Stadthagen Heinz

Heinz Stadthagen

*6.12.1920 in Berlin; ✡ 27.8.1976 in Stockholm

Staatsangehörigkeit

Religion jüdisch

Vater Norbert Stadthagen *28.11.1891 in Berlin; ✡ 15.6.1945 in Theresienstadt

Mutter Lucie Spandau *26.1.1889 in Berlin; ✡ 1943 Auschwitz

Geschwister

Marga Stadthagen *31.12.1921 in Berlin; ✡1943 Auschwitz

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Berlin, Lehderstraße 112; Heilbronn, Frankfurter Straße 9

Heirat Tina Kathrine Petersen *16.7.1920 Hadeslev, Dänemark; ✡ Mai 1995 Stockholm

Kinder zwei

Weiterer Lebensweg

Erster Weltkrieg

17.12.1918 Vater Norbert, 4. Kompagnie des Infanterie-Regiments 150 in den Preußischen Verlustlisten „vermisst“ gemeldet

12.12.1919 Vater Norbert, in den Verlustlisten „zurückgekehrt“ gemeldet

Die Ehe der Eltern wird geschieden

Zweite Ehe des Vaters mit Elfriede Leiner (*3.7.1897 in Potsdam) „Mischehe“

Ostern 1927 Einschulung in Berlin; Dr. Lam als Pfleger eingesetzt; er wohnt bei der Mutter in Berlin, Lehderstraße 112

Ostern 1935 Schulentlassung aus der Volksschule

17.5.1939 Mutter Lucie und Marga Stadthagen in Berlin, Lehderstraße 112 bei Minderheitenzählung

17.5.1939 Vater Norbert und Elfriede in Chemnitz bei Minderheitenzählung

Hachschara Kibbuz Heilbronn

Das Haus auf der Frankfurter Straße 9

Vorbesitzer 1862 Moses Kirchheimer, Handelsmann

Vorbesitzer bis 1918 Hermann Baer, Häute-, Fell- und Lederhandlung Adler & Baer

Vorbesitzerin 1918-1920 Babette Baer geb. Adler *1860 in Obergimpern

Besitzer ab 1920 Max Mannheimer, Pferdehändler (1859-1930)

Die Familie Mannheimer

Aus der Familie Mannheimer wohnen auf der Frankfurter Straße 9:

Max Mannheimer und Emma geb. Aron (1870 -1947)

Erwin Mannheimer *1892 in Oedheim; oo Rita Mannheimer geb. Kusiel *1906 in Künzelsau; Söhne Martin Mannheimer (1929 -2018) und Max Mannheimer (1930-1991), beide geboren in Heilbronn

Benno Mannheimer *1907 in Oedheim; ✡1947 in Rochester New York

Entfernte Verwandte aus Oedheim, die Brüder Robert *1905 und Gustav Mannheimer *1909 sowie deren Mutter Fanny geb. Ehrlich wohnen 1938 in Heilbronn, Gustloffstraße 30

Die gesamte Familie Mannheimer aus Heilbronn ist in den Jahren 1933-1939 in die USA ausgewandert, Erwin und Rita Mannheimer über Venezuela.

Heinz Stadthagen lebte 1938 im Hachschara-Kibbuz in Heilbronn, Frankfurter Straße 9 zusammen mit weiteren dreizehn Chaluzim. Da er als Berufsbezeichnung Gärtner angibt, ist anzunehmen, dass er zuvor im nur zehn Kilometer entfernten Kibbuz Lehrensteinsfeld eine Hachscharaausbildung bei einer Gärtnerei in Ellhofen machte.

Polenaktion

Am 27./28. Oktober 1938 wurden reichsweit die Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit ver­haftet und zwangsweise nach Zbaszyn abgeschoben, so auch in Heilbronn. Soweit bekannt waren aber keine Chaluzim aus der Frankfurter Straße 9 darunter.

Novemberpogrom

In der „Kristallnacht“ im November 1938 wurde die Synagoge Heilbronns in Brand gesteckt. In der Nacht darauf (10./11. November) fanden von NSDAP-Kreisleiter Drautz organisierter Terroraktionen gegen jüdische Bürger statt: Wohnungen wurden verwüstet, die jüdischen Geschäfte geplündert, Schaufenster zerschlagen. Männliche Juden über 18 Jahren wurden in das Konzentrationslager Dachau verbracht.

Im November 1938 wohnten dreizehn Chaluzim und eine Chaluza im Hachscharazentrum in der Frankfurter Straße 9; alle dreizehn Männer wurden verhaftet und in das KL Dachau verschleppt.

Registrierung von Heinz Stadthagen in Dachau

Heinz Stadthagen bekommt die Häftlingsnummer 21720.

28.12.1938 entlassen zusammen mit acht weiteren Chaluzim aus Heilbronn

Emigration von 14 Chaluzim nach Schweden

Abgemeldet aus Heilbronn jeweils am

9./10.1. 1939 Hans Baruch, Henny Baruch geb. Lorch, Georg Cohen, Erich Herze, Georg Hoffmann, Heinz Kiewe, Ernst Lachmann, Heinz Lachmann, Ruth Lachmann geb. Moser, Hans Lewin, Heinz Löwy

24.1.1939 Werner Seidler

1.2.1939 Günther Schwersenz, Heinz Stadthagen

Gerhard Kann, ein weiterer Chaluzim aus dem Kibbuz, meldete sich am 17.2.1939 nach Palästina ab.

26.8.1976 Tod in Stockholm mit Herzinfarkt

1.5.1995 Tod der Witwe Tina Stadthagen

Beisetzung von Heinz und Tina Stadthagen auf dem Friedhof  Skogskyrkogården, Stockholm

Fabrikaktion – „Osttransport“ nach Auschwitz

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“ als Vorbereitung auf die „Fabrikaktion“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

4.3.1943 Mutter Lucie auf dem 34. Osttransport nach Auschwitz

6.3.1943 Schwester Marga auf dem 35. Osttransport nach Auschwitz

Theresienstadt

Februar 1942 Deportationen der jüdischen Mischehepartner aus Sachsen und Thüringen nach Theresienstadt

15.2.1945 Vater Norbert aus Chemnitz auf dem Transport V/11 nach Theresienstadt

15.6.1945 Tod von Vater Norbert in Theresienstadt

Gedenken

Quellen

Preußische Verlustlisten 1914-1919

https://www.myheritage.de/research

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12675289

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429465

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212792

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429478

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5095120

https://www.statistik-des-holocaust.de/V11-2.jpg

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1165112

Hans Franke, Juden in Heilbronn, Stadtarchiv Heilbronn 1963

https://www.ushmm.org/media/images/vlpnamelist/EE1055/EE1055_part1.PDF

https://504457.forumromanum.com/member/forum/entry_ubb.user_504457.1433925573.1118179807.1118179807.1.geschichte_und_schicksal_juden_heilbronn-ahnenforschung_bayern.htmlhttps://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

Staatsarchiv Israel, Einreiselisten Israel

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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