Fritz Julius Friedländer
*26.8.1901 in Weißenfels; ✡ 23.4.1945 in Ketschendorf
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater ; ✡früh verstorben
Mutter Johanna Friedländer ; ✡ ?
Stiefvater Sally Löschgold
Geschwister
Beruf Handelsvertreter;
Adressen Weißenfels; Frankfurt/Oder; Fürstenwalde, Steinhöfeler Chaussee 27
Heirat 4.8.1932 Charlotte Weninsky *6.6.1908; Katholikin; „Privileg. Mischehe“
Kinder
Hans Werner Friedländer *13.2.1933 in Fürstenwalde
Gerd Fritz Friedländer *24.2.1938 in Fürstenwalde
Bärbel Friedländer *1943 in Fürstenwalde
Weiterer Lebensweg
— z
Fritz führte zusammen mit seinem Stiefvater Sally Löschgold das Textilgeschäft „Löschgold & Friedländer“ in der Frankfurter Regierungsstraße. Johanna und Sally Löschgold wurden am 2. April 1942 ins Warschauer Ghetto deportiert.
1932 Umzug nach Fürstenwalde
17.5.1939 Fritz Julius Friedländer mit Ehefrau Charlotte und den Kindern Hans Werner und Gerd in Fürstenwalde, Lebus, Steinhöfeler Chaussee 27 bei der Minderheitenzählung
Novemberpogrom in der Region Frankfurt Oder
9./10.11.1938 Lehrgut Neuendorf im von den Nazis inszenierten Novemberpogrom von SA-Trupp überfallen; Mitarbeiter wie der Madrich Max Joseph und alle Chaluzim über 20 Jahre verhaftet und in das KL Sachsenhausen in Oranienburg verschleppt; die jüngeren wie Günter Riese, Kurt Gumpel sowie die Frauen und Mädchen (u.a. Eva Oppenheim) bleiben verängstigt zurück; das Lager wird fünf Tage lang von Wachen abgeriegelt.
In Neuendorf werden etwa 40 Bewohnern verhaftet und zusammen mit den Verhafteten aus der Region auf den Rathausplatz in Frankfurt gebracht;
Gerhard Nassau berichtet:
„Der erste Teil unserer Fahrt war nicht sehr lang. Wir hielten am Rathaus der nächsten Stadt (Frankfurt/Oder), um weitere Gefangene aufzunehmen. Wir standen fast eine Stunde vor dem Rathaus. Die Leute versammelten sich um uns, beschimpften uns, lachten und starrten diese seltsamen Ausgestoßenen der deutschen Gesellschaft an.“
Fritz Julius Friedländer verhaftet in Fürstenwalde.
Im Bus geht es für die Verhafteten aus Frankfurt/Oder in das KL Sachsenhausen;
Fritz Julius Friedländer bekommt bei der Registrierung die Häftlingsnummer 12234; es folgen Kleiderwechsel im Block B und Rasur. Nach einem langem Appell kommt er mit weiteren aus dem Frankfurt-Transport in Block 40 im „Kleinen Lager“ für die jüdischen „Aktionshäftlinge“.

13..12.1938 Entlassung von Fritz Friedländer aus Sachsenhausen

Fritz Friedländer im „Abwanderungsbuch“ des Bischöflichen Hilfswerks Berlin betreffend zum Christentum konvertierte Juden und Jüdinnen, die aus Berlin deportiert wurden oder emigriert sind (Zeitraum: 28.10.1938 und September 1944). Das Dokument ist undatiert.
Namentlich erfasst sind insgesamt 260 Personen. Außerdem finden sich u.a. Angaben zu Geschlecht, Konfession, Alter und dem Datum der sog. „Abwanderung“. Der Begriff „Abwanderung“ wird in dem Buch des Bischöflichen Hilfswerks synonym verwendet für sowohl die Auswanderung der Betroffenen (beispielsweise in die USA – „New York“ – oder nach „Paraguay“) als auch für die Deportation in ein Ghetto oder Konzentrationslager in den besetzten Ostgebieten (bspw. Theresienstadt).
Bis 1943 Zwangsarbeit bei dem Batteriehersteller Pertrix in Berlin-Niederschöneweide, Ab 1943 Arbeit in der Gärtnerei Lehmpfuhl in Ketschendorf, Spreestraße.
23.4.1945 Bei der Erstürmung der Gärtnerei durch Rotarmisten wurde Fritz Friedländer unabsichtlich erschossen.
1947 Umbettung nach Fürstenwalde
1950-er Jahre Witwe Klara Friedländer mit den Kindern nach West-Berlin
Gedenken
6.9.2017 Stolperstein für Fritz Friedländer, Fürstenwalde, Karl-Liebknecht-Straße 61
Quellen
Veränderungsmeldungen des KL Sachsenhausen 1.7-31.12.1938; Arolsen Archives
Inhaftierungsdokumente des KL Sachsenhausen 30.11.1938 -18.1.1939; Arolsen Archives
Gerardo Nassau, An Excursion into the Country of Numbers, 14.11.1938 – 13.12.1938;
Córdoba, Argentina, September 1941
Fritz Julius Friedländer
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11194535
Harald Lordick, Das Landwerk Neuendorf: Berufsumschichtung – Hachschara – Zwangsarbeit; in Pilarczyk, Ulrike (Hrsg) Hachschara und Jugendalija, Schulmuseum Steinhorst, 2019
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939