Masur Heinz

Heinz Masur

*25.11.1920 in Breslau; ✡ 2.2.1975 in Taby, Schweden

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Benno Masur *4.5.1881 in Lissa; Kaufmann; ✡29.11.1941 Fort IX Kaunas

Verlobungsanzeige der Eltern im Berliner Tageblatt vom 16.8.1911

Mutter Nanny Heymann *6.9.1886 in Guttentag; ✡ 8.4.1937 in Breslau

Zweite Ehe des Vaters am 7.5.1940 mit Herta Rosenbaum *23.11.1898 in Breslau; ✡29.11.1941 in Kauen

Geschwister

Betti Masur *10.3.1913 in Breslau; oo Ernst Wilhelm (*1910)

Beruf Zimmermann

Adressen Breslau, Goethestr. 46; Ellguth, Steinau; Paderborn;

Heirat

1.Ehe 6.6.1948 in Skorping Nykirke mit Rosa Rasmussen *2.5.1924; +26.2.2008

Partnerin Ingeborg Luise Holler (1933-2013); gemeinsame Tochter Susanne

Kinder fünf

Bengt Masur *14.12.1949; +8.6.2018

Staffan, Elisabeth, Rolf Masur; Susanne Holler

Weiterer Lebensweg

1.4.1935-30.9.1938 Lehre als Zimmermann bei Michael Kaliski in Breslau; Kaliski war Jude.

22.9.1938 Gesellenprüfung in Breslau

Lehrgut Ellguth in Steinau

Hans Masur zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth, vermutlich im Januar 1939

Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.

Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.

Polenaktion

28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.

Benno Teichmann berichtet:

„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“

Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.

Novemberpogrom

10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen.

10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht;

12.11.1938 die über 16 jährigen Männer – mehr als 23 – werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.

In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450

10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald; Heinz Masur steht nicht auf diesen Buchenwald-Listen

Dezember 1938 — u.a. mit Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld

6.1.1939 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Auffanglager der „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.

Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien

Es ist anzunehmen, dass Heinz Masur erst nach der Wiedereröffnung 1939 ins Lehrgut Ellguth ging.

Alija

30.1.1939 Alija von Schwester Betti mit Ehemann Ernst Wilhelm, Einreise in Tel Aviv mit einem Kapitalistenzertifikat der Kategorie A(1)

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Vater Benno Masur in Breslau, Goethestraße 46

23.6.1939 Vertrag zwischen der RVJD und der Stadt Paderborn zur Errichtung des Umschulungs- und Einsatzlagers Paderborn, Grüner Weg 86;

Grußkarte der Aufbaugruppe (ohne Heinz Masur’s Unterschrift)

vom Hechaluz wird eine „Aufbaugruppe“ nach Paderborn geschickt

4.7.1939 Heinz Masur aus dem Lehrgut Ellguth, Steinau angemeldet im Lager Paderborn

Die Aufbaugruppe in Paderborn, Foto Hans Ehrlich
Juli 1939, Aufbau der Lagerbaracken am Grünen Weg in Paderborn; links Zimmermann Heinz Masur

1.8.1939 abgemeldet nach Breslau, Neudorfstraße 68

Emigration nach Schweden

1938 Nach dem Novemberpogrom hatte Schweden eine Kinderquote von zunächst 60 Kindern zugesagt. Diese wurde aber später auf 500 erhöht unter der Bedingung, dass jüdische Spender und die jüdische Gemeinde Stockholm die Bürgschaft für die nächsten 1 ½ bis 3 Jahre übernahmen. Dazu zählten auch die etwa 100 mit der Kinder- und Jugendalija nach Schweden Gelangten.

Frühjahr 1939 das Londoner Büro der „Youth Aliyah“ überträgt Eva Warburg die Leitung der Jugend Alijah i Sverige mit Sitz in Stockholm. Auf ihr Betreiben wurde der alte Gutshof Hälsinggården in Korsnäs in Nordschweden bei Falun als Jugendalijah-Hof für die mittlere Hachschara (15-17 Jahre) eingerichtet.

Juni 1939 wird der Jugendalijah-Hof Hälsinggården – auch „Kibbuz Falun“- von der »Stiftung für Landwirtschaftsausbildung« als Träger eröffnet. Die Jugendlichen arbeiten zumeist auf Bauernhöfen in der Umgebung.

Nach den Plänen des britischen Büros der Kinder- und Jugendalija sollten insgesamt 120 junge Leute aus Schweden ausreisen, davon 85 mit einem Jugendalija Zertifikat und 35 als 14–16-Jährige mit einem Kinder-Zertifikat.

Nachdem der Skagerrak im November 1939 sowohl von der deutschen Kriegsmarine wie von der Royal Navy gesperrt worden war, blieb aber nur der beschwerliche Landweg über Russland die Türkei, Syrien nach Palästina übrig; nur zwei kleine Gruppen konnten diese Route nutzen.

„Wehrunwürdig“

„Als Jude Wehrunwürdig“

23.10.1939 vom Deutschen Konsulat in Malmö ausgestellter Auschließungsschein;

6.10.1939 Passanträge des Hechaluz

Nach Ankunft im September 1939 in Schweden  wurden die Deutschen Pässe eingereicht und mit einer schwedischen Aufenthaltgenehmigung versehen.

12.12.1940-31.4.1941 Heinz Masur Waldarbeiter für die Korsnäs Sågverks Aktiebolag und wohnt in Gubbo (Gemeinde Valö)

Nach Entzug der Staatsbürgerschaft wurden die Pässe im Januar 1942 von der deutschen Botschaft in Malmö eingezogen und nur die herausgetrennte schwedische Aufenthaltsgenehmigung zurückgegeben.

Antrag auf einen Fremdenpass; nach Einzug des „Deutschen Pass“ am 16.1.1942
1949 Zeugnis des Försters Oscar Lind über seine Zeit als Waldarbeiter: Masur war „en bra karl“(ein feiner Kerl)

Massenerschießung im Fort IX in Kauen

November 1941 Benno und Herta Rosenbaum ins Sammellager am Schießwerderplatz in Breslau

25. 11. 1941 Deportation von Benno und Herta Rosenbaum aus Breslau nach Kowno (Kauen), Fort IX

Der erste Transport mit schlesischen Juden verließ am 25.11.41 den Bahnhof Breslau-Odertor. Er wurde wie zuvor die Züge aus Berlin (17.11.), München (20.11.), Frankfurt/Main (22.11.) und Wien (23.11.) nicht wie geplant nach Riga, sondern ins litauische Kauen/Kowno geleitet. Unmittelbar nach ihrer Ankunft wurden die Breslauer zusammen mit den Wiener Juden am 29.11.41 vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A im Fort IX außerhalb von Kowno erschossen. Auf Befehl des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD wurden im Fort IX insgesamt 2934 Menschen erschossen.

29.11.1941 Tod des Vaters und seiner Frau Herta Masur bei Massenerschießung im Fort IX Kaunas

2.2.1975 Tod von Heinz Masur in Schweden

Gedenken

29.12.1955 Page of Testimony für den Vater Benno von seiner Betty Wilhelm

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de926810

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot1-7.html

https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=9420785&ind=2

Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7

Kurt Salinger, Nächstes Jahr im Kibbutz, Paderborn 1998

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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