Walter Jacob Oppenheimer
*30.12.1917 in Frankfurt; ✡ 11.9.2006 in Jerusalem
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Joseph Seligmann Oppenheimer *1884 Nieder-Mockstadt, Hessen; ✡1955 in Jerusalem
Heirat der Eltern 10.6.1914 in Amsterdam
Mutter Josephine Veronika Jacobson *23.4.1893 Amsterdam; ✡1955 in Jerusalem
Geschwister
Elisheva Oppenheimer *23.5.1915 in Frankfurt; ✡ 19.4.2014 Jerusalem; oo Emanuel
Fanny Betty Oppenheimer *16.3.1916 in Frankfurt; ✡ 18.10.1944 Auschwitz; oo Werner Petzal
Ruth Oppenheimer *10.11.1917 in Frankfurt; ✡ 17.4.2008; oo Julius Weil
Leopold Oppenheimer *18.12.1919 in Frankfurt; ✡ 19.4.2007 Israel; oo Schwarzberg
Isaac Oppenheimer *11.5.1922 in Frankfurt; ✡ 27.1.2010; oo Naomi Goldberg
Erich Kurt Jehuda Oppenheimer *27.4.1925 in Frankfurt; ✡18.2.2012 Jerusalem
Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant
Adressen Frankfurt; Amsterdam, Nieuwe Heerengracht 91; Den Haag, Duinweg 22; Franeker
Heirat 5.9.1950 in Israel mit Judith Rieder *29.5.1922 in Gunzenhausen; ✡ 2002 Jerusalem
Kinder –
Weiterer Lebensweg
8.1.1937 Flucht von Frankfurt nach Den Haag
30.8.1937 Ankunft von Judith Rieder in Haifa als Familienmitglied bei Kapitalistenzertifikat der Kategorie A des Vaters Michael Rieder

23.7.1942Amsterdam, Nieuwe Heerengracht 91
Kibbuz Franeker
Der 1935 vom Arzt Dr. Jacob und seiner Frau Lina Bramson aus Franeker gegründete Kibbuz der religiösen Zionisten des Misrachi „Dath we Eretz“ bestand bis zu seiner Auflösung durch eine Razzia am 3. November 1941.
Träger Misrachi/ Dath Waäretz; Bachad, 1928 gegründete Jugendorganisation des orthodox-jüdischen Misrachi; das hebräische Akronym בָּחָ״ד BaChaD steht für Brit Chaluzim Datiim, deutsch ‚Bund religiöser Pioniere‘. Die Hachschara Organisation hieß „Dath we Eretz“
Das alte Bahnhofsgebäude des Kibbuz Franeker am Harlinger Weg 45 konnte etwa 25 Bewohner aufnehmen, anfangs waren es 10, zuletzt bis zu 30 Chalutzim.
Jacob Bramson kümmerte sich persönlich um die sorgfältige Auswahl die Bauernhof-Stellen.
Die geistliche Betreuung übernahm Oberrabbi Lewinson aus Leeuwarden
21.1.1938 Walter Oppenheimer aus Den Haag, Duinweg 22 kommend angemeldet im Kibbuz Franeker
13.1.1939 Walter Oppenheimer abgemeldet aus Franeker nach Palästina
Alija Beth auf der SS DORA
Walter Oppenheimer in einem Interview mit Chaja Brasz
„Die niederländische Einwanderungspolizei wollte uns loswerden, hatte aber Angst vor der Öffentlichkeit. Die Briten wollten natürlich keine illegale Einwanderung, Im Juni 1939 wurden wir plötzlich nach Heemskerk gebracht, wo wir einige Wochen warten mussten.“
Juli1939 76 Werkdorper aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA
16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:
Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Marcus Segal, Max Stoppelmann.
16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.
17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA
17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)
12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht
6.8.1947 Einbürgerung in Palästina Judith Rieder
5.9.1950 Heirat in Israel mit Judith Rieder
Kamp Westerbork
25.9.1942 Einweisung der Eltern in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork, Baracke 48
Bergen Belsen
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
1.2.1944 beide Eltern auf dem dritten Transport von 908 „Austauschjuden“ von Westerbork nach Bergen-Belsen
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager , einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
„Templer Transport 222“
26.4.1944 von den etwa 1.300 Austauschjuden mit Palästina-Zertifikat werden 272 ausgewählt, vor allem Mitarbeiter des Joodse Raad Amsterdam und deren Familienangehörigen. Sie sollen ausgetauscht werden gegen „Deutsche Templer“, eine Sekte in Jerusalem.
Die Hoffnung auf den Templer-Austausch zerschlägt sich für die meisten im Sternlager
Ende Mai 1944 Reduktion auf die endgültigen 222; Unterbringung in abgesonderter Baracke
Vier Wochen Wartens nach Absage des ursprünglichen Termins

Beide Eltern kommen auf die Liste, da Walter bereits in Palästina lebt.
3. deutsch-palästinensischer Zivilgefangenenaustausch
29.6. 1944 222 Austauschjuden aus Bergen-Belsen mit dem Zug über Nürnberg nach Wien; hier kommen noch 61 Engländer und US-Amerikaner aus den Internierungslagern Vittel und Laufen (Salzach) hinzu. Die Fahrt geht über Budapest, Sofia nach Istanbul. In Wien, Istanbul und Aleppo wurden jeweils die Züge gewechselt; den Bosporus überquerte ein Ausflugsdampfer, der die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges auf der asiatischen Seite von Istanbul mit einer mehrstündigen Rundfahrt überbrückte. Ab Aleppo über Beirut erreichte der Transport schließlich Haifa in Palästina.
10.7.1944 Ankunft der Eltern Oppenheimer in Haifa
Überleben im Versteck
Bruder Erich überlebt im Versteck bei Johannes Willem Deenik, Hilfsprediger der Gereformeerde Kerk in Nieuw Vennep, wo seine Familie zuvor ein Zimmer gemietet hatte.
1945 ist Erich Oppenheimer registriert in der Liste der überlebenden Juden (Eindhovenlijst) unter der Adresse Hilversum, G.v.Amstelstraat 56
Gedenken
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Quellen
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Oppenheimer%201917%22%7D
https://www.myheritage.de/research
http://danielabraham.net/tree/related/dora/
Kelly Bauer, Syds Wiersma, Kibboets op de Klei, Fries Film Archief Leeuwarden, 2020
Auke Zeldenrust, Kibboets op de Klei, Boom, 2020
Morris Schnitzer, My three selves, a memoir, Lugus, Toronto, 2002
Hannelore Grünberg-Klein, Zolang er nog tranen zijn, Nijgh & Van Ditmar, 2015
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.gfh.org.il/eng/Archive
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939