Schlesinger Johanna

Johanna Schlesinger geb. Eisner

*25.6.1910 in Langendorf, Gleiwitz; +7.11.1951 in Tel Josef

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Max Wilhelm Eisner *14.3.1878 in Langendorf; + Mai 1942 Auschwitz

Heirat der Eltern 8. 6. 1909

Mutter Rosa Hoffmann *28.9.1886 in Beuthen; + Mai 1942 Auschwitz

Großeltern Simon Eisner und Johanna Kusche

Geschwister

Ernst Simon Eisner *3.12.1918 in Langendorf; +12.1980 in Berlin-Pankow

Lotte Eisner 25.2.1913 in Langendorf; oo Fred Wieland; Tel Josef; +13.8.2000

Edith Eisner *4.9.1914 Langendorf; oo 1936 Kurt Joschkovitz; +16.5.1978

Beruf Landwirtschaftl. Praktikantin; Hausfrau

Adressen Langendorf; Gleiwitz; Spreenhagen; Paderborn

Heirat 1939 Dagobert Schlesinger *14.8.1910 in Königshütte; +26.6.1990 in Israel

Kinder

Tochter Schlesinger oo Simchai

Enkelkinder vier Simchai

Weiterer Lebensweg

17.5.1939 in Gleiwitz bei den Eltern mit Bruder Ernst bei Minderheiten-Volkszählung

September 1939 Landwirtschaftliche Praktikantin in Gut Winkel, Spreenhagen

26.6.1940 aus Spreenhagen ins Umschulungs- und Einsatzlager Paderborn, Grüner Weg

13.7.1940 Johanna Schlesinger folgt aus Gut Winkel, Spreenhagen ins Lager Paderborn

10.8.1940 mit dem Zug von Paderborn nach Wien, Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa

30.8.1940 mit einer Gruppe von 24 Chawerim aus Paderborn offiziell abgemeldet nach „Paraguay“

Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule

Mit dem Zug von Wien an die Donau;

Nach einer Woche auf einem Ausflugsdampfer über Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer; 1000 Flüchtlinge werden auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.

31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet

1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa. Die Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)

5.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS

8.11.1940 Registrierung im Camp Atlith; gibt als Referenz ihre Schwestern Lotte Eisner; oo Wieland; Tel Aviv und Edith Eisner; oo Joshkovik, Tel Aviv, 15 Esther Hamelka an

Zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen

25.11.1940 Ankunft zweier weiterer Schiffe in Haifa

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA

Walter Steinitz, ebenfalls aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:

“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“

Die ins Wasser gesprungenen werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht. 25.11.1940 Die Schiffbrüchigen der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Athlith verbracht, wo sie z.T. über ein Jahr verbleiben, da immer nur kleine Gruppen freigelassen werden.

Die noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht. Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge endlich am 12.8.1945 auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.

20.5.1942 Eltern von Gleiwitz nach Auschwitz

7.11.1951 Tod in Tel Josef

Gedenken

6.5.1999 Pages of Testimonyfür Max Eisner von Tochter Khana Schlesinger

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7

https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php?SourceId=19584

https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561

https://www.statistik-des-holocaust.de/Gleiwitz4205-2.jpg

https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=9970284

https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=9970060

https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1064240&ind=1

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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