in Koblenz

16.8.1937 Onkel Karl flieht nach Hilversum, Niederlande

1938 Emigration von Fritz Sonnenberg in die Niederlande

23.6.1938 Emigration des Vaters wegen eines anhängigen Strafverfahrens in die Niederlande; Das „Nationalblatt“ (Nazi-Zeitung für Koblenz) kommentierte:

„Na klar, Jud Sonnenberg getürmt. Der Feigling hatte allerhand auf dem Kerbholz und gebrauchte seine Angestellte zu Betrügereien.“

Diese Angestellte war Betty Michel, die in Haft genommen und zu einem Monat Gefängnis wegen Fälschung eines Wechsels verurteilt wird.

15.2.1939 Emigration von Paul Sonnenberg in die Niederlande

29.3.1939 Flucht von Betty Michel in die Niederlande

30.3.1939 Quarantine Beneden Heijplaat, Quarantainestraat 1, Rotterdam

16.6.1939 Burgerweeshuis Gouda, Spieringstraat 1, Gouda

13.12.1939 Quarantine Amsterdam, Zeeburgerdijk 321, Amsterdam

Werkdorp Nieuwe Sluis

27.12.1938 Bruder Fritz Sonnenberg angemeldet zur Hachschara im Joodsche Werkdorp

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

30.11.1939 Fritz Sonnenberg offiziell abgemeldet nach Palästina

Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 Fritz Sonnenberg mit 76 Werkdorpern aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:

Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Horst Schelasnitzki, Marcus Segal, Max Stoppelmann.

16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.

Juli 1939 10 Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.

17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Paviljoen Loosdrechtsche Rade

12.6.1940 Paul Sonnenberg zur Hachschara in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

Loosdrechtsche Rade Juli 1942, Paul Sonnenberg (mit Brille) dritte Reihe ganz links;
Sophie und Gustl Nussbaum dritte Reihe 3. und 2. von rechts

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam das Hachschara Zentrum „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. 99 Jugendliche fanden hier Zuflucht. Zwischen 1939 und 1940 bestand parallel das Zentrum in Mijnsheerenland.

August 1942 Erica Bloot erfährt beim Joodse Raad, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen. Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.

13.8.1942 wegen der bevorstehenden Razzia sollen alle Loosdrecht-Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht. Paul Sonnenberg und die Schwestern Sophie und Auguste Gustl Nussbaum gehen ins Versteck; sie werden von Leiter Joachim Schuschu Simon mit dem Zug nach Amsterdam und dort zusammen in einer wegen Urlaub des Mieters verfügbaren Wohnung untergebracht.

Die Hausbesitzerin droht, die Polizei anzurufen, sollten sie die Wohnung nicht verlassen. Kurz vor Mittagnacht müssen sie fliehen. Paul verlässt sie um Mitternacht an der Centraal Station (Hbf) und wird von der Polizei gefasst, da er bei nächtlicher Ausgangssperre und ohne Papiere aufgegriffen wird.  Die Schwestern Nussbaum verbringen die Nacht unter einer Brücke.

Als Strafgefangener „onderduiker“ wird Paul Sonnenberg zunächst in das KL Vught gebracht.

Kamp Westerbork

11.9.1942 Paul Sonnenberg eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

6.8.1942 in Westerbork Heirat des Vaters mit Betty Michel

In Westerbork soll Paul Sonnenberg vielen zur Flucht verholfen haben, selber aber wegen seines Vaters nicht fliehen wollen.

1.2.1944 Karl und Margot Sonnenberg auf dem Transport aus Westerbork nach Bergen Belsen

4.9.1944 Paul Sonnenberg mit Vater Moses und Stiefmutter Betty auf dem Transport XXIV/7 von Westerbork nach Theresienstadt

29.9.1944 Paul auf dem Transport E l von Theresienstadt nach Auschwitz

16.10.1944 Vater Moses auf dem Transport E r von Theresienstadt nach Auschwitz

22.1.1944 Tod von Paul Sonnenberg im von der SS bereits geräumten KL Auschwitz oder auf dem Todesmarsch

8.5.1945 Befreiung von Stiefmutter Betty in Theresienstadt

Der Verlorene Zug

1.2.1944 Karl und Margot Sonnenberg auf dem 3. Austausch-Transport von 908 Häftlingen aus Westerbork in das Sternlager des KL Bergen Belsen

10.4.1945 Evakuierung der Austauschjuden von Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt

23.4.1945 Irrfahrt des verlorenen Zuges endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz,

Befreiung durch die 1. Ukrainische Front der Roten Armee, General Tschukow

4.5.1945 Tod von Karl Sonnenberg in Tröbitz; seine Frau Margot überlebt

Gedenken

11.8.1987 Gedenktafel für die ermordeten Chaluzim aus Loosdrecht

Sechs Stolpersteine für Moses, Betty, Irma, Paul und Fritz Sonnenberg und Karl Blum in Koblenz, Mainzer Straße 10

Quellen

www.dokin.nl/deceased_children/paul-sonnenberg-born-4-jul-1925/

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de972073

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de972072

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de972061

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5083124

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130377433

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5083123

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130377407

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

www.werkdorpwieringermeer.nl/

www.dokin.nl/deceased_children/paul-sonnenberg-born-4-jul-1925/

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Sonnenberg%201904%22%7D

https://stolpersteine.mahnmalkoblenz.de/index.php/stolperstein-rundgang-2/rundgang-2-station-10-familie-sonnenberg

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My