Neumann Gertrud

Gertrud Neumann geb. Cohn

*29.7.1891 in Berlin; Überlebende

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater unbekannt

Mutter unbekann

Geschwister unbekannt

Tochter Margot Neumann *3.1.1920 in Berlin; ✡in Israel

Beruf

Adressen Berlin; Amsterdam

Heirat Kurt Neumann *19.11.1889 in Widminnen;✡1944 in Auschwitz; oo Gertrud Cohn

Geschwister des Ehemanns

Frieda Neumann *13.12.1885 in Milken; ✡11.1.1972 in Alonim; oo Blanari

Meta Martha Neumann *19.2.1881 in Milken; ✡9.5.1942 in Kulmhof; Hugo Grünthal

Elisabeth Kalkstein-Neumann *5.8.1879 in Milken; Überlebende; oo Mordko Kalkstein

Josef Neumann *9.10.1892 in Widminnen

Max David Neumann *14.10.1895 in Widminnen; 31.10.1944 Auschwitz; oo Rika Nathans

Neffe Horst Norbert Kalkstein*13.8.1910 in Berlin; ✡16.9.1941 in Mauthausen

Weiterer Lebensweg

9.11.1933 Flucht Gertrud und Kurt Neumann nach Amsterdam

Dezember 1933 Flucht von Neffe Horst Norbert Kalkstein nach Amsterdam

31.1.1935 Schwägerin Frieda mit Ehemann David Blanare und den Söhnen Hans (1919) und Rudi (1922) nach Haifa

2.1.1939 Elisabeth und Mordko Kalkstein mit der Schwiegermutter Henriette Neumann aus Berlin nach Amsterdam, Krammerstraat 20

23.3.1939 Horst Kalkstein zieht zu den Eltern in die Krammerstraat 20

30.11.1939 Tod des Schwagers Mordko Kalkstein in Amsterdam

9.3.1942 Tod der Schwiegermutter Henriette Neumann in Amsterdam

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Tochter Margot Neumann zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

Minderheitenzählung

17.5.1939 Margot Neumann registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen

Alija beth auf der SS HILDA – Sonderhachschara 2

12.10.1939 Bahnfahrt von Tochter Margot ab Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam von Breslau nach Wien

14.10. 1939 Ankunft in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest

6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen

26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDA

15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert

22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa

24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung

29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluß von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung

29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht

13.2.1940 Registrierung in Athlit; Margot Neumann gibt als Referenz die Betriebsleiter Wolfgang Berger und Martin Gerson aus Schniebinchen an , als Gemeindeältesten Rabbi Kondlowsky (Dokument 18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager

D/627/40/CHU);

29.7.1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit

Die zweite große Razzia in Amsterdam – „Juni – Groep“

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

11.6.1941 Neffe Horst NorbertKalkstein verhaftet als „Vergeltungsmaßnahme“; 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ werden im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; vier von ihnen werden freigelassen, die keine „Volljuden sind (keine vier jüdischen Großeltern).

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; keiner überlebt das Jahr 1941

16.9.1941 Tod von Horst NorbertKalkstein im KL Mauthausen

Amsterdam – Kamp Westerbork – KL VUGHT – Auschwitz – Schweden

20.6.1943 Einweisung von Gertrud und Max Neumann sowie Elisabeth Kalkstein und Max Neumann mit Ehefrau  Rika Nathans aus Amsterdam in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

26.6.1943 Verlegung von Ehemann Kurt aus Westerbork in das KL Vught; vermutlich wurde er dort mit einer leitenden Funktion im Außenlager Philipps betraut; im Juli folgen ihm dann seine Frau Gertrud sowie sein Bruder Max mit Ehefrau Rika  und Schwägerin Elisabeth Kalksteinnach Vught

23.3.1944 Kurt Neumann auf dem Transport von Westerbork nach Auschwitz

In Auschwitz wird Kurt Neumann mit Bruder Max zur Zwangsarbeit nach Monowitz beordert.

1944 vermutlich im Sommer ist er wie sein Bruder Max derart geschwächt, dass beide als „Muselmann“ in die Gaskammern von Auschwitz Birkenau gefahren worden sein sollen. Das Datum Dezember 1944 muss auf einem Irrtum beruhen; die Gaskammern waren bereits im November 1944 stillgelegt.

31.12.1944 offizielles Todesdatum von Kurt Neumann in Auschwitz.

KL Vught – PHILIPS Deportation – Auschwitz – Ravensbrück -Schweden

5.7.1943 Gertrud Neumann sowie ihre Schwägerinnen Elisabeth Kalkstein Rika Nathans aus dem Kamp Westerbork in das KL Vught, zur Zwangsarbeit im Außenlager der Fa. Philips in Eindhoven

Juni 1944 Schließung des KL Vught

3.6.1944 Gertrud Neumann sowie ihre Schwägerinnen Elisabeth Kalkstein Rika Nathans mit 496 Philips-Gefangenen bei der „PHILIPS Deportation“ auf der Transportliste vom KL Vught nach Auschwitz

Lilly Klafter aus Amsterdam berichtet:

„They told us that we were being sent East, to work.  They put us on passenger trains in good condition.  We didn’t know where we were going.  Two days later we reached the camp [Auschwitz-Birkenau]… They got us off the trains with screams and deadly blows.  They stood us in a line… they brought us to the „sauna“.  We smelled something dreadful, and asked the veteran inmates what the strange smell was.  „That’s scorched human flesh.“  We didn’t believe our ears.  What did that mean? „Yes, here, human beings are burned.“  When they brought us to the „sauna“, we saw chimneys belching out thick smoke…“

Nach etwa sieben Wochen wird die Gruppe der „Philips-Facharbeiterinnen“ verlegt nach Reichenbach in die Telefunken-Fabrik

Bereits August 1944 kamen 2.500 Frauen aus dem KL Ravensbrück in das Außenlager Helmstedt-Beendorf zur unterirdischen Rüstungsproduktion. Die Bergwerke „Marie“ bei Beendorf und „Bartensleben“ bei Morsleben erhielten die Decknamen „Bulldogge“ und „Iltis“. Anfang Dezember 1944 kommen die Frauen der Diamantgroep hinzu.

Am 10. April 1945 erfolgt die Räumung beider Lager in Eisenbahnwaggons über Magdeburg, Stendal und Wittenberge in das Auffanglager Wöbbelin bei Ludwigslust, wo die Männer bis zu ihrer Befreiung durch amerikanische Streitkräfte am 2. Mai 1945 bleiben. Die Frauen werden nach Hamburg weitertransportiert, wobei zahlreiche an Erschöpfung, Hunger und Durst starben.

20./21.4.1945 in das am erst 7. April geräumte Außenlager Hamburg Eidelstedt werden erneut mehrere hundert Frauen eingewiesen. Anfang Mai kamen weitere Häftlinge aus den Hamburger Frauenaußenlagern Langenhorn/Ochsenzoll und Wandsbek hinzu.

1.5.1945 Gertrud Neumann sowie ihre Schwägerinnen Elisabeth Kalkstein und Rika Nathans auf einem Rote-Kreuz-Rettungstransport mit vielen Frauen nach Dänemark oder Schweden gerettet.

1945 Rückkehr von Gertrud Neumann und Elisabeth Kalkstein aus Schweden in die Niederlande

Gedenken

14.4.1999 Pages of Testimony für Kurt Neumann von Rachel Feinbaum Neumann und Frida Blanari

Pages of Testimony für Horst Kalkstein von Tante Frida Blanari sowie von Cousine Ursel Kalkstein-Levy

Quellen

https://www.amsterdam.nl/stadsarchief/themasites/razzia

https://www.oorlogsbronnen.nl

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/50/Februari1941staking.gif

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130315222

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5280149

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5280337

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-1-5-1_8012500204?s=8012500204

Walter Poller, Arztschreiber in Buchenwald, Verlag Das Segel, 1960

Eugen Kogon,

Der SS-Staat, Der Untergang der holländischen Juden, S.213-215; Kindler 1974

https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Kalkstein%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Cohn%20%201858%22%7D

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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