Rothschild Eduard

Eduard Edu Ehrhard Rothschild

*26.3.1921 in Frankfurt; ✡ 12.11.1942 in Mauthausen

Religion jüdisch

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Louis Rothschild *6.4.1864 in Homburg v.d. Höhe; ✡17.9.1942 in Theresienstadt

Mutter Melanie Emmerich *13.12.1880 in Homburg; ✡15.8.1944 in Theresienstadt

Großmutter Eugenie Emmerich *2.5.1859

Geschwister

Marianne Rothschild *9.4.1919; ✡17.9.2017 Ravensburg; oo Fred Schwab (1918-2009)

Beruf Praktikant

Adressen Bad Homburg, Louisenstraße 92, Kisseleffstraße 12; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer; Franeker; Hummelo

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

1912 Homburg v. d. Höhe erhält den Namenszusatz „Bad“

Vater Louis Rothschild war Bankier in Homburg

Ostern 1927 Einschulung Volksschule Bad Homburg

Eduard Rothschild Nr. 16, Schwester Marianne Nr. 10, Purim1929

Purim 1929 in Homburg

Novemberpogrom

10.11.1939 Die Wohnung der Familie wird verwüstet

17.3.1939 Schwester Marianne mit der Großmutter Eugenie nach England,

29.9.1939 Marianne und Großmutter Eugenie bei britschem Census in Hampstead bei der Tante Clotilde Levy/Tilly Lincoln

3.10.1940 Ankunft von Schwester Marianne auf der SS EMPRESS OF AUSTRALIA in New York

Minderheitenzählung

17.5.1939 beide Eltern in Bad Homburg, Kisseleffstraße 12

Werkdorp Nieuwe Sluis

13.2.1939 Eduard Rothschild zur Hachschara vermutlich aus Homburg ins Werkdorp

25.2.1939 Flucht von Alfred Braun (Liegnitz) aus Groß Breesen ins Werkdorp

Eduard Rothschild angemeldet in Wieringermeer

Jetzt „Vieringer Meer in Holland“

Juni 1939 Robert Feblowicz aus Breesen zur Hachschara ins Werkdorp Wieringermeer

Ab Juni 1939 gehen Robert Feblowicz und Alfred Braun den Weg gemeinsam!

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

Eduard Rothschild, Alfred Braun und Robert Feblowicz gehören zu der Gruppe der 60 noch im Werkdorp Verbleibenden.

Der Kibbuz Laag en Keppel bei Hummelo

20.6.1941 Eduard Rothschild mit Robert Feblowicz und Alfred Baun abgemeldet nach Franeker.

21.7.1941 Eduard Rothschild mit Robert F. und Alfred Braun kurzzeitig im Kibbuz Franeker (bestand 1935 bis Dezember 1941)

14.8.1941 Eduard Rothschild in den Kibbuz Laag-Keppel

1941 Erwin Heinemann und Ernst Hartmann nach Hummelo in den Kibbuz Laag Keppel; der Kibbuz bestand von 1941 bis zur Räumung im März 1943

8.4.1941 Edith Bravmann (1939-1940 in Steckelsdorf) kommt in den Kibbuz Laag-Keppel

1.5.1941 Edith arbeitet als Küchenhilfe im Kibbuz Laag Keppel

12.8.1941 Robert und Willy wechseln in den Kibbuz Laag Keppel, Rijksweg, B 49

Eduard Rothschild im Kibbuz Laag Keppel

Dez. 1941 Karola Frohmann (mit Tochter Eva) als Hauswirtschaftsleiterin tätig; sie war bis Juni 1939 Hauswirtschafterin in Steckelsdorf

1942 die Chaluzim des Kibbuz Beverwijk kommen hinzu

Juli 1942 Eduard Rothschild noch im Kibbuz Laag en Keppel

Sonderbehandlung im KL Mauthausen

Eduard Rothschild verhaftet beim Versuch über die Grenze nach Belgien zu flüchten. Anschließend soll er in der Kazerne Dossin in Mechelen inhaftiert und von dort nach Auschwitz deportiert worden sein (fraglich).

7.11.1942 eingewiesen in das KL Mauthausen

Die Einweisung in das als Stufe III kategorisierte Lager Mauthausen bedeutete dabei faktisch eine Verurteilung zur „Vernichtung durch Arbeit“ im dortigen Steinbruch. Laut Erlass von Reinhard Heydrich: „Stufe III: Für schwer belastete, insbesondere auch gleichzeitig kriminell vorbestrafte und asoziale, d. h. kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge, das Lager: Mauthausen.“

In Mauthausen werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch, oftmals tödliche medizinische Experimente und Giftinjektionen ermordet.

Die Einweisung erfolgte offenbar als Einzeltransports eines Strafgefangenen zur Sonderbehandlung im KL Mauthausen; dafür genügte schon die Missachtung der zahlreichen Vorschriften für Juden durch den SD oder Widerstandsaktivitäten.

12.11.1942 Tod von Eduard Rothschild in Mauthausen (nach nur 5 Tagen!)

Theresienstadt

28.8.1942 beide Eltern aus dem Judenhaus in der Gorch-Fock-Straße Homburg nach Frankfurt ins Sammellager

1.9.1942 beide Eltern auf dem Transport XII/2 mit 1110 Juden von Frankfurt nach Theresienstadt

17.9.1942 Tod des Vaters in Theresienstadt

15.8.1944 Tod der Mutter in Theresienstadt

Gedenken

Stolpersteine in Bad Homburg, Louisenstraße 92 für Eduard und die Eltern Melanie und Louis Rothschild

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/1725770

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130365950

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_hhn_420901.html

http://stolpersteine-guide.de/map/biografie/1902/familie-rothschild

www.werkdorpwieringermeer.nl/

http://www.stolpersteine-badhomburg.de/

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de955329

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://yvng.yadvashem.org/ad

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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2 Kommentare

  1. Hallo, Herr Wittstamm,
    mein Name ist Cornelia Kunz und ich bin recherchierendes Mitglied der Stolperstein-Initiative Bad Homburg. Unser Vorsitzender, Herr Juretzek, hat Ihre Mail mit dem Link zu Edu Rothschild an mich weitergeleitet. Ich bin voller Bewunderung für Ihre Recherchearbeit und bin dankbar, dass Sie an uns gedacht und den Link geschickt haben. Sie haben den Hollandaufenthalt beleuchtet und Sie haben viele Quellen anfragen/nutzen können. Mit der Recherche war 2017 Angelika Rieber beschäftigt, wie aus unserer damals herausgegebenen Broschüre hervorgeht. Durch Ihre Nachforschungen stießen Sie auf Eduard Rothschilds Schicksal und fanden Antworten auf die von uns gestellten Fragen, die sich u.a. auf seine Hollandzeit bezog. Darüber hinaus danke ich Ihnen für die Quellenangabe; einige Quellen sind neu für mich und warten darauf, genutzt zu werden.
    Ein Austausch über unsere Recherchen, Reaktionen, Erfahrungen, … finde ich wichtig.
    Viele Grüße
    Cornelia Kunz

    1. Guten Abend
      Frau Cornelia Kunz,
      ich habe mich über Ihren wertschätzenden Kommentar sehr gefreut.
      Dafür herzlichen Dank!.
      Ich habe gleich mal eine Frage zu einer Biografie von Frieda Sommer *22.2.1905 in Hamburg (?), ebenfalls aus dem Werkdorp.
      Könnte es sein, dass sie tatsächlich aus Bad Homburg stammt, und gar nicht aus Hamburg?
      In Homburg lebten ja einige aus der Famile Sommer!
      Zumindestens ist ihr Pass auch in Bad Homburg ausgestellt
      21.10.1933 Passausstellung für Frieda Sommer in Bad Homburg.
      https://spurenimvest.de/2026/05/17/sommer-frieda/
      Bin gespannt auf Ihre Antwort
      Dr. Franz-Josef Wittstamm
      Bochum
      fjwittstamm@gmx.de
      http://www.spurenimvest.de

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