Herze Erich

Erich Hermann Herze

*5.7.1914 in Kaiserslautern; ✡ 29.9.1999 in Kaiserslautern

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Hugo Herze *29.7.1870 in Randerath; ✡ 7.2.1943 in Noe

Heirat der Eltern 24.10.1894 in Essweiler

Mutter Johanna Jakob *15.9.1874 in Essweiler; ✡ März 1943 in Gurs

Großeltern in Randerath Hermann Herze und Helene Liefgens

Tante Lina Herze *11.6.1875 in Randerath; 1941 nach Buenos Aires; oo verw. Braun

Onkel Siegmund Herze *7.9.1876 in Randerath; Händler; ✡ 9.12.1938

Cousin Hans Herze *14.3.1907 in Mülheim; ✡12.10.1941 in Zasavica, Massenerschießung

Geschwister

Leo Herze *17.7.1895 in Essweiler; ✡ 1914 in Kaiserslautern

Adolph Herze 13.12.1896 in Essweiler; ✡ 1942 in Riga; oo Rosa Lazar (*1902 Kaiserslautern)

Arthur Herze *16.8.1898 in Essweiler; ✡ Februar 1940 in Köln

Jacob Herze *13.2.1901 in Neunkirchen; ✡ 27.4.1941 in Gurs; oo Lydia Horn

Wilhelm Herze *22.1.1903 Kaiserslautern; ✡ 1986 New York; oo Rosa Lazar (*1902 Kaiserslautern)

Hedwig Herze *9.5.1909 in Kaiserslautern; ✡ 11.2.2002 Buenos Aires; oo Martin Wangenheim

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant, Gärtner

Adressen Heilbronn, Frankfurter Straße 9

Heirat  Blenda Osser *26.10.1913 in Lund, Skane; ✡ 31.10.1988 in Malmö

Kinder zwei

Anita Herze; ✡ Jörg

Weiterer Lebensweg

Erster Weltkrieg

1917 Bruder Adolf gerät in Kriegsgefangenschaft

1934 Bruder Wilhelm flieht mit Schwester Hedwig nach Paris, dann Paraguay und Buenos Aires

17.5.1939 beide Eltern mit Bruder Jakob und seiner Familie in Kaiserslautern, Klosterstraße 21 II bei der Minderheitenzählung

Hachschara Kibbuz Heilbronn

Das Haus auf der Frankfurter Straße 9

Vorbesitzer 1862 Moses Kirchheimer, Handelsmann

Vorbesitzer bis 1918 Hermann Baer, Häute-, Fell- und Lederhandlung Adler & Baer

Vorbesitzerin 1918-1920 Babette Baer geb. Adler *1860 in Obergimpern

Besitzer ab 1920 Max Mannheimer, Pferdehändler (1859-1930)

Die Familie Mannheimer

Aus der Familie Mannheimer wohnen auf der Frankfurter Straße 9:

Max Mannheimer und Emma geb. Aron (1870 -1947)

Erwin Mannheimer *1892 in Oedheim; oo Rita Mannheimer geb. Kusiel *1906 in Künzelsau; Söhne Martin Mannheimer (1929 -2018) und Max Mannheimer (1930-1991), beide geboren in Heilbronn

Benno Mannheimer *1907 in Oedheim; ✡1947 in Rochester New York

Entfernte Verwandte aus Oedheim, die Brüder Robert *1905 und Gustav Mannheimer *1909 sowie deren Mutter Fanny geb. Ehrlich wohnen 1938 in Heilbronn, Gustloffstraße 30

Die gesamte Familie Mannheimer aus Heilbronn ist in den Jahren 1933-1939 in die USA ausgewandert, Erwin und Rita Mannheimer über Venezuela.

Erich Herze lebte 1938 im Hachschara-Kibbuz in Heilbronn, Frankfurter Straße 9 zusammen mit weiteren dreizehn Chaluzim. Da er als Berufsbezeichnung Gärtner angibt, ist anzunehmen, dass er zuvor im nur zehn Kilometer entfernten Kibbuz Lehrensteinsfeld eine Hachscharaausbildung bei einer Gärtnerei in Ellhofen machte.

Polenaktion

Am 27./28. Oktober 1938 wurden reichsweit die Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit ver­haftet und zwangsweise nach Zbaszyn abgeschoben, so auch in Heilbronn. Soweit bekannt waren aber keine Chaluzim aus der Frankfurter Straße 9 darunter.

Novemberpogrom

In der „Kristallnacht“ im November 1938 wurde die Synagoge Heilbronns in Brand gesteckt. In der Nacht darauf (10./11. November) fanden von NSDAP-Kreisleiter Drautz organisierter Terroraktionen gegen jüdische Bürger statt: Wohnungen wurden verwüstet, die jüdischen Geschäfte geplündert, Schaufenster zerschlagen. Männliche Juden über 18 Jahren wurden in das Konzentrationslager Dachau verbracht.

Im November 1938 wohnten dreizehn Chaluzim und eine Chaluza im Hachscharazentrum in der Frankfurter Straße 9; alle dreizehn Männer wurden verhaftet und in das KL Dachau verschleppt.

Registrierung von Erich Herze in Dachau

Erich Herze bekommt die Häftlingsnummer 21792.

28.12.1938 entlassen zusammen mit acht weiteren Chaluzim aus Heilbronn

Bruder Jakob vom 12.11-10.12.1938 in Dachau

Emigration von 14 Chaluzim nach Schweden

Abgemeldet aus Heilbronn jeweils am:

9./10.1. 1939 Hans Baruch, Henny Baruch geb. Lorch, Georg Cohen, Erich Herze, Georg Hoffmann, Heinz Kiewe, Ernst Lachmann, Heinz Lachmann, Ruth Lachmann geb. Moser, Hans Lewin, Heinz Löwy

24.1.1939 Werner Seidler

1.2.1939 Günther Schwersenz, Heinz Stadthagen

Gerhard Kann, ein weiterer Chaluzim aus dem Kibbuz, meldete sich am 17.2.1939 nach Palästina ab.

15.12.1941 Erich Herze angemeldet in Kristianstads Björnekulla

10.3.1942 abgemeldet nach Väsby

1945 Suchanzeige von Onkel Wilhelm (Guillermo) in Buenos Aires

Nach dem Krieg lebt Erich Herze in Malmö

29.9.1999 stirbt er bei einem Besuch seiner Tochter in Kaiserslautern

Deportation nach Gurs in der Wagner-Bürckel-Aktion

22.10.1940 Deportation aus Kaiserslautern, insgesamt 5600 Juden aus Baden, sowie 900 Juden aus der Pfalz und dem Saarland in das Internierungslager Gurs in der nicht besetzten Zone, Südfrankreich

Februar/März 1941 Verlegung verschiedener Gruppen aus Gurs in andere Lager: Betagte Menschen kamen nach Noé, Schwerbehinderte nach Récébédou, Familien in das sogenannte ‚Familienlager‘ Rivesaltes

Bruder Jakob lebte mit Lydia Horn in „Mischehe“ dennoch mit seiner Frau und den drei Töchtern nach Gurs deportiert zusammen mit den Eltern Hugo und Johanna

8.12.1940 Tod der Nichte Hannelore (7 Jahre) mit Diphtherie im Internierungslager Gurs.

21.2.1941 Verlegung der Eltern Hugo und Johanna Herze aus Gurs nach Noe

26.2.1941 Nichte Hedwig durch den OSE (Oeuvre de secours aux enfants) mit 49 Kindern aus dem Camp des Gurs in das Kinderheim Maison des Pupilles in Aspet; Schwester Ruth kommt zunächst in ein Kinderheim in Limoges und später zu Pflegeeltern, die sie adpotieren.

27.4.1941 Tod von Bruder Jakob in Gurs;

Schwägerin Lydia wird als Nichtjüdin aus Gurs nach Kaiserslautern zurückgeschickt.

7.2.1943 Tod des Vaters Hugo im Camp de Noe

5.3.1943 Tod der Mutter Johanna im Camp de Noe

Ghetto Riga

11.12.1941 Adolf und Rosa Herze geb. Lazar ab Rheydt -Düsseldorf – Ghetto Riga

Diese Angabe ist fragwürdig, da beide nicht in den Transportlisten erscheinen und auch nicht im Buch der Erinnerung.

Rosa Herze überlebt und heiratet  in New York den Bruder Wilhelm

Gedenken

Stolpersteine in Kaiserslautern für die Familie von Erich Herze, beide Eltern mit Bruder Jakob und dessen Familie

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429467

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/131766424

https://www.myheritage.de/research

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de861674

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de861587

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1553605

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de861586

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de861571

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de861570

Hans Franke, Juden in Heilbronn, Stadtarchiv Heilbronn 1963

https://www.ushmm.org/media/images/vlpnamelist/EE1055/EE1055_part1.PDF

https://504457.forumromanum.com/member/forum/entry_ubb.user_504457.1433925573.1118179807.1118179807.1.geschichte_und_schicksal_juden_heilbronn-ahnenforschung_bayern.htmlhttps://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

Staatsarchiv Israel, Einreiselisten Israel

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My