Hirschfeld Ruth

Ruth Hirschfeld

*10.5.1919 in Graudenz; 13.6.1984

oo Smolka

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Albert Hirschfeld *27.7.1876 in Graudenz; Theresienstadt, Schweiz; ✡11.3.1967 in Israel

Mutter Paula Lewin *3.2.1879 in Wronke, Posen; Theresienstadt, Schweiz

v.l. Albert, Walli, Betti, Ruth, Dorothea und Paula Hirschfeld

Geschwister

Betti Hirschfeld *10.6.1914 in Graudenz; ✡ 1943 in Auschwitz

Dorothea Dwora Hirschfeld *29.12.1915 in Graudenz; oo Meyer

Walli Selma Hirschfeld *28.10.1921 in Graudenz; ✡ 1943 in Auschwitz; oo Rolf Baruch

Beruf Praktikantin

Adressen Graudenz; Leipzig, Promenadenstraße 33, Humboldtstraße 6 II; Jessen, Ellguth, Steinau

Heirat oo Smolka

Kinder ?

Weiterer Lebensweg

1936 Schwester Dorothea emigriert nach Palästina

Jessen Mühle

17.5.1939 Ruth Hirschfeld in Klein-Schnellendorf bei Minderheiten-Volkszählung

Das Hachschara-Lehrgut Jessen Mühle bei Sorau in der Niederlausitz bestand in der Zeit von 1932 – 1943; Träger war die Jüdische Jugendhilfe. Hier wurden für jeweils etwa 30 Chawerim, jugendliche Pioniere des Hechaluz über einige Monate in verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten, in Hauswirtschaft und in Landwirtschaft zur Vorbereitung auf die Alija ausgebildet (Erstausbildung und Mittlere Hachschara für 14-18 -Jährige)

1938 war Wolfgang Berger Leiter von Jessen Mühle

Polenaktion

28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch polnischstämmige Chaluzim abgeschoben. Brunhilde Hoffmann, später Dina Cohen kam im September 1938 nach Jessen, sie schreibt:

„In der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober 1938 wurden im Rahmen der „Polenausweisung“ auch in Jessen Jugendliche und Erwachsene mit polnischer Staatsangehörigkeit verhaftet. … Wir haben Glück gehabt, denn der Bürgermeister von Jessen war sehr anständig und wir sind unbehelligt geblieben.“

Novemberpogrom

10.11.1938 Überfall der Gestapo auf Gut Ellguth; alle erwachsenen Männer nach Buchenwald, so auch Hans Baum aus Herne

Die Gestapo-Nebenstelle in Forst verlangte die Schließung der beiden nur zwei Kilometer voneinander entfernten Lager in Schniebinchen und Jessen. Vom RSHA in Berlin wurde dem nicht stattgegeben, so dass der Betrieb bis zur Schließung 1941 weitergehen konnte.

6.11.1939 Verlegung der über 14 Jahre alten 23 Schüler aus dem Internat der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem unter der Leitung von Musiklehrer Klaus Glücksmann  und Gertrud Weil als Madrichim zur Hachschara nach Jessen-Mühle.

1939 -1941 Hans Wolfgang Cohn als Nachfolger von Wolfgang Berger Leiter des Hachscharazentrums Jessen-Mühle bei Sommerfeld in der Niederlausitz zusammen mit Gertrud Weil als Madrichim die Leiter von Jessen

17.5.1939 Eltern mit den Schwestern Betti und Walli in Leipzig bei Minderheiten-Volkszählung

23.6.1939 Vertrag zwischen der RVJD und der Stadt Paderborn zur Errichtung des Umschulungs- und Einsatzlagers Paderborn, Grüner Weg 86;

13.11.1939 Rolf Baruch aus Garzin ins Lager Paderborn

3.12.1939 Walli Hirschfeld aus Leipzig angemeldet im Lager Paderborn

27.5.1940 Walli Hirschfeld abgemeldet aus Paderborn zusammen mit Rolf Baruch nach Schniebinchen, Hachscharalager, später Wechsel ins Landwerk Neuendorf im Sande

Alija beth auf der SS HILDA – Sonderhachschara 2

13.10.1939 Sammeln der Ma’apilim aus Ellguth, Schniebinchen u.a. Lehrgütern im Gemeindezentrum in Breslau

14.10.1939 1 Uhr nachts Bahnfahrt von Breslau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam von Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien

14.10. 1939 Ankunft in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest

6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen

26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDA

15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert

22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa

24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung

29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluß von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung

29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlith verbracht

20.9.1940 Entlassung von Ruth Hirschberg aus Atlith

Deportationen

19.9.1942 beide Eltern auf Transport XVI/1 von Leipzig nach Theresienstadt

November 1942 in Kraft tretendes Gesetz: „Alle im Reich gelegenen Konzentrationslager sind judenfrei zu machen und sämtliche Juden sind nach Auschwitz und Lublin zu deportieren.“

17.-26.2.1943 Schwester Betti im Sammellager Große Hamburger Straße Berlin

26.2.1943 Osttransport Schwester Betti von Berlin nach Auschwitz

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

10.4.1943 Verhaftung von Walli Hirschfeld in Neuendorf; mit 158 Chawerim aus dem Landwerk Neuendorf im Sande nach Berlin, Sammellager Große Hamburger Straße

19.4.1943 37.Osttransport von Schwester Walli mit Ehemann Rolf Baruch von Berlin ->  Auschwitz

Rolf Baruch bei der Selektion an der Rampe eingewiesen in Auschwitz III zum Aufbau des IG-Farben Werkes Buna Monowitz, Häftlingsnummer 116942

Todesmarsch

18.1.1945 „Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca 60 000 Häftlinge auf dem Todesmarsch über 80 km von Auschwitz nach Gleiwitz; Isidor Philipp berichtet:

„Wer sich hinlegte, wurde von den SS-Männern, die auf Motorrädern fuhren, erschossen.“

„Von dort begann dann – in offenen Kohlewaggons und bei 15 Grad unter Null – die Fahrt durch Polen, Tschechoslowakei und Österreich zurück nach Deutschland.“

Rolf Baruch im KL Mittelbau Dora bei Nordhausen, V2-Produktion

2.2.1945 Transport von Rolf nach Buchenwald, von dort direkt ins KL-Außenlager von Mittelbau Dora, Kaserne Boelcke-Nordhausen;

Dora-Mittelbau war Außenlager des KZ Buchenwald Sommer 1943-Oktober 1944, dann eigenständiges Konzentrationslager

3.4.1945 fataler Luftangriff der Allierten auf die Boelcke Kaserne mit 1000 Toten und 2000 weiteren in den nächsten Wochen

Tod von Rolf Baruch in der Boehlke Kaserne vermutlich nach dem alliiertem Luftangriff vom 3.4.1945

Freiheitstransport Theresienstadt – St. Gallen

5.2.1945 die Eltern Albert und Paula Hirschfeld mit dem einzigen Freiheitstransport aus dem Ghetto Theresienstadt am Transport Ew, Nr.334 Zugnummer 182 T über Konstanz nach Kreuzlingen in die Schweiz

7.2.1945 Eintreffen der Eltern in St. Gallen, Unterbringung im Flüchtlingsheim im Hadwig

Ab dem 10.2.1945 Verlegungen aus dem Flüchtlingsheim im Hadwig zur Quarantäne in das Hotel Belmont in Montreux

14.3.1945 Eltern nach Ablauf der Quarantäne in Montreux verlegt ins Flüchtlingsheim Monte Bre, Ruvigliana, Lugano

Juli 1947 Ausreise der Eltern zur Tochter Dorothea Dwora Meyer nach Palästina

Gedenken

5.5.1999 Pages of Testimony für Walli und Betti Hirschfeld von Schwester Deborah Meyer

2014 Roman von Urs Faes „Sommer in Brandenburg“

Grabstein für Ruth Smolka auf dem Ne’Ot Mordekhai Cemetery, Israel

Quellen

Friedel Homeyer; Hrsg. Landkreis Hannover, Gartenbauschule Ahlem 1893-1979; 1980

https://www.mappingthelives.org

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1045413

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1071935

www.baruchfamily.wordpress.com/2015/06/10/walli-hirschfeld/

www.baruchfamily.wordpress.com/2020/06/23/the-death-of-rolf-baruch-an-end-to-a-family/

https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=3319671

https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=3319672

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/129820085?s=Hirschfeld%20Walli%201921&t=532517&p=2

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/130832600?s=Baruch%20Rolf%201920&t=1108126&p=2

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/128455699?s=Hirschfeld%20Albert%201876&t=230364&p=2

Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7

Ernest W. Michel, „Promises Kept – Ein Lebensweg gegen alle Wahrscheinlichkeiten“, 2013

Kurt Salinger, Nächstes Jahr im Kibbutz, Paderborn 1998

www.80jahrepogrom.jgpb.de/erwin-angress/

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1045391

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/127212280?s=Bertram%20Grass&t=228865&p=0

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de878683

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT29-31.jpg

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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