Schwarz Joseph

Josef Jossel Schwarz

Mit Bruder Werner ca 1928; Fotos Meier Schwarz

*21.5.1921 in Nürnberg ; ✡ 1943 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Elieser Ludwig Schwarz *25.6.1877 in Egenhausen; ✡2.9.1937 in Rottendorf von Nationalsozialisten erschossen (hier mit Bruder Werner vor der Haustüre)

Mutter Meila Meta Stern 8.2.1889 in Wiesenbach; ✡ 11.4.1940 im jüdischen Krankenhaus Fürth

Onkel Leopold Schwarz*27.10.1884 in Egenhausen; ✡in Gurs; oo Emma Strauss

Geschwister  

Werner Meier Schwarz *28.1.1926 in Nürnberg; ✡12.1.2022 in Jerusalem

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Nürnberg, Melanchtonplatz 1

Heirat ledig

Kinder –

Weiterer Lebensweg

10.4.1884 die Brüder Lazarus und Josef Schwarz (Großvater?) aus Nürnberg stiften 100 000 Mark für das Jüdische Waisenhaus für Mädchen in Fürth

Vater Ludwig Schwarz, Vorstand der orthodoxen Gemeinde „Adas Israel“ in Nürnberg

2.9.1937 Vater Ludwig am Bahnhof in Rottendorf bei Würzburg von Nationalsozialisten erschossen

1938 in Neuendorf Gründung einer Chewra des Noar Agudati Israel, Jugendorganisation der orthodox-religiösen Agudas Israel (Gründung 28.5.1912 in Kattowitz)

1938 Zwangsverkauf der drei Häuser durch die Witwe Meta Schwarz

17.5.1939 mit der Mutter und Bruder Werner bei Minderheiten-Volkszählung

12.7.1939 Einschiffung von Bruder Werner in Triest

17.7. 1939 Ankunft von Bruder Werner mit Studentenzertifikat B III nach Tel Aviv, kommt in ein Internat in Jerusalem

12.9.1939 zur Hachscharah ins Landwerk Neuendorf im Sande

11.4.1940 Tod der Mutter im jüdischen Krankenhaus Fürth „Herzschlag, Medikamentenmangel“

14.4.1940 Chewra Noar Agudati als Beistand an ihren Leiter Josef Schwarz

Text in Iwrit: Der Ewige werde Dich im Kreise der anderen Trauenden Jerusalems trösten

6.5.1940 Ausstellung des Erbscheins für Josef Schwarz

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Um­be­nen­nung der noch bestehenden in „Jü­di­sches Ar­beits­ein­satz­lager“

Mai bis September 1941 Auflösung der Hachscharalager Ahrensdorf, Jessen, Havelberg; Verlegung der Chaluzim in das Lehrgut Neuendorf im Sande; nur ein kleiner Teil darf noch im Landwerk arbeiten, die meisten werden zur Zwangsarbeit bei Unternehmen in Fürstenwalde verpflichtet.

2.4.1942 Verhaftung der älteren und der bereits bei der Gestapo zuvor auffällig gewordenen Chaluzim aus Neuendorf und Deportation auf Lastwagen in eine große Turnhalle nach Frankfurt/Oder

3.4.1942 Deportation dieser Neuendorf-Gruppe mit 1009 Personen nach Warschau

November 1942 in Kraft tretendes Gesetz: „Alle im Reich gelegenen Konzentrationslager sind judenfrei zu machen und sämtliche Juden sind nach Auschwitz und Lublin zu deportieren.“

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

31.3.1943 Die Belegschaftsliste des Landwerk Neuendorf enthält 96 Männer (drei abwesend) und 66 Frauennamen

7.4.1943 Zustellung der Transportlisten für Neuendorf

8.4.1943 Joseph schreibt DRK-Telegramm an Bruder Werner im Kibbuz Chafez Chaim:

„… morgen reisen wir ab“

10. 4.1943 169 Chawerim aus Neuendorf mit LKW nach Fürstenwalde, von dort mit der Bahn nach Berlin; zu Fuß ins Sammellager ehemaliges jüdisches Altenheim Große Hamburger Straße; in Berlin vom Transport zurückgestellt 16 Personen (Geltungsjuden, Juden aus privilegierten Mischehen etc.)

19.4.1943 auf dem 37. Osttransport als Teil der Fabrikaktion, allein 153 Personen aus dem Landwerk Neuendorf bei Fürstenwalde.

Esther Bejarano erinnert sich:

„Wohin der Zug fuhr, wussten wir nicht. Die Waggons waren überfüllt und wir konnten uns kaum bewegen. Wenn wir mal austreten wollten, mussten wir über die Menschen steigen, um an die Kübel in der Ecke zu gelangen. Die Luft in den Waggons war miserabel und wurde immer schlechter.“

Esther berichtet auch, dass viele alte und schwache Menschen diesen mehrere Tage dauernden Horrortrip in den Viehwaggons nicht überlebten. Ihre Leichen blieben die ganze Zeit in den Waggons.
Mit Esther saßen viele der Jugendlichen im Waggon, mit denen sie in Neuendorf zusammen war: Eli Heymann, Schimschon Bär, Schoschana Rosenthal, Miriam Edel, Anne Borinski, Hilde Grünbaum, Karla und Sylvia Wagenberg, Herbert Growald und noch viele andere.

20. 4. 1943 Ankunft in Auschwitz; Notiz im Lagerbuch von Auschwitz:

„Mit einem Transport der RSHA […] sind etwa 1 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder eingetroffen. Nach der Selektion werden 299 Männer, die die Nummern 116754 bis 117502 erhalten sowie 158 Frauen, die die Nummern 41870 bis 42027 erhalten, als Häftlinge in das Lager eingewiesen.
Die übrigen 543 Deportierten werden in den Gaskammern getötet.“

Häftlingsnummer ?

Eingewiesen zur Zwangsarbeit im Auschwitz Nebenlager Buna Monowitz

Tod in Auschwitz

Gedenken

10.7.1955 Pages of Testimony für Josef und die Eltern von Bruder Meier Schwarz

21.7.2006 Stolpersteine für Joseph Schwarz und seine Eltern, Pate ist der Bruder, der israelische Hydrobiologe Prof. Dr. Meier Schwarz

Quellen

https://www.stolpersteine-nuernberg.de/familie-schwarz

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1157371

BILDER & DOKUMENTE – הכשרות החלוץ בגרמניה – דור המשך (hachshara-dor-hemshech.com)

https://yvng.yadvashem.org/ad

Harald Lordick, Das Landwerk Neuendorf: Berufsumschichtung – Hachschara – Zwangsarbeit; in Pilarczyk, Ulrike (Hrsg) Hachschara und Jugendalija, Schulmuseum Steinhorst, 2019

Lore Shelley (Editor), The Union Kommando in Auschwitz, Lanham, New York, London, 1996

Walter Keschner/Ze’ev Keschet, in: Wiehn Erhard (Hrsg) Wer hätte das geglaubt, 2010

Wiehn Erhard (Hrsg) Wer hätte das geglaubt, 2010

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Harald Lordick, Landwerk Neuendorf in Brandenburg, in: Kalonymos, 2017, Heft 2

Esther Bejarano, Man nannte mich Krümel, Curio Verlag 1989

Esther Bejarano, Erinnerungen, Laika Verlag, 2013

Anneliese Ora Borinski, Erinnerungen

Diethard Aschoff, „Jeden Tag sahen wir den Tod vor Augen“. Der Auschwitzbericht der Recklinghäuserin Mine Winter, in: VZ 94 – 96, 1995 – 97, Hrsg. W. Burghardt, S. 321 – 386

Video-Interview mit Issy Philipp 1994

Naftali-Rosenthal-Ron, Aufblitzende Erinnerungen, Autobiografie; deutsche Übersetzung von Alice Meroz, Berlin 2015

Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212883

Ernest W. Michel, „Promises Kept – Ein Lebensweg gegen alle Wahrscheinlichkeiten“, 2013

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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