
Joachim „Schuschu“ Simon
*12.11.1919 in Berlin; ✡27.1.1943 in Breda, Suizid im Gefängnis
Staatsangehörigkeit deutsch; staatenlos
Religion jüdisch
Vater Fritz Salomon Simon *15.1.1884 in Frankfurt/Oder; ✡22.3.1935 in Berlin
Mutter Charlotte Saling *7.1.1885; ✡?
Großmutter Margarete Simon geb. Simon *5.4.1864 in Frankfurt/Oder; ✡ 1.7.1942 in Theresienstadt
Geschwister
Jakob Simon *9.4.1915 Dammvorstadt; ✡ 22.10.1996 Jerusalem
Beruf Landwirtschaftlicher Arbeiter, Jugendleiter, Madrich
Adressen –
Heirat 5.8.1942 in Amsterdam mit Sophie „Adina“ van Coevorden *23.5.1917 in Coevorden; ✡ 22.12.2008 Israel
Kinder keine
Weiterer Lebensweg
Joachim Simon mit Bruder Jakob Mitglied bei der zionistischen Habonim
22.3.1935 Tod des Vaters in Berlin
1935 Emigration des Bruders Jakon in die Schweiz; 1936 nach Palästina
Ellguth bei Steinau
Hachschara-Lehrgut Ellguth bei Steinau, Schlesien auch als Klein Schnellendorf bei Falkenberg bezeichnet (bis 1938 in Trägerschaft des Hechaluz, Erstausbildung und mittlere Hachschara, dann des Bachad)
1935 bis 10.11.1935 Joachim Simon zur Hachschara in Ellguth, Steinau
Novemberpogrom
10.11.1939 der Hof wird im Novemberpogrom überfallen, die über 17-Jährigen werden verhaftet und als „Aktionsjuden“ im KL Buchenwald inhaftiert; Häftlingsnummer 27417

29.11.1939 es werden 35 RM per Postanweisung von Großmutter Margarete Simon aus Berlin Charlottenburg als Reisegeld geschickt
Die Freigelassenen gehen als Gruppe nach Bielefeld, um von dort in das Auffanglager der Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“ zu fahren, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge; dazu zählten u.a. Albert Berger, Hermann Kellner, Erich Marcuse, Leonhard Prinz und Joachim Simon.
5.1.1939 Joachim Simon schließt sich der Deventer Vereeniging an.
10.5.1940 Überfall der Wehrmacht auf die Niederlande
Flucht bzw. Verhaftung der in der Niederlanden verblieben Sjallach mit britischem Pass aus den Kibbuz in Palästina
Joachim Simon wird gewählt in das Centraalcomite des Hechaloets in den Niederlanden, zusammen mit Horst Hauptmann, Kurt Hannemann, Sophie Coevorden, die auch seine persönlichen Freunde werden.
Jeugdalijah
Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige. Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Von September 1939 bis August 1942 fanden hier 99 Bewohner Zuflucht.
Sommer 1940 Joachim Simon als Madrich in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“; er wohnt Raweg, C8 rood Loosdrecht
Als Madrich begeistert er die Chaluzim immer wieder durch seinen Enthusiasmus für die zionistsche Idee der Schaffung auf Afbau von Eretz Israel

Im Versteck als Onderduiker
7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.
14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz
Menachem Pinkhof schlägt vor, das illegale Untertauchen aller Bewohner vorzubereiten. Sie bitten Miriam Waterman und Joop Westerweel um tatkräftige Hilfe.
28.7. 1942 Sophie van Coevorden kommt in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“, um bei dem geplanten Untertauchen aller Bewohner zu helfen.

5.8.1942 Heirat von Joachim Schuschu Simon mit Sophie van Coevorden in Amsterdam
15.7.-15.8.1942 von Joop Westerweel, Miriam Waterman, den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht. Das ist die Geburtsstunde des Netzwerks um Joop Westerweel.
12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen. Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.
13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.
Joachim und Adina Simon gehen mit vier weiteren ins Versteck nach Rotterdam. Anschließlich hilft er weitere Chaluzim in Verstecken unterzubringen.
Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!
Schleuseraktionen
Oktober 1942 Joachim und Adina Simon gehen über Belgien nach Frankreich, um Transferrouten in die Schweiz zu erkunden. Ein erster Versuch, in die Schweiz zu kommen, schlägt fehlt. Schuschu reist zurück in die Niederlande, um zu berichten. Die jüdische Orgnisationen stehen aber den Schleuseraktionen ablehnend gegenüber.
Über Paris geht er zurück nach Perpignon, er knüpft Kontakte in Toulouse und Lyon. In Lyon lässt er Adina zurück um nochmals in die Niederlande zu fahren. Er bringt noch zwei Flüchtlinge nach Lyon, denen mit Adina nach seiner Abreise die Emigration in die Schweiz am 19.1.1943 gelingt.
25.1.1943 Schschu Simon wird beim Übertritt an der belgisch-niederländischen Grenze gefasst vom SD (Gestapo) im Gefängnis Breda inhaftiert.
27.1.1943 Tod von Ehemann Schuschu Simon in Breda; dort begeht er Suizid im Gefängnis, aus Sorge einer Folter nicht standhalten zu können und die Widerstandsorganisation zu verraten.
Berlin-Theresienstadt
16.6.1942 Großmutter Margarete Simon auf dem 6. Alterstransport von Berlin nach Theresienstadt

1.7.1942 Tod der Großmutter zwei Wochen nach Ankunft in Theresienstadt
Gedenken
Pages of Testimony

Gedenkstein für Joachim Simon auf dem Friedhof in Breda
6.12.1977 Page of Testimony für Joachim Simon von Adina Kochba
11.8.1987 Gedenkstein für die 23 Todesopfer aus Loosdrecht
Quellen
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1162108
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Joachim%20Simon%201919%22%7D
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Coevorden%201917%22%7D
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.gfh.org.il/eng/Archive
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939