Heilbrun Hans

Hans Heilbrun

*16.3.1917 in Nordhausen, Thüringen; ✡15.1.1973 in Placer, Kalifornien

Religion jüdisch

Vater Bruno Heilbrun *5.2.1882 in Nordhausen; ✡24.2.1945 in Ithaka, USA

Heirat der Eltern 26.7.1911

Mutter Grete Selly Löwenthal *11.6.1890 in Behrungen; ✡17.6.1967 in New York

Geschwister

Kurt Heilbrun *24.7.1913 Nordhausen; ✡ 12.10.1941 Massenerschießung Zasavica

Ruth Heilbrun *13.2.1925 in Nordhausen; ✡ 21.12. 2012 Ithaca, Tompkins County; oo Hans Windmüller

Onkel Leon Heilbrun *13.5.1883 in Nordhausen; ; ✡ August 1942 in Drancy

Tante Erna geb. Heilbrunn *12.6.1897 in Eisenach; ✡ August 1942 in Drancy

Cousine Ingeborg Heilbrun *24.5.1925 in Nordhausen; ✡ August 1942 in Drancy

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Nordhausen, Schackenhof 2; Groß Breesen; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen);

Heirat 9/1945 in Hendon, Middlesex mit Hannelore Heilbrun *7.11.1924 in Nordhausen; ✡15.10.1971 in San Francisco

Sohn

Peter Brian Heilbrun *25.5.1946 New York; ✡4.3.2008 in Surprise, Arizona; oo Berg

Weiterer Lebensweg

1.Weltkrieg -Kriegsgefallene aus Nordhausen

Julius Heilbrunn * 31.12.1888 in Nordhausen, vor 1914 in Pforzheim; ✡14.6.1915

Leutnant Erich Heilbrunn * 22.7.1890 in Nordhausen, vor 1914 in Nürnberg; ✡21.3.1918 (Julius und Erich Heilbrun waren Onkel)

1939 Hannelore Heilbrun mit Kindertransport aus Nordhausen nach England

Übersee-Gruppenwanderer Lehrgut Groß Breesen

Groß Breesen wurde vor 1933 vom Hechaluz genutzt, erst ab 1936 wurde die Ausbildungs-Stätte von nicht-zionistischen Organisationen für landwirtschaftlichen Umschichtungen reaktiviert.

Mai 1936 Eröffnung des nichtzionistischen Übersee-Gruppenwanderer Lehrgutes Groß Breesen; im Gegensatz zu anderen Lagern ist Groß Breesen nicht an jüdische Organisationen gebunden, war jedoch stark geprägt vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V., assimiliert, liberal, national)

1936-1939 Curt „Bo“ Bondy Lagerleiter und pädagogischer Leiter, auf Bitten von Leo Baeck; von vielen ‚Groß-Breesenern‘ wurde er als charismatische Persönlichkeit, der sie viel zu verdanken haben, verehrt. Unterstützt wurde er von Ernst Cramer, einem älteren Praktikanten.

Leiter der landwirtschaftlichen Ausbildung war der Landwirtschaftliche Inspektor Erwin Scheier, dessen Frau Ruth oblag die Hauswirtschaft, Tischlermeister Max Kiwi die Schreinerei. Ilse Rohr war als Erzieherin angestellt: Sie gehörte vermutlich zur Gutsbesitzerfamilie Rohr.

Hans Heilbrun zur Hachschara ins Überseeauswanderer Lager Groß Breesen

Novemberpogrom

10.11.1938 Überfall der SA auf den Hof in Groß Breesen, alle über 18-Jährigen Männer werden mit einem Bus abgeführt und ins KL Buchenwald gebracht, auch Curt Bondy, der als Homosexueller besonders gefährdet war; die Frauen und Jungen bleiben auf dem Hof zurück.

10.11.1938 Hans und Kurt Heilbrun interniert im KL Buchenwald, Häftlingsnummern für Hans 20889, Kurt Heilbrun 20864

10.11.1938 Fünf Männer der Familie Heilbrun verhaftet und interniert im KL Buchenwald: Hans, Vater Bruno, Bruder Kurt, Onkel Leon

13.2.1939 zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

1.5.1940 Offizielle Abmeldung in die USA

26.4.1940 Einschiffung von Hans Heilbrunn auf der SS PENNLAND in Antwerpen; als Kontakt gibt er seine Großmutter H. Löwenthal an

16.5.1940 Ankunft von Antwerpen über Southampton in New York

Zieladresse Hyde Farmlands, Chawer Gerd Tworoger

Die Irrfahrt der St. Louis Mai-Juni 1939

Von der Familie Heilbrun sind auf der St.Louis eingeschifft:

Vater Bruno, Mutter Grete, Schwester Ruth, Onkel Leon, Tante und Cousine Ingeborg

13.5.-17.6.1939 die Irrfahrt der St. LOUIS ab Hamburg nach Kuba und zurück; trotz gültiger Visa werden 937 jüdische Emigranten von Kuba, USA und Kanada abgewiesen, müssen nach Europa zurück

17.6.1939 Ausschiffung in Antwerpen; die Niederlande übernehmen 218 Emigranten; weitere werden in England, Belgien und Frankreich als Asylanten aufgenommen.

Die Familie Heilbrun kommt in das Internierungslager Nexon in Frankreich.

Die Eltern können mit Schwester Ruth über das Internierungslager in Marseille und Casablanca in die USA emigrieren.

7.6.-25.6.1942 beide Eltern mit Schwester Ruth auf der SS SERPA PINTO von Casablanca nach New York

August 1942 Gemeinschaftlicher Suizid der Familie von Leon Heilbrun vor der Deportation von Drancy nach Auschwitz

Die Thalhimer-Farm „Hyde Farmlands“

William B. Thalhimer, Warenhausbesitzer in Richmond, kaufte die Farm „Hyde Farmlands“ in Nottoway County, Virginia zur landwirtschaftlichen Ausbildung jüdischer Jugendlicher für die „Virginiagruppe“ der Breesener (Chawerim aus dem Hachscharalager Groß-Breesen)

1940 Fünfundzwanzig Groß-Breesener können mit einer Sonderquote für Landwirte nur für die Hyde Farmlands einreisen.

30.4.1940 – bei US Census erfasst in Haytakol, Nottoway auf  Hyde Farmlands als „farmhand“ mit den zwei Werkdorpern Gerd Tworoger und Hermann Kiwi, 24 jüdischen Flüchtlingen aus Groß-Breesen, so auch Rolf Falkenstein aus Recklinghausen

Als „Head“ wird Henry Cornes Heinz Kahn (HaKa) aus Eschwege geführt

Ende 1941 nach Erkrankung von Thalhimer wird die Farm geschlossen; bei Kriegseintritt der USA gehen viele Chawerim in die US Army;

23.10.1940 Registrierung von Hans Heilbrun für die US-Army

11.4.1941 Hans Heilbrun eingeschrieben als Soldat der US Army

September 1945 Heirat von Hans Heilbrun in Hendon, Middlesex

18.1.1948 Ankunft von Hans Heilbrun in New York

15.1.1973 Tod von Hans Heilbrun in New York

Quellen

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278089

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6635); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6467); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Artur Wolff, Damit es nicht vergessen wird, Bericht in zwei Teilen, 1991

https://archive.org/details/jdischesausb001f022/page/n2/mode/1up?view=theater

https://zeitgeschichte-hamburg.de/files/public/FZH/Publikationen_digital/Werner%20T%20Angress%20Generation%20zwischen%20Furcht%20und%20Hoffnung.pdf

https://www.yumpu.com/de/document/read/3840614/21-brief-19-p745-54-gross-breesen-silesia

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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