Klara Habel (Antmann)
*27.8.1922 in Berlin ; ✡ 30.11.1941 in Riga Rumbula.
Staatsangehörigkeit polnisch
Religion jüdisch
Vater Gerson Jakob Josef Antmann *1890 Przemysl, Galizien; ✡ vor 1945 in Polen
Heirat der Eltern 6.2.1915 in Berlin
Mutter Frieda, Freude Gugig *1890 in Drohobytsch; ✡ 1934
Geschwister
Karl Chaim Antmann *26.11.1913; in Berlin
Jakob Josef Habel *13.1.1916 in Berlin; ✡28.7.1998 in Winchester, UK; oo Gretel Berman
Beruf
Adressen Berlin, Marienstraße 27; Köln; Urfeld;
Heirat
Kinder
–
Weiterer Lebensweg

15.2.1935 Zweite Ehe des Vaters mit Dora Beila Habel *1895 in Obornik; vor 1945 in Polen
Hachschara in Urfeld
22.8.1938 Klara Habel aus Köln zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.
Von März 1934 bis April 1940 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 180 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.
Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)
Polenaktion
28.10.1938 Vater Gerson und Dora Antmann abgeschoben nach Zbaszyn
28.10.1938 Herbert Taub verhaftet in Urfeld in der ersten Polenaktion, zusammen mit neun weiteren Chaluzim u.a. Susi Schmerler, Leo Geffner und Josef Kleinmann sowie Muchi, Max, Oskar und Ida (nicht identifiziert). Susi Schmerler notierte in ihrem Tagebuch:
„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“
„Doch da kam man uns mitten in unseren (Alija-) Plänen dazwischen. Eines Tages kamen mehrere Polizisten ins Beth Chaluz und brachten 10 Ausweisungsbefehle. Wir rechneten alle damit, dass uns noch 2-3 Monate Zeit bleiben würde. Doch nein! Es sollte heute noch sein! Wir telefonierten mit dem Flugplatz, wann das nächste Flugzeug nach London ging, doch die Polizei stand daneben und forderte von uns, dass wir sofort mitkommen müssten. Nicht einmal unsere Sachen durften wir mitnehmen.“
10.11.1938 notierte der hier als Lehrer arbeitende Gerhard Rachwalsky in sein Tagebuch:
„Wir hatten schon öfter festgestellt, dass wir in Urfeld auf dem Mond lebten. Während in allen deutschen Landen die Volksseele … programmmäßig überkochte, während seit den frühen Morgenstunden … in den Städten Synagogen und jüdische Gemeindehäuser brannten, … standen wir wie jeden Morgen im Winter, um sieben Uhr auf, gingen zur Arbeit und arbeiteten bis zur Mittagspause …“
10.11.1938 im Novemberpogrom verprügelten vier besoffene bewaffnete Nazis die Chaluzim und zerstörten das Inventar. Der nichtjüdische Hausbesitzer Doering vertrieb die Eindringlinge mit seinen Söhnen, bewaffnet mit Jagdwaffen; nachts versteckte er einige Chaluzim in seinem Keller, andere in der Gärtnerei Giesen.
Rachwalsky berichtet:
„Herr Doering ging mit seinen beiden Söhnen, alle drei mit Jagdgewehr bewaffnet, sofort ins Haus, um Demolierungen zu verhüten. (…) Nebenbei sollen Herr Doering und seine Söhne einigen Chawerim (Genossen) beim Entkommen geholfen haben. Fest steht, dass sein kleiner Sohn, mit dem Jagdgewehr in der Hand, in voller Jungvolkuniform, Ursel mitten durch die Rowdies ins Freie gebracht hat. … Zum Glück waren die Nazis weder gut organisiert noch besonders zahlreich. Vor allem waren sie besoffen.“
24.7.1939 Klara Habel abgemeldet aus Urfeld nach Berlin
Rigaer Blutsonntag

27.11.1941 Klara Habel auf dem ersten Transport (VII. Osttransport) ins Ghetto Riga mit 1053 Juden aus Berlin.

30.11.1941 Da im Ghetto kein Platz verfügbar ist, werden alle direkt nach Ankunft vom Bahnhof Skirotawa in den Wald von Rumbula geführt.
30.11.1941 Rigaer Blutsonntag, Massenerschießung von 14000 lettischen Juden im Wald von Riga-Rumbula; noch zuvor waren die 1053 Berliner Juden des ersten Riga-Transportes vom Rangierbahnhof Šķirotava in den Wald geführt und erschossen worden
Tod von Klara Habel in Riga Rumbula
8.12.1941 Zweite Massenerschießung von 125000 lettischen Juden aus dem Ghetto im Wald von Riga-Rumbula; die Mutter Dvora und Schwester Sonja, die Familien von Onkel Mischa, Onkel Nonne und Tante Lilly in Rumbala erschossen
Gedenken
Quellen
StA Bornheim, Sammlung Zerlett; Liste der Bewohner im „Lager Urfeld“
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)
Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.
https://www1.wdr.de/urfeld100.html
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://collections.arolsen-archives.org/de
Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume
Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History