Käthe Baum geb. Jonasohn
* 18.5.1892 in Gelsenkirchen; +1942 in Riga
Staatsangehörigkeit deutsch
Vater Otto Jonassohn *1870; +1936
Mutter Laura Steinmann
Geschwister
Richard Jonassohn *27.4.1888 in Münster; + Mai 1942 in Kulmhof
Hugo Jonassohn * ?; oo Hedwig Strasser
Walter Jonassohn * oo Josephine Maur
Ella Jonassohn * ?
Kurt Jonassohn *; +1914 im 1. WK in Belgien
Beruf Hausfrau
Adressen Gelsenkirchen; Köln, Neumarkt 41
Heirat Josef Baum *29.4.1889 in Gelsenkirchen; Kaufmann; +1942 in Salaspils oder Außenlager Straszdenhof
Kinder

Werner Baum *5.2.1920 in Köln; +Sept. 1942 in Raasiku

Ernst Baum *17.3.1924 in Köln; Riga; Tröglitz; +1945 auf dem Todesmarsch
Günther Baum *5.9.1928; Ghetto Kauen nach 9. August 1944 Stutthof
Weiterer Lebensweg
17.5.1939 bei Minderheiten-Volkszählung
Dezember 1941 Ankündigung der „Umsiedlung in den Osten“
6.12.1941 Verhaftung und Verbringung in die Deutzer Messehallen
7.12.1941 Transport Tiefbahnhof Köln-Deutz mit Vater Gustav nach Riga
10.12.1941 Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga
Bericht von Rolf Abrahamsohn:
„Die erste Bekannte von uns, die erschossen wurde, war Frau Baum aus Köln. Ihr Mann ist sofort weggekommen nach Salaspils, da sollte ein neues Arbeitslager gebaut werden von 150 Leuten. Da war ich nur drei Tage, dann bin ich zum Torfstechen gekommen. Frau Baum hatte drei Kinder. Auf der Arbeitsstelle hat sie von einem Soldaten ein Kochgeschirr mit einer Suppe bekommen. Das Kochgeschirr, das er ihr gegeben hat, war zwar kaputt, aber die Suppe war noch da. Frau Baum, eine richtige Dame, hatte einen Sack um das Bein gebunden, damit sie nicht ausrutschte. Als wir abends ins Ghetto zurückkehrten, wurde diese Frau untersucht. Man fand die Suppe, und der Kommandant Krause wollte sie zum Erschießen auf den Friedhof bringen. Da kamen ihre drei Kinder hergelaufen und wollten die Mutter retten. Er hat sich nur umgedreht und die Frau erschossen, hat die Frau liegen lassen und ist dann mit einer Zigarette im Mund weggegangen, als ob nichts gewesen wäre. Die Kinder haben dann ihre Mutter auf der Straße wiedergefunden.“
1942 Ehemann Josef ist Stellvertreter des Arbeitsamt-Leiters Herbert Schultz aus Köln
Juli-2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung
Weg von Sohn Werner Baum
Hachschara in Ellguth-Steinau (Landwerk)
Heirat Bianca Nebel *26.6.1915 in Gleiwitz
ab 17.6.1941 in Paderborn, Umschulungslager Grüner Weg, mit Ehefrau Bianca
9.3.1942 in Friedersdorf auf Gut Skaby
zuletzt jüdisches Arbeitslager Radinkendorf

mit Ehefrau Bianca von Berlin nach Raasiku
26. September 1942 mit Ehefrau Bianca von Berlin nach Raasiku und 812 Berliner Juden und Jüdinnen mit dem sogenannten 20. Osttransport (Welle 32) deportiert. Am Güterbahnhof Moabit wurde ein Zug aus Frankfurt/Main mit weiteren 237 Häftlingen angekoppelt. Das Ziel der Deportation war Raasiku in Estland. Nach Ankunft in Raasiku kam ein Teil der Deportierten in das Lager Jägala, ein weiterer kleiner Teil in ein Arbeitslager in der Nähe von Riga, die übrigen Häftlinge wurden in einem unweit entfernten Waldgebiet (Kalevi-Liiva) direkt nach der Ankunft erschossen.
Weg von Sohn Ernst Baum
Ghettoheirat mit Liane Müller *31.10.1924 in Wien; Riga; Stutthof;
1.11.1943 Einweisung in das KL Kaiserwald
2.11.1943 Große Selektion bei Auflösung des Ghettos
Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga und seiner Außenlager
Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof
6.8-9.8.1944 1. Großer Transport mit der „Bremerhaven“ von Riga nach Danzig
28.9.-1.10.1944 3155 Häftlinge aus Riga Kaiserwald, 300 von der Lenta auf dem Frachtschiff „Kanonier“ von Riga->Danzig; auf Kohleschiffen weiter nach Stutthof
13.8.1944 Deportation mit dem Zug aus Stutthof nach Buchenwald
16.8.1944 Ankunft mit 1350 Männern aus Stutthof in Buchenwald
4 Wochen im Quarantänelager im KL Buchenwald, Unterbringung in Wehrmachtspferdeställen und Zelten im „Kleinen Lager“
Sohn Ernst mit Rolf Abrahamsohn im Quarantänelager von Buchenwald

8.9.1944 nach Tröglitz „Wille“; Tod auf dem Todesmarsch
Gedenken
15.5.1989 Pages of Testimony für die Familie vom Neffen Kurt Jonassohn, Sohn des Bruders Richard
3.2.1992 Pages of Testimony für Käthe, Josef, Ernst, Werner und Günther Baum von Alex Salm
Quellen
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de999052
www.spurenimvest.de/2021/06/10/baum-josef/
Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, SH-Verlag, 2000
Rolf Abrahamsohn, Was machen wir, wenn der Krieg zu Ende ist? Klartext, 2010
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1008031
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1561301
https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1141807&ind=1
https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1218476&ind=1
https://museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/default.aspx?sfrom=1214&s=2460&id=747&buchstabe=B
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/86000049?s=Baum%20Else%201907&t=0&p=1
https://museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/default.aspx?sfrom=1214&s=2460&id=676&buchstabe=B
Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010
Gedenkbuch der Opfer der Shoa aus Bochum und Wattenscheid, 2000
Manfred Keller, Spuren im Stein, ein Bochumer Friedhof als Spiegel jüdischer Geschichte, 1997
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_wfn_420127.html
Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011
Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008
Hilde Sherman: Zwischen Tag und Dunkel. Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt/M.-Berlin-Wien, 1984
Anita Kugler, Scherwitz – Der Jüdische SS-Offizier, 2017