Wilzig Erwin

Erwin Wilzig

*7.10.1927 in Krojanke, Flatow, Pommern; +6.6.2007 Tamarac, Florida, USA

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Vater Isidor Willschick *5.2.1886 in Drożyska Wielkie; Schmied, Mechaniker; +3.3.1943 in Tarnow

Mutter Sophie Sommerfeld *27.91885 in Krojanke; oo 23.8.1910; +1943 Auschwitz

Geschwister

Wilhelm Willschick *5.6.1911 in Krojanke; + ca.1944 in Tarnow

Martha Willschick *3.11.1912 in Krojanke; oo 1935 Martin Dobrin; + ca.1944 in Tarnow

Joseph Heinz Willschick *13.9.1914 in Krojanke; 1939 Emigration nach London

Markus Wilzig *26.11.1915 in Krojanke; + 21.4.1945 in Buchenwald

Louis Wilzig *16.11.1919 in Krojanke; + 1944/45 in Auschwitz

Siegbert Wilzig *11.3.1926; Auschwitz-Überlebender; + 7.1.2003 USA

eine weitere Schwester

Beruf Schüler

Adressen Berlin, Georgenkirchplatz 20

Heirat

1.Ehe 1950 mit Gloria Payne; Heiratserlaubnis Brooklyn, New York 6.5.1950

2.Ehe Maria Morales *30.8.1929

3 Kinder

Sophie Wilzig *1.5.1964

Deborah Wilzig *8.5.1967; oo Tzalik

Weiterer Lebensweg

1.4.1934 Einschulung in Krojanke

Nach Umzug Volksschule in Berlin (insgesamt 7 Jahre)

1.4.1938 Wechsel auf „Hilfsschule“ (Jüdische Schule?)

17.5.1939 in Berlin bei Minderheiten-Volkszählung mit den Brüdern Markus, Louis, Siegbert

17.5.1939 Eltern und Bruder Heinz in Berlin bei Minderheiten-Volkszählung

29.9.1939 Bruder Heinz im Kitchener Camp in Kent, England

1942 Verhaftung Polizeigefängnis Berlin

19.10.1942 21. Ost-Transport Berlin nach Skirotawa, Riga

Von den 999 Transportierten waren 60 Kinder zwischen 2-16 Jahren aus dem Waisenhaus  „Baruch Auerbach“, Schönhauser Allee 162 Berlin mit drei Betreuern

22.10.1942 Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa

81 Männer ab 15 Jahre in entfernte Außenkommandos verbracht

22.10.1942 alle anderen Deportierten bei Ankunft in Riga-Bikernieki erschossen

Juli-2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung

November 1943 im Armeebekleidungsamt ABA 701 in Mühlgraben, Kasernierung

Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga

Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof

6.8-9.8.1944 1. Großer Transport mit der „Bremerhaven“ von Libau nach Danzig

28.9.-1.10.1944 3155 Häftlinge aus Riga Kaiserwald, 300 von der Lenta auf dem Frachtschiff „Kanonier“ von Riga->Danzig

29.9.- 3.10.1944 140 Zwangsarbeiter ABA 701 mit dem Frachtschiff „Sanga“ nach Libau, Lettland

13.-14.10. 1944 Die letzten 50 Männer, 10 junge Frauen mit der „Drechtdijk“ auch „Drächtig“ nach Libau

SS-Sonderlager Libau in Lettland, Arbeit im Hafen, Be- und Entladen von Schiffen

22.10.1944 Fliegerangriff auf Libau mit zwei Toten unter den Häftlingen

22.12.1944 schwerer russischer Bombenangriff auf die besetzte Stadt, 14 Lagerinhaftierte kommen um

19. 2. 1945 200 Häftlinge von Libau auf dem mit Granaten- und Patronenhülsen beladenen Kohlefrachter „Balkan“ über die Ostsee erst Richtung Lübeck, wegen Bombenangriffen umgeleitet nach Hamburg;

10 junge Männer bleiben bei der SS in Libau zurück und werden am 9.5.1945 in Libau befreit

27.2.1945 Ankunft in Hamburg, von der Gestapo in Gefängniswagen vom Hafen nach Fuhlsbüttel

27.2.1945 – 11.4.1945 Polizeigefängnis Fuhlsbüttel „Kola-Fu“, Zuchthaus und Konzentrationslager

12.-15.4.1945 86 km Fußmarsch nach Kiel, ins „Arbeitserziehungslager“ (AEL) „Nordmark“ in Hassee, Außenlager des KL Neuengamme in Kiel.

Rettungsaktion „Graf Bernadotte“ durch das Schwedische Rote Kreuz

Nach Verhandlungen des schwedischen Graf Bernadotte und Norbert Masur vom World Jewish Congress, Stockholm mit Heinrich Himmler nahe Berlin werden u.a. 153 jüdische Häftlinge und ihre Kinder aus AEL Nordmark nach Schweden freigelassen.

1.5.1945 153 Juden mit weißen Bussen des Roten Kreuz nach Pattburg, Dänemark, Entlausung in der Quarantänestation; weiter mit dem Zug nach Kopenhagen

2.5.1945 mit der Fähre nach Malmö; erste Quarantäne ca. 10 Tage

Mellersta Förstadskolan (Gebäude der Vorstadt-Mittelschule) in Malmö

4.5.1945 Befreiung des AEL Nordmark Hassee durch britische „Royal Army“

13.5.1945 in Smålandsstenar, Schweden in Quarantäne

8.6.1945 Holsbybrunn, Ausländerheim der Schwedischen Ausländerkommission

21.7.1945 stationär im Epidemie-Krankhaus in Eskilstuna

4.9.1945 wieder in Holsbybrunn.

29.11.1945 nach Ryds Brunn Ausländerlager, Flüchtlingsheim

2.2.1946 in Fagersjö

4.3.1946 wieder in Ryds Brunn

8.5.-18.5.1948 auf SS Gripsholm von Göteborg nach New York,

Ziel Cousin Gerhard Sommerfeld mütterlicherseits

Gedenken

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://collections.arolsen-archives.org/en/archive/127207391/?p=1&s=Wilzig%201927&doc_id=127207391

https://collections.arolsen-archives.org/en/archive/11262898/?p=1&s=Wilzig%201927&doc_id=11262898

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7598); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=en&s_id=&s_lastName=Wilzig&s_firstName=&s_place=Berlin&s_dateOfBirth=&cluster=true

New York City Ehelizenz-Index 1908-1972

http://www.ancientfaces.com/

Aufbau, Nach Schweden gerettet; Ausgabe vom 22.6.1945

Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008

Gertrude Schneider, Exile and Destruction, The Fate of the Austrian Jews 1938-1945; Praeger 1995

U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)

Bernd Philipsen, Fred Zimmak, Hrsg., Wir sollten leben, Novalis 2020

Dietlind Kautzky, Thomas Käpernick Hrsg., Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden VSA 2020

Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011

http://www.geschichtsverein-bordesholm.de/Veroeffentlichungen/Jahrbuecher/J06_7_Fentsahm_Evakuierungsmarsch.pdf

Christin Sandow (Hrsg.), Käthe Fries, Schießen Sie mich nieder, Lukas Verlag 2017

Hilde Sherman: Zwischen Tag und Dunkel. Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt/M.-Berlin-Wien, 1984

Mein besonderer Dank gebührt Fred Zimmak für die großzügige Unterstützung meiner Recherchen.

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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