Kellner Lilly

Lilly Kellner

*12.7.1925 in Köln; ✡ 2.11.1942 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit polnisch; staatenlos

Religion jüdisch

Vater Leib Leo Kellner *7.10.1882 in Limanow, Krakau ; ✡ ?

Mutter Milli Schönberg *18.10.1898 in Limanow, Krakau

Geschwister

Rena Kellner *11.2.1923 in Den Haag; ✡8.4.2021 in Jerusalem; oo David Bleier (21.5.1914, ✡19.9.2010)

Max Moses Kellner *8.6.1924 in Den Haag; ✡7.5.2003 Florida

In Köln lebten auch

Leib Leo Kellner *7.10.1882 in Limanow, Krakau ; ✡1

Chana Kellner geb. Herrscher *9.11.1879 in Limanowa; ✡21.8.1942 in Auschwitz

Beruf Landwirtschaftliche Praktikantin

Adressen Köln, Burgunder Straße 4

Heirat  ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

Erste Polenaktion

Die Eltern waren nach Antwerpen geflohen, Bouwhandelstraat 68

Leib Leo Kellner mit Frau Gitel und Tochter Sophie Windwehr abgeschoben aus Köln nach Zbaszyn

Novemberpogrom

22.11.1938 Ankunft von Lilli und Bruder Max mit dem Zug in Rotterdam

22.11.1938 Unterbringung von Lilli und Bruder Max im „Koloniehuis Rotterdam“ des I.G.K. Monster, Barendzstraat 24, Ter Heijde (Monster)

3.4.1939 Verlegung von Lilly und Max in das Kinderheim Huize Kraaybeek, Hoofdstraat 63, Driebergen

2.12.1939 Bruder Max zur Hachschara ins Werkdorp Wieringermeer

Alija von Rena Kellner

15.3.1939 Einschiffung von Schwester Rena in Triest auf der SS PALESTINA

21.3.1939 Ankunft von Schwester Rena in Haifa mit Fremdenpass und Studentenzertifikat der Kategorie B(III) der Jugendalija

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam das Hachschara Zentrum „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. 99 Jugendliche fanden hier Zuflucht. Ab 1939 bis zur Schließung am 16.10.1940 bestand parallel der Jugendalija Hof von Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 14-Jährige.

Nachdem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde das Lager kurzfristig nach Alkmaar evakuiert.

2.1.1940 Lilly Kellner in das Jugendalijah-Heim in Loosdrecht, „het Paviljoen“

7.5.1940 Bruder Max folgt aus dem Werkdorp nach Loosdrecht, „het Paviljoen“

v. l. David Rosenbaum, Lilly Kellner, Jossel Waldmann

Lilli Kellner kümmerte sich auch um die Kaninchenzucht in Loosdrecht

Lilly Kellner (mit Bruder Moses?)

Lilly Kellner kam nach Rosa Kratzer als zweites Mädchen auf den Hof von Frau J. Veraar-Meijer in Loosdrecht Oud-Loosdrechtsedijk 14. Als drittes Mädchen kam Ruth Ehrenfest aus Wien dazu.

Ihr Bruder Max arbeitete bei Bauer Schoenmaker

Loosdrecht Sommer 1942; Lilli Kellner ganz oben dritte von rechts

Onderduiker

7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.

14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz

15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.

12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen.  Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.

13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.

Karteikarte mit dem typischen Datumsstempel der Onderduiker aus Loosdrecht

Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!

Verhaftung an der belgischen Grenze

September 1942 eine Gruppe von acht „onderduiker“ aus Loosdrecht soll über Belgien und Frankreich in die Schweiz geschleust werden: Siegbert Leo Adler, Bernhard Aschheim, Robert Jozef Dürheim, Esra Jurovics, Lilly Kellner, Juda Pinkhof, Fabian Schön und Jossel Waldmann.

8.9.1942 Sie werden beim Grenzübertritt verhaftet und zum SD (Gestapo) nach Brüssel gebracht

25.10.1942 Internierung der Gruppe im Sammellager Kazerne Dossin in Mechelen

28.10.1942 Siegbert Adler und Robert Dürheim auf dem XVI. Transport von Mechelen nach Auschwitz

30.10.1942 Deportation von Lilli Kellner mit fünf weiteren Flüchtlingen auf dem XVII. Transport von Mechelen nach Auschwitz

18.8.1943 Chana Kellner von Mechelen nach Auschwitz

Der Verlorene Zug

Bruder Max Moses nach Abschluss der Hachschara ins Huize Voorburg in Elden

4.10.1942 Auflösung von Elden; Internierung in Westerbork

11.1.1944 Transport von Westerbork ins Sternlager Bergen-Belsen

10. 4.1945 Evakuierung der Austauschjuden von Bergen-Belsen in drei Transportzügen mit dem Ziel Theresienstadt; Moses Kellner auf dem dritten Transport, dem „Verlorenen Zug“.

4. 9.1945 Alija beth von Moses Kellner nach Haifa

14.3.1958 Einreise von Flughafen Prestwick in Schottland nach New York als Israelischer Staatsbürger

Gedenken

21.8.1958 Page of Testimony für Lilly Kellner von Schwester Rina Bleier

Mirjam Pinkhof-Waterman beschreibt sie 1987 so:

„Lilli war ein fröhliches Mädchen. Ziemlich hübsch, errötend, immer zufrieden, immer bereit, das zu tun was eben gerade getan werden musste. Eine Weile arbeitete sie in Het Paviloen in der Wäscherei… Später kam sie zum Veraar-Bauernhof, wo sie zusammen mit Rosel und Ruth arbeitete. Sie war sehr stark und konnte graben wie die kräftigsten Jungen.“

Quellen

https://www.joodsmonument.nl/en/page/618225/lilli-kellner-yad-vashem-ii.jpg

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de897433

http://dokin.nl/deceased-children/Lilli-Kellner-born-12-Jul-1925

http://www.dokin.nl/surviving_children/max-moses-kellner-born-8-jun-1924/

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130318069

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130318070

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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