Erna Esther Schein
*19.11.1921 in Wartenburg, Allenstein; ✡ 8.11.2013
Staatsangehörigkeit staatenlos
Religion jüdisch
Vater Jakob Schein *15.10.1874 in Tauroggen; ✡ 1942 Treblinka
Mutter Rahel Pserowski *19.10.1884 in Rucken, Tilsit; ✡1942 Treblinka
Geschwister sechs
Benjamin Schein
Schwester Tema Ben Amitai
Schwester Schein; oo Olschewski
Beruf Landwirtschaftliche Praktikantin
Adressen Wartenburg; Leipzig; Havelberg; Spreenhagen; Wieringen
Heirat 1943 in Westerbork; 1946 in Jaffa

Heinz Schlesinger *4.2.1924 in Köthen-Anhalt; ✡ 18.3.2004 in Hod Hasharon
Kinder zwei
Weiterer Lebensweg
Waldgehöft Havelberg
Erna Schein zur landwirtschaftlichen Hachschara ins Waldgehöft, auch Jagdgehöft Barella, Damlacker Weg, nördlich von Havelberg (1934-1941), Träger bis zum Pogrom November 1938 war der Hechaluz, dann die RVJD. Die frühere Jagdpacht gehörte dem jüdischen Rechtsanwalt Siegfried Freund, er war zunächst auch der Leiter. Es umfasste acht Hektar Land, eine kleine Villa, zwei Wohnhäuser, eine Werkstatt, einen Stall, Gewächshäuser und Schuppen. Bis zu 50 Chaluzim waren hier untergebracht.
Gut Winkel
Erna Schein wechselt zur Hachschara, ins Lehrgut Schocken, Gut Winkel bei Spreenhagen, Kreis Beeskow. Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.
1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.
Im Novemberpogrom 1938 wurde Gut Winkel nicht überfallen.

Bei der Minderheitenvolkszählung am 17. Mai 1939 wurden 210 jüdische Bewohner erfasst.

Von Juni 1941 bis Februar 1943 (Fabrikaktion) war es Arbeitseinsatzlager.
Abmeldung von Erna Schein aus Spreenhagen nach Wartenberg zu den Eltern
Joodse Werkdorp Wieringen
30.6.1939 Erna Schein von Wartenberg in das Werkdorp Wieringen, Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen)
Auflösung des Werkdorp und die zweite große Razzia in Amsterdam
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes.
14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle
Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam;

Nach Auflösung des Werkdorp arbeitet sie als Angestellte des Joodse Raad in der Küche des Jugendheims in der Plantage Franschelaan 13
Kamp Westerbork
27.5.1943 Transport von Amsterdam ins polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork.
In Westerbork blieb die gesamte Hachschara-Gruppe nach Intervention von Josef Samson („oude kampbewooner“) zunächst von den Deportationen zurückgestellt; dessen Sohn Manfred Shlomo Samson war ebenfalls Mitglied der Elden- Hachschara.
Vater Josef Samson, Leiter der Arbeitsverwaltung in Westerbork, Innendienst-Abteilung 5, arrangiert mit dem SS-Kommandanten Gemmeker, die Chaluzim als qualifizierte Landarbeiter auf Feldern außerhalb des Lagers einzusetzen. Neben dem Lager befand sich ein Bauernhof, genannt Schattenberg, den sie bewirtschafteten und dies Hachschara Westerbork nannten. Diese Pioniere, nicht nur aus Elden, wurden nach ihrem Leiter Josef Klijnkramer als „Kleinkramer-groep“ bezeichnet.
Die meisten waren in der „Hachschara-Baracke“ Nr. 64 untergebracht.
14.9.1943 Deportation der über 20-jährigen Chaluzim nach Auschwitz; auf diesem Transport befanden sich mehrere orthodoxe Chaluzim u.a. Ernst Cosmann, Heinz Friedländer, Arnold Erlanger, Karl Elias und Erwin Moses.
Die Chaluzim unter 21 Jahren mit Palästina Zertifikat nach abgeschlossener Hachschara erhielten eine Palästina-Verklaring als „Austauschjuden“; sie sollten gegen Deutsche, die in Palästina („Templer“) oder einem anderen Staat des Britischen Empire lebten.

Heirat in Westerbork mit Heinz Schlesinger
Austauschtransporte von Westerbork nach Bergen Belsen
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
11.1.1944 Erna Schein mit Ehemann Heinz und zahlreichen Chaluzim auf dem zweiten Transport von 1037 „Austauschjuden“ nach Bergen Belsen
Der Verlorene Zug
10.4.1945 Evakuierung der Austauschjuden von Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt
23.4.1945 die Irrfahrt des verlorenen Zuges endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz

Befreiung des Ehepaar Heinz und Erna Schlesinger in Tröbitz durch die 1. Ukrainische Front der Roten Armee, General Tschukow
7/1945 die niederländischen Rückkehrer werden zunächst im Sammellager Abtei St. Benediktusberg in Mamelis Vaals bei Maastricht interniert.

Alija beth Tel Hai
März 1946 großer Militär-LKW-Konvoi von Antwerpen nach Marseille. Mitten in der Nacht erreichte der Konvoi ein Feld in der Nähe von Marseille, wo Mitglieder der „Bricha“ und Abgesandte des „Mossad für Aliyah Bet“ warten. Nach Erhalt des Befehls fahren die Lastwagen in die Stadt ein und setzten die illegalen Einwanderer in einem französischen Flüchtlingslager ab, von wo aus sie mit französischen Armeebooten zum Hafen von
Von „La Ciotat“ transportiert wurden, 30 km östlich von Marseille. Dort gingen sie an Bord der von der Haganah gecharterten SS TEL HAI.
17.3.1946 am Abend Abreise auf der SS TEL HAI mit 743 Menschen an Bord, davon 736 illegale Einwanderer darunter etwa 300 NOHAM Mitgliedern, etwa 60 vom Gehringshof und aus Bergen-Belsen Die Überfahrt ist stürmisch, das Schiff muss in Bonifacio/Korsika und auf Kreta einen schützenden Hafen suchen

28.3.1946 Ankunft in Haifa auf der SS TEL HAI

13.4.1946 erneute Eheschließung in Jaffa
Die Deportation der Eltern
17.5.1939 Rahel und Jakob Schein in Wartenburg, Passenheimer Straße 7 bei der Minderheitenzählung


25.-27.8.1942 beide Eltern auf dem Transport XIV/1 Tilsit-Königsberg-Theresienstadt

23.9.1942 Deportation der Eltern auf dem Transport B q aus Theresienstadt in das KL Treblinka
Gedenken
5.6.1956 Pages of Testimony für die Eltern von Bruder Benjamin Schein
1.7.1956 Pages of Testimony für die Eltern von Schwester Tema Ben Amitai
10.7.1999 Pages of Testimony für die Eltern von Erna Schlesinger
Grabstein für Heinz und Erna Schlesinger auf dem New Hod Hasharon Neve Hadar Cemetery
Quellen
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Schein%22%7D
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Die Deportation der Eltern
17.5.1939 Rahel und Jakob Schein in Wartenburg bei der Minderheitenzählung
25.-27.8.1942 beide Eltern auf dem Transport XIV/1 Tilsit-Königsberg-Theresienstadt
23.9.1942 Deportation der Eltern auf dem Transport B q aus Theresienstadt in das KL Treblinka
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316